Aktualisiert 14.09.2012 08:55

Dank PausenRaucher arbeiten besser

Nun ist es wissenschaftlich bewiesen: Raucher sind trotz – oder gerade wegen – ihrer Zigaretten-Pausen produktiver als ihre nichtrauchenden Arbeitskollegen.

von
Elisabeth Rizzi
Raucher machen öfter kürzere Pausen beim Arbeiten. Deshalb tolerieren sie höhere Belastungen.

Raucher machen öfter kürzere Pausen beim Arbeiten. Deshalb tolerieren sie höhere Belastungen.

Haben Sie auch schon über Ihre faulen Raucher-Kollegen gewettert, die dauernd draussen vor dem Aschenbecher herumlungern, statt zu arbeiten? Das war vielleicht ein Fehler. Eine neue Studie - nein, nicht der Tabakindustrie, sondern der Universität Zürich - zeigt nämlich, dass Raucher am Arbeitsplatz produktiver sind als ihre vermeintlich fleissigen Nichtraucher-Kollegen.

Laut der Ökonomin Chloé Michel wächst zum einen die Lohntüte der Raucher schneller. Zum anderen werden sie auch eher befördert. Die Wissenschaftlerin untersuchte über mehrere Jahre die Daten von Rauchern und Nichtrauchern in Grossbritannien. Raucher, die zwei bis drei zusätzliche Pausen machten, schnitten dabei am besten ab.

«Kurzpausen fördern Produktivität»

Für Norbert Semmer, Professor für Arbeitspsychologie an der Uni Bern, ist das Ergebnis weder überraschend, noch ein ausschliesslich britisches Phänomen. «Es ist schwierig, den Arbeitgebern das zu vermitteln. Aber vor allem Kurzpausen fördern die Produktivität», sagt er. Das sei wissenschaftlich gut nachgewiesen.

Der Grund: Die Müdigkeit beim Arbeiten steigt nicht-linear an. Wer sie frühzeitig mit Erholungsmassnahmen bekämpft, profitiert deshalb mehr. «Schon wenige Minuten pro Stunde sind nützlich», so Semmer. Denn wer seinen Beanspruchungs- und Erholungszyklus ständig ausgleiche, könne eine höhere Arbeitsbelastung tolerieren, ohne Schaden zu nehmen.

Das will Semmer allerdings nicht als Ansporn zum Rauchen verstanden wissen. Denn zum Glimmstängel zu greifen, sei für die Gesundheit nicht gut. So melden sich Raucher im Durchschnitt fast doppelt so viele Tage (6,16) pro Jahr krank wie Nichtraucher (3,86). Zudem zeigte sich in Michels Untersuchung, dass der positive Produktivitätseffekt verfliegt, wenn Kettenraucher wegen ihrer Sucht dauernd von ihrer Arbeit abgelenkt werden.

Für Semmer ist darum klar: «Man müsste eine allgemeine Arbeitskultur einführen, die Pausen akzeptiert – auch bei Nichtrauchern.» Dazu zählten Kurzpausen genauso wie Powernaps. Das durchzubringen, sei jedoch schwierig. «Viele, auch Führungskräfte, können sich schlicht nicht vorstellen, dass Nichtarbeiten die Produktivität steigert», beobachtet der Experte. Nicht selten sind in Krisenzeiten deshalb Pausen die ersten Opfer.

Chefs als Vorbilder

Immerhin scheint ein Umdenken stattzufinden. Während man sich bei der Lungenliga nicht für dieses Themengebiet zuständig fühlt, plant der Gewerkschaftsdachverband Travail Suisse nach dem Scheitern seiner Ferien-Initiative eine Pausen-Offensive. Denn das Arbeitsgesetz sieht heute bei Arbeitstagen zwischen sieben und neun Stunden bloss eine halbe Stunde Pause zwingend vor.

«Derzeit laufen bei uns Abklärungen, wie man mehr Pausen im Arbeitsalltag sinnvoll im Gesetz verankern kann», so Präsident Martin Flügel. Das Problem sei allerdings, dass Pausen stark von den konkreten Arbeitsabläufen abhängen und somit weitaus komplizierter zu definieren seien als Ferien.

So bleibt denn vorderhand der Semmer'sche Vorschlag, der am schnellsten umsetzbare: «Die Chefs müssen ganz einfach selbst vorleben, dass man für gute Leistungen nicht pausenlos arbeiten muss.» Der Professor macht es seinen Mitarbeitenden vor – und hält täglich einen Powernap in seinem Institut.

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