Solothurn: Raub mit Todesfolge wird nochmals aufgerollt
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SolothurnRaub mit Todesfolge wird nochmals aufgerollt

Der Fall des «Schlafzimmerraubes» von 1992 in Gerlafingen SO wird nochmals aufgerollt. Eine 81-jährige Frau war damals ums Leben gekommen. Der 39-jährige Tatverdächtige wird von der Solothurner Staatsanwaltschaft möglicherweise doch noch wegen Mordes angeklagt.

Die Ermittlungen im tödlich verlaufenen Raubüberfall würden weitergeführt, teilte die Solothurner Staatsanwaltschaft am Montag mit. Eine 81-jährige Frau war damals geknebelt worden, worauf sie erstickte.

Der tatverdächtige Kosovare galt als einer der Anführer der «Schlafzimmerräuber»-Bande, die 1992 im Mittelland nachts bewaffnet in Wohnungen einstieg, die Opfer quälte und ausraubte.

Wegen Verjährung eingestellt werden die Verfahren wegen weiteren Delikten etwa in Iberg ZH und Oensingen SO. Auch eine Schiesserei in Bellach SO wird nicht neu beurteilt, da die Staatsanwaltschaft überzeugt ist vom Freispruch des Kriminalgerichts im Jahre 1995.

Drei Hürden im Fall Gerlafingen

Bei den Ermittlungen zum Delikt in Gerlafingen muss die Staatsanwaltschaft für eine allfällige Mordanklage drei Voraussetzungen prüfen: Dem Beschuldigten müssen eine Tatbeteiligung sowie ein Tötungsvorsatz nachgewiesen werden. Ferner müssen die Tatbestandsmerkmale erfüllt sein, dass die Tat als Mord qualifiziert werden kann. Bisher war sie als qualifizierter Raub mit Todesfolge betrachtet worden.

Wenn eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt werden kann, muss das Verfahren ebenfalls eingestellt werden, wie die zuständige Staatsanwältin Claudia Scartazzini auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Die Staatsanwaltschaft werde nun sämtliche Beweismittel nochmals anschauen. Scartazzini kündigte zudem an, den Tatverdächtigen einvernehmen zu wollen. Dieser sitzt im Kanton Thurgau wegen anderer Delikte eine Gefängnisstrafe ab.

Strafanzeige eingereicht

Dass der Fall noch einmal aufgerollt wird, ist auf eine Strafanzeige wegen Mordes zurückzuführen, die ein Angehöriger des Todesopfers am Montag vor einer Woche eingereicht hat.

Die Solothurner Justiz ist wegen des Falls in die Kritik geraten. Der damals zuständige Staatsanwalt hatte die Delikte in Gerlafingen, Iberg und Oensingen nie zur Anklage gebracht. 2002 wies das frühere Untersuchungsrichteramt die Akten dem gleichen Staatsanwalt erneut zur Anklageerhebung zu, was dieser jedoch unterliess.

Der Kosovare wurde wegen anderer Delikte vom Kriminalgericht 1995 in Abwesenheit verurteilt. Weil das erstinstanzliche Urteil nicht im kantonalen Amtsblatt publiziert wurde, wurde es nie rechtskräftig.

Fall Wil SG noch ungewiss

Wie vergangene Woche bekannt wurde, sind zudem Akten zu einem Raubüberfall in Wil SG nicht mehr auffindbar. Dort war ebenfalls 1992 eine 80-jährige Frau überfallen, gefesselt und geknebelt worden. Später wurde sie befreit und ins Spital gebracht. Die Solothurner Staatsanwaltschaft war auch für dieses Delikt zuständig, da die «Schlafzimmerräuber» ihre ersten Taten im Kanton Solothurn begangen hatten.

Auch wenn die Akten zum Raubüberfall in Wil wieder zum Vorschein kommen sollten, wird dieses Delikt voraussichtlich ebenfalls wegen Verjährung eingestellt, wie Scartazzini sagte.

Sämtliche Einstellungsentscheide sind noch nicht rechtskräftig, sondern können bei der Beschwerdekammer des Solothurner Obergerichts innert zehn Tagen nach Zustellung angefochten werden.

(sda)

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