Aktualisiert 29.03.2019 08:39

Debatte um Regulierung

Rauchen von E-Zigis soll im Restaurant erlaubt sein

Jeder zweite Fünfzehnjährige hat schon einmal an einer E-Zigarette gezogen. Das entfacht die Debatte neu, wie E-Zigis reguliert werden sollen.

von
mm/pam
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Erstmals liegen auch für den Konsum von E-Zigaretten Zahlen vor.

Erstmals liegen auch für den Konsum von E-Zigaretten Zahlen vor.

Keystone/Christian Beutler
Sucht Schweiz hat dafür über 11'000 Schüler im ganzen Land befragt.

Sucht Schweiz hat dafür über 11'000 Schüler im ganzen Land befragt.

APA/Helmut Fohringer
Dabei zeigte sich, dass Dampfen bei den 15-Jährigen weit verbreitet ist.

Dabei zeigte sich, dass Dampfen bei den 15-Jährigen weit verbreitet ist.

APA/Helmut Fohringer

E-Zigaretten und Verdampfer boomen bei Jugendlichen: Laut einer neuen Studie von Sucht Schweiz hat mindestens die Hälfte der 15-Jährigen mindestens an einer gezogen, bei den jungen Frauen ist es ungefähr ein Drittel. Die Hauptgründe: «Neugierde» und «weil ich es mag».

Eine weitere aktuelle Studie aus den USA zeigt zudem: 32 Prozent der College-Studenten besitzen eine E-Zigarette, und 50 Prozent haben schon beobachtet, wie andere in der Vorlesung oder in der Bibliothek gedampft haben.

Es stellt sich die Frage: Wo sollen Dampfer ihrer Sucht frönen dürfen? Das Schweizer Parlament muss den Verkauf oder die Anwendung von E-Zigaretten erst noch gesetzlich regeln.

E-Zigis in Restaurants und ÖV

«Studien beweisen, dass E-Zigaretten sowohl für den Konsumenten als auch für Dritte viel weniger schädlich sind als herkömmliche Zigaretten», findet SVP-Nationalrat Sebastian Frehner. Deshalb müsse man versuchen, diese gesünderen Alternativen zur herkömmlichen Zigarette zu fördern. «E-Zigaretten und Heat-not-burn-Produkte müssen somit gesetzlich gesondert behandelt werden», meint Frehner weiter.

Er sehe kein Problem, wenn E-Zigaretten in der Öffentlichkeit oder in geschlossenen Räumen konsumiert werden. «E-Zigaretten sind für Passivraucher nicht gefährlich. Ich sehe deshalb keinen Grund, das Rauchen von E-Zigaretten in Restaurants oder im Zug zu verbieten.»

Gleicher Meinung ist auch Rico Daniel, Inhaber von e-smoking.ch: «E-Zigaretten sollen überall erlaubt sein, denn ihr Dampf ist nachweislich nicht gesundheitsschädigend. Natürlich ist es jeder Haus- oder Schulverordnung vorbehalten, diesbezüglich eigene Vorschriften zu erlassen, aber gesetzliche Einschränkungen auf kantonaler und nationaler Ebene braucht es nicht.»

«Tatsächlich sind Verdampfer und E-Zigaretten weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten, da weniger Feinstaub und wahrscheinlich auch weniger krebserregende Substanzen entstehen», sagt Werner Karrer, Facharzt für Lungenerkrankungen und Innere Medizin. Auch bei der Rauchentwöhnung könnten solche Produkte helfen. «Wenn ein Patient das will, ist es einen Versuch wert.» Studien zeigten aber, dass die meisten Dampfer daneben weiter Tabak rauchten, was den Erfolg wieder zunichtemache.

Dampfen gemäss Hausordnung

«E-Zigaretten produzieren keinen Rauch, sondern Dampf. Passiv Dampf ist nachweislich frei von Nikotin und deshalb für Mitmenschen nicht schädlich», findet Rachel Jossen, Geschäftsführerin von Red Vape. Deshalb fordert sie im Gegensatz zu den vielen Verboten mehr Ausnahmen. «Es ist essenziell, dass das Dampfen in E-Zigaretten-Shops erlaubt bleibt. Nur so können Raucher im Sinne der Schadensminimierung von Tabakrauch wegkommen.»

Im Rahmen des Lebensmittelgesetzes soll es laut Jossen auch erlaubt sein, in Restaurants und Bars zu dampfen. «E-Zigaretten sind für solche Betriebe eine grosse Chance. Denn andere Gäste werden durch den Dampf in ihrer Gesundheit nicht beeinträchtigt.» Insgesamt sei es im Alltag aber wichtig, dass beim Dampfen Rücksicht auf die Mitmenschen genommen werde. «So soll es jedem vorbehalten sein, in der Hausordnung das Dampfen zu erlauben oder nicht.»

E-Zigi-Verbot an öffentlichen Plätzen

«Es ist richtig, dass Tabakrauchen an öffentlichen Orten, am Bahnhof oder im Zug verboten ist», findet Lungenarzt Karrer. Für Dampfer sollte es keine weiteren Ausnahmen geben. «Der Dampf stört nicht nur und ist für den Geruchssinn der Mitmenschen teilweise unerträglich, die Passivrauch-Risiken sind zudem kaum erforscht.» Zwar sei die Feinstaubbelastung des Umfelds bei Dampfern wohl nicht so gross. Hier brauche es aber Ergebnisse aus Langzeitstudien.

Diese Haltung teilt SP-Nationalrat Angelo Barrile. E-Zigaretten und Heat-not-burn-Produkte sollten deshalb wie herkömmliche Zigaretten dem Tabakproduktegesetz unterworfen werden, fordert er. «Ich bin ganz klar für eine Altersbegrenzung von 18 Jahren. Allerdings ist Prävention genauso wichtig.» Damit Jugendliche E-Zigaretten nicht als harmlose Produkte wahrnehmen, brauche es griffige Massnahmen wie zum Beispiel ein Werbeverbot aller Tabak- beziehungsweise Nikotinprodukte, so Barrile.

Auch für den Konsum sollen die gleichen Regeln gelten: «Alle Nikotinprodukte müssen gleich behandelt werden. Es braucht in geschlossenen Räumen genauso ein E-Zigaretten-Verbot, wie es dieses für herkömmliche Zigaretten gibt.» Es könne nicht sein, dass Passivraucher auf öffentlichen Plätzen, in Schulen oder im ÖV von potenziell schädlichen Dämpfen betroffen seien.

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