Aktualisiert 15.02.2018 21:12

Ausweis entzogenRaucher soll nicht mehr fahren, weil er hustet

Weil er an Raucherhusten leidet, sollte ein 47-Jähriger seinen Fahrausweis abgeben. Er stelle ein Risiko im Strassenverkehr dar. Experten halten das für übertrieben.

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vro
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Wer an der Lungenerkrankung COPD leidet, kann eine Gefahr für den Strassenverkehr sein. Die MFK Solothurn verlangte deshalb von einem Lenker, dass er mit dem Rauchen aufhört. Ansonsten würde er seinen Fahrausweis nicht zurückerhalten.

Wer an der Lungenerkrankung COPD leidet, kann eine Gefahr für den Strassenverkehr sein. Die MFK Solothurn verlangte deshalb von einem Lenker, dass er mit dem Rauchen aufhört. Ansonsten würde er seinen Fahrausweis nicht zurückerhalten.

Caroline Seidel
Der Mann raucht zwar zwei Packungen am Tag, laut einem ärztlichen Attest leidet er aber nicht an einer Raucherlunge.

Der Mann raucht zwar zwei Packungen am Tag, laut einem ärztlichen Attest leidet er aber nicht an einer Raucherlunge.

Keystone/Alessandro Della Bella

Ein 47-jähriger Autofahrer wurde betrunken am Steuer erwischt. Die verkehrsmedizinische Untersuchung zeigte, dass er offenbar öfter zu viel trinkt. Deshalb wurde ihm der Ausweis von der Motorfahrzeugkontrolle (MFK) des Kantons Solothurn entzogen. Will er ihn zurück, muss er sechs Monate abstinent sein und sich einer Therapie unterziehen, wie die «Solothurner Zeitung» schreibt. Damit war der Mann einverstanden.

Damit er seinen Fahrausweis zurückzubekommt, muss der 47-Jährige einen vom MFK auferlegten Rauchstopp einhalten. Das Amt stützt den Entscheid mit einem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Uni Zürich. Dieses zeigt auf, dass bei fortlaufendem Nikotinkonsum und der Lungenkrankheit COPD ein deutlich erhöhtes Risiko besteht, am Steuer wegen eines Hustenanfalls ein Blackout (Hustensynkope) zu erleiden.

Fall geht an die MFK zurück

Der Mann, der laut der Zeitung zwei Packungen Zigaretten pro Tag raucht, war in der Vergangenheit einmal wegen einer solchen Synkope behandelt worden. Gegen den Rauchstopp legte er Beschwerde ein. Das Verwaltungsgericht des Kantons Solothurn kam in seinem Urteil zwar zu folgendem Schluss: «Der Tabakkonsum kann im Einzelfall gesundheitliche Probleme verursachen und dadurch die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit des Lenkers derart einschränken, dass dieser nicht mehr in der Lage ist, ein Motorfahrzeug sicher zu führen.»

Dennoch hob das Gericht die Auflage vorläufig auf, denn der Mann konnte mit einem Bericht eines Pneumologen aufzeigen, dass er nicht an einer Raucherlunge leidet. Das Verwaltungsgericht befand deshalb, dass die Auflagen «so nicht mehr Gültigkeit haben können», zitiert die Zeitung aus dem Urteil. Es wies den Fall deshalb zurück an die MFK.

«Dann dürften Menschen mit einer Erkältung auch nicht fahren»

Für den Pneumologen Thomas Rothe darf der Fall des Ausweisentzugs wegen Raucherhustens nicht Schule machen: «Natürlich kann ein Hustenanfall am Steuer die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Husten bei COPD kommt aber selten so massiv und unvermeidbar wie bei einer Erkältung oder einem Keuchhusten. Insofern dürften Menschen mit einer Erkältung oder Keuchhusten auch nicht fahren», sagt er zu 20 Minuten.

Rothe findet deutliche Worte: «Die Auflage, er müsse mit dem Rauchen aufhören, ist hier völlig fehl am Platz, obwohl ich mir das als Pneumologe wünschen würde.» Manche Menschen husteten aber vorübergehend nach dem Nikotinstopp sogar noch mehr. Medizinisch bestehe kein sinnvoller Zusammenhang zwischen Rauchstopp und Weiterrauchen hinsichtlich Fahrtüchtigkeit. Man dürfe das Problem nicht verallgemeinern.

Ein Lenker muss fahrtauglich sein

Synkopen seien nicht zwingend auf COPD zurückzuführen. «Sie können durch Herz-Kreislauf-Probleme entstehen», erklärt Rothe. «Es gibt aber auch Menschen, die einen sogenannten Lachschlag oder Hustenschlag entwickeln. Das heisst, bei einem starken Husten durch eine banale Erkältung oder einem lautem Lachen kann es kurzfristig zu einer Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff kommen – verbunden mit kurzem Bewusstseinsverlust.»

Das Strassenverkehrsgesetz schreibt vor, dass Motorfahrzeugführer über eine Fahreignung und Fahrkompetenz verfügen müssen. Sie müssen deshalb unter anderem «die erforderliche körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen von Motorfahrzeugen» haben. «Eine Hustensynkope kann durchaus kurzzeitig die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen oder sogar kurzzeitig ausschalten», erklärt TCS-Sprecher Daniel Graf.

Dass nun alle betroffenen Raucher automatisch den Ausweis abgeben müssen, sei jedoch nicht sinnvoll: «Es geht grundsätzlich nicht, alle Personen vom Strassenverkehr auszuschliessen, die eine Veranlagung aufweisen, eine Krankheit zu entwickeln, deren mögliche Symptome ein Risiko darstellen, für den Fall, dass sie während des Fahrens auftritt», sagt Graf. «Die Behörden haben kein Recht, auf der Basis eines rein hypothetischen Risikos einzuschreiten, sondern nur dann, wenn jemand konkret, also nicht nur hypothetisch, ein erhöhtes Risiko für die Verkehrssicherheit darstellt.» Er appelliert an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen, seine Fahrtüchtigkeit richtig einzuschätzen.

Was ist COPD?

Rund 400'000 Menschen in der Schweiz leiden an der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease).

Etwa 90 Prozent aller COPD-Betroffenen rauchen oder haben geraucht. COPD ist nicht heilbar. Wird COPD frühzeitig erkannt, lässt sich der Krankheitsverlauf verlangsamen. Auswurf, morgendlicher Husten und Atemnot sind typische erste Anzeichen für COPD.

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