Aktualisiert 05.06.2019 08:26

Rausschmiss

Rauchende Nationalrätin aus Club geworfen

Die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran wurde aus einem Club geworfen, weil sie drinnen rauchte. Jetzt erhebt sie schwere Vorwürfe gegen den Türsteher. Der Club widerspricht.

von
Marco Lüssi
Sie rauchte im Club und flog raus: SP-Nationalrätin Jacqueline Badran.

Sie rauchte im Club und flog raus: SP-Nationalrätin Jacqueline Badran.

Keystone

SP-Nationalrätin Jacqueline Badran (51) wurde am Freitagabend aus dem Zürcher Nobelclub Aura am Paradeplatz geworfen. Und zwar so unsanft, dass sie gemäss eigenen Angaben blaue Flecken davontrug.

Was war passiert? Die Versionen von Badran und den Clubverantwortlichen unterscheiden sich stark. Sicher ist: Badran hielt sich im Aura, wo das fünfjährige Bestehen von Roger Schawinskis Radio 1 gefeiert wurde, nicht an das Rauchverbot. Gemeinsam mit dem «Weltwoche»-Journalisten Alex Baur rauchte sie am Freitag gegen 23 Uhr im Foyer des Clubs aus dem Fenster. Bis Türsteher intervenierten. Ein Security forderte die beiden auf, sofort mit dem Rauchen aufzuhören. Eine Anweisung, der er sofort Folge geleistet habe, sagt Baur. Anders Badran: «Ich bin Nationalrätin, ich darf das», sagte eine Aura-Sprecherin zum Türsteher.

Badran: «Ich wurde gepackt und rausgeschleift»

Danach eskalierte die Sache - jedenfalls nach Badrans Darstellung: Der Türsteher habe sie «gepackt, 30 Meter durch das Foyer im 1. Stock geschleift, weiter die Treppe runtergeschleift und dann bei der Haupttüre nach draussen geworfen», schreibt sie im Netz. Blaue Flecken würden von der Gewalt zeugen, die sie erlitten habe.

Anders stellt es die Aura-Sprecherin dar: «Der Türsteher umfasste Frau Badrans Arm und geleitete sie freundlich, aber bestimmt nach draussen.» Dabei sei er von der alkoholsiert wirkenden Politikerin unflätig beschimpft worden. «Den Wortlaut möchte ich gar nicht widergeben.»

Girod setzte sich für Badran ein

Welche Version stimmt, kann auch Baur, der sich ganz in der Nähe befand, nicht sagen: «Alles ging sehr schnell, und ich war abgelenkt, weil ich in diesem Moment nach einem Ort suchte, an dem ich meinen ausgedrückten Zigarettenstummel entsorgen konnte.»

Nach dem Vorfall wurde Badran erlaubt, in den Club zurückzukehren, um ihr Handy und ihre Jacke zu holen. Anfangs sei ihr dies verwehrt worden, der ebenfalls an der Party anwesende grüne Nationalrat Bastien Girod und dessen Frau Ellen hätten sich aber für sie eingesetzt, so Badran.

Wut auf den «Weltwoche»-Journalisten

Nach dem Vorfall traf Badrans Wut nicht nur die Security des Clubs, sondern auch den «Weltwoche»-Journalisten. Sie beschimpfte Baur per Twitter als «feigen Spiesser» warf ihm «unterlassene Hilfeleistung» vor. Baur, den gemäss eigenen Angaben eine «Hassliebe» mit Badran verbindet, wehrt sich: «Wäre Jacqueline in Lebensgefahr gewesen, hätte ich mich natürlich mit Fäusten für sie eingesetzt - auch wenn ich gegen den muskulösen Türsteher wenig hätte ausrichten können.» Für ihn habe es aber einfach so ausgesehen, als habe der Türsteher sie nach draussen begleitet und sie würde dort weiterrauchen. «Eigentlich ein ganz banaler Vorgang, und ich wollte mir die Party davon nicht verderben lassen.»

«Badran fiel schon vorher unangenehm auf»

Laut der Aura-Sprecherin war Badran schon vor diesem Vorfall unter den 350 Partygästen negativ aufgefallen. Sie habe die anderen Leute provoziert. Im Internet schreibt Badran, an der Party habe es «lauter Cippollata- und Servelapromis» gehabt. Badran habe beim Aura-Personal den Eindruck erweckt, betrunken zu sein. Auch Baur sagt: «Ich war erstaunt, dass sie an diesem Abend Prosecco trank - normalerweise trinkt sie nur Wasser.»

Die Aura-Sprecherin ist überrascht, dass Nationalrätin Badran ihrer Vorbildfunktion nicht nachgekommen sei und gegen das Rauchverbot verstossen habe. Badran erklärt ihr Verhalten im Internet damit, dass das Fumoir überfüllt und nur über einen weiten Weg erreichbar gewesen sei. «Jacqueline ist als Sozi für Gesetze und Regulierungen, aber mit dem Rauchverbot steht sie auf Kriegsfuss», sagt ihr Bekannter Baur.

Für die Aura-Macher ist klar: «Unsere Türsteher haben nur ihren Job gemacht. Man kann ihnen nichts vorwerfen.» Das Aura kläre den Fall jedoch intern weiter ab.

20 Minuten konnte Badran heute Sonntag bisher nicht für eine Stellungnahme erreichen.

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