09.03.2020 20:41

Third-Hand-SmokeRaucher belasten andere auch im rauchfreien Raum

Messungen in einem Kino haben ergeben: Sitzen Raucher im Publikum, belastet das die Luft genauso, wie wenn im Raum zehn Zigaretten geraucht würden.

von
jcg
1 / 8
Gefährliche chemischen Verbindungen aus dem Tabakrauch erreichen nicht nur die Lungen von Rauchern.

Gefährliche chemischen Verbindungen aus dem Tabakrauch erreichen nicht nur die Lungen von Rauchern.

iStock/Elitsa Deykova
Auch Nichtraucher können sie einatmen.

Auch Nichtraucher können sie einatmen.

Clarkandcompany
Entweder über das Passivrauchen ...

Entweder über das Passivrauchen ...

iStock/Azmanl

Tabakrauch schadet. Er schadet der Gesundheit von Rauchern, aber auch jener von Nichtrauchern, die sich in der Nähe von Rauchern aufhalten. Das gilt nicht nur für das Passivrauchen, also das Einatmen des Rauches von Zigaretten und anderen Tabakprodukten. Gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe aus dem Tabakrauch können auch in die Luft gelangen, ohne dass an einem Ort geraucht wird. Und zwar aus Ablagerungen in Haaren, Kleidern oder Möbeln. Im englischen Sprachraum spricht man dabei vom Third-Hand-Smoke (Dritthandrauch).

Wie stark Raucher die Luft auch in einer komplett rauchfreien Umgebung belasten können, haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Yale University in einem Kino im deutschen Mainz, dem Sitz des Max-Planck-Instituts, untersucht. Dort massen sie über vier Tage in einem Saal die Luftqualität mit einem hochauflösenden Massenspektrometer. Dabei identifizierten sie in der Luft deutliche Konzentrationen von 35 verschiedenen chemischen Verbindungen, die aus Ausdünstungen von Tabakablagerungen stammen, darunter Nikotin, Formaldehyd und Benzol.

Passivrauch von bis zu zehn Zigaretten

Das Überraschende für die Forscher: Die Emissionen waren je nach Substanz vergleichbar mit dem Rauch von ein bis zehn Zigaretten, wie sie in einer Mitteilung schreiben. Die Konzentration war dabei am Abend während der Vorführung von Erwachsenenfilmen deutlich höher als am Nachmittag während der Kindervorstellung, obwohl am Abend weniger Zuschauer im Saal sassen.

Jonathan Williams, vom Max-Planck-Institut für Chemie und Co-Autor der Studie, sagt in einer Mitteilung dazu: «Wir gehen davon aus, dass die Kinobesucher die Zigarettenrauchrückstände mit ihrer Kleidung und ihrem Körper in den geschlossenen Raum transportiert haben. Diese Beobachtung stimmt mit vorherigen Vermutungen überein, die aber bisher noch nicht bewiesen werden konnten.»

Auch in rauchfreien Räumen kein Schutz

Die Substanzen konnten in geringerer Konzentration auch noch in der Luft des Kinosaals nachgewiesen werden, nachdem das Publikum den Saal schon lange verlassen hatte. Dies, weil die Substanzen nicht in der Luft bleiben, sondern sich auf Oberflächen absetzen, von wo sie später wieder in die Luft gelangen, wie die Forscher schreiben.

Laut den Wissenschaftlern lassen sich die Resultate der Studie auf andere, weniger gut belüftete Standorte wie beispielsweise Autos, Bars, Züge oder Wohnungen übertragen. «Somit ist die Vorstellung, dass man als Nichtraucher in einem rauchfreien Raum vor Passivrauchen geschützt wäre, ein Trugschluss», sagt Drew Gentner von der Yale-Universität und Co-Autor der der im Fachjournal «Science Advances» erschienen Studie.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.