Zürcher Studie: Raucht die Mutter, schlägt der Sohn eher zu
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Zürcher StudieRaucht die Mutter, schlägt der Sohn eher zu

Alkohol und Gras mit 11, Koks mit 15 Jahren: Eine Untersuchung zeigt, wie die Stadtzürcher Jugendlichen ticken.

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Eine Studie zeigt: Von den 10- bis 17-jährigen Schülern in der Stadt Zürich hat bereits mehr als jeder Fünfte eine Fiche bei der Jugendanwaltschaft.

Eine Studie zeigt: Von den 10- bis 17-jährigen Schülern in der Stadt Zürich hat bereits mehr als jeder Fünfte eine Fiche bei der Jugendanwaltschaft.

Keystone/Martin Ruetschi
Die Forscher fragten die Jugendlichen auch, warum sie zuschlagen. Der mit 47 Prozent am häufigsten genannte Grund: «Das Opfer hat mich provoziert.»

Die Forscher fragten die Jugendlichen auch, warum sie zuschlagen. Der mit 47 Prozent am häufigsten genannte Grund: «Das Opfer hat mich provoziert.»

Keystone/Martin Ruetschi
Von den Söhnen der Nichtraucherinnen wurden 24 Prozent im Rechtsinformationssystem (RIS) des Kantons Zürich registriert, bei den Buben der Raucherinnen waren es 47 Prozent.

Von den Söhnen der Nichtraucherinnen wurden 24 Prozent im Rechtsinformationssystem (RIS) des Kantons Zürich registriert, bei den Buben der Raucherinnen waren es 47 Prozent.

Keystone/Martin Ruetschi

Warum werden Jugendliche kriminell, wie sieht ihr Drogenkonsum aus? Das wollen Forscher an der Uni Zürich mit einer Langzeitstudie herausfinden. Im Jahr 2004 wurde darum ein Viertel aller neuen Stadtzürcher Primarschüler, 1675 Kinder, für die Untersuchung «Z-Proso» rekrutiert. Im September schlossen die Forscher die achte Erhebungswelle ab, die Kinder von damals sind nun junge Erwachsene.

Die neuen Daten, über die der «Tages-Anzeiger» (Bezahl-Artikel) berichtet, zeigen: Im Alter von 11 Jahren trinkt jeder zehnte Bub bereits Alkohol, erste Kinder konsumieren dann auch Cannabis. Die ersten Erfahrungen mit Kokain wurden im Alter von 15 Jahren registriert.

Diebstähle, Drogenkonsum, Schwarzfahren

Weiter zeigt die Studie: Wenn die Mutter raucht, schlägt der Sohn doppelt so häufig zu. Von den Söhnen der Nichtraucherinnen wurden 24 Prozent im Rechtsinformationssystem (RIS) des Kantons Zürich registriert, bei den Buben der Raucherinnen waren es 47 Prozent. Bei den Mädchen steigt der Wert von 14 auf 23 Prozent.

Am häufigsten im RIS registriert sind die Jugendlichen wegen Diebstählen, Drogenkonsums oder Schwarzfahrens. Von den 10- bis 17-Jährigen hat bereits mehr als jeder Fünfte eine Fiche bei der Jugendanwaltschaft, von den männlichen 17-Jährigen hat bereits jeder Dritte einen Eintrag.

ADHS als Risikofaktor für Gewalt

Für Studienautor Manuel Eisner sind die Erkenntnisse «glasklar»: Wenn eine schwangere Frau rauche, würden durch die Gifte aus der Zigarette die Gefässe des Ungeborenen verengt, dies hemme die Hirnentwicklung, das Risiko für Aufmerksamkeitsstörungen wie ADHS steige. ADHS wiederum gehöre zu den Risikofaktoren für Kriminalität.

Eisner und sein Team fragten die Jugendlichen auch, warum sie zuschlagen. Der mit 47 Prozent am häufigsten genannte Grund: «Das Opfer hat mich provoziert.» 38 Prozent gaben an, aus Selbstverteidigung gehandelt zu haben, 22 Prozent sagten, sie seien einfach «völlig durchgedreht». 4 Prozent sagten, sie hätten nur zum Spass zugeschlagen.

Die befragten Kinder besuchten zu 20 Prozent ein Gymnasium, zu 41 Prozent die Sek A und zu 37 Prozent die Sek B oder C. 71 Prozent der Jugendlichen lebten im Alter von 13 Jahren mit beiden Elternteilen zusammen, 29 Prozent in anderen Konstellationen, etwa in einem Ein-Eltern-Haushalt. 63 Prozent der Kinder wurden im Ausland geboren, 37 Prozent in der Schweiz.

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