Microsoft in China: Raubkopien kosten 34 Milliarden Dollar
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Microsoft in ChinaRaubkopien kosten 34 Milliarden Dollar

Software-Piraten ärgern Microsoft-Chef Steve Ballmer. Vor seinen Mitarbeitern in Peking klagte er, das Unternehmen verliere in China wegen Raubkopien 95 Prozent des Umsatzes.

von
ahi

Obwohl im Reich der Mitte schon fast so viele Computer verkauft werden wie in den USA, macht der Software-Riese Microsoft dort gerade mal einen Zwanzigstel des Umsatzes. Dies hat Konzernchef Steve Ballmer an einem Mitarbeiter-Treffen diesen Mittwoch in Peking vorgerechnet, schreibt das «Wall Street Journal».

Microsoft machte im vergangenen Jahr weltweit 62,5 Milliarden Dollar Umsatz. In den USA waren es 36,2 Milliarden. Nach Ballmers Angaben, kommt man für China auf rund 1.8 Milliarden Dollar. Chinesische Raubkopierer kosten den Microsoft also über 34 Milliarden Dollar. Bisher veröffentlichte Microsoft keine detaillierten Geschäftszahlen zu Softwareverkäufen in China.

Office für 2 Franken am Strassenrand

Das Problem sei, dass man auf Chinas Strassen immer noch lizenzfreie Kopien von Windows und Office kaufen könne – und das für 2 bis 3 Dollar. Ballmer zufolge macht Microsoft deshalb im China sogar weniger Umsatz als in den Niederlanden. Zum Vergleich: In China leben gemäss offiziellen Zahlen rund 1,3 Milliarden Menschen. In den Niederlanden sind es etwa 17 Millionen, was einem Verhältnis von 76 zu 1 entspricht.

Laut Ballmer verliert Microsoft in China derart viel Geld, weil das geistige Eigentum nicht gut genug geschützt werde. Und der Verlust schwillt Jahr für Jahr weiter an. Denn China dürfte die USA schon bald als weltweit grösster PC-Markt überholen: Das Marktforschungsunternehmen IDC erwartet, dass die Computer-Verkäufe in China im laufenden Jahr um 12 Prozent auf 71 Millionen anschwellen werden. In den USA rechnet man mit 75 Millionen verkauften PCs, so viele wie 2010 also.

Das Argument, dass die Chinesen nicht genug verdienen, um sich die teure Software von Microsoft kaufen zu können, zieht laut Ballmer übrigens nicht: «Ich sage nicht, dass jeder in China einen PC kaufen kann. Wer sich aber einen leisten kann, der vermag auch die Software.»

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