Inkonsequent: «Rauchverbot gilt nur bis Mitternacht»

Aktualisiert

Inkonsequent«Rauchverbot gilt nur bis Mitternacht»

Manch ein Zürcher Barbetreiber schert sich keinen Deut um das Rauchverbot. Die Lungenliga ist alarmiert: Das Verbot droht zur Farce zu verkommen.

von
Deborah Sutter

Der blaue Dunst findet seinen Weg zurück in die Zürcher Bars und Clubs – obwohl die Einführung des Rauchverbots im Kanton sich morgen zum zweiten Mal jährt.

«Offiziell sind wir natürlich eine Nichtraucherbeiz – inoffiziell gilt das Rauchverbot bei uns allerdings nur bis Mitternacht», verrät ein Mitarbeiter einer Zürcher Bar. Danach werde wie vor dem 1. Mai 2010 munter gequalmt: «Damit wir bei einer allfälligen Polizeikontrolle keine Probleme bekommen, stellen wir einfach keine Aschenbecher auf – so machen es auch viele andere Lokale.» Würden die Kippen auf den Boden geworfen, lasse sich nicht nachweisen, dass rauchende Gäste bewusst toleriert würden.

Auch die Mitarbeiterin einer anderen Szene-Bar sagt: «Wir achten einfach darauf, dass die Leute nicht direkt am Fenster rauchen – damit man von aussen nichts sieht.»

Dass vermehrt auch Gastrobetriebe ohne Fumoir das Rauchen wieder zulassen, schreckt die Lungenliga auf: «Es ist ­besorgniserregend, dass das Rauchverbot nicht konsequent umgesetzt wird», sagt der Präsident von Lunge Zürich, Alexander Turk. Er bemängelt, dass die Einhaltung des Verbots von den zuständigen Stellen inkonsequent kontrolliert werde: «Es ist extrem wichtig, dass die Regelung auch eingehalten wird – sonst verkommt sie zur Farce», so Turk. Wenn die Gesetze für den Nichtraucherschutz unterhöhlt würden, habe dies schwerwiegende Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung.

Cortesi: «Keine Raucherpolizei»

Herr Cortesi*, kennt die Stadtpolizei das Phänomen, dass Beizer das Rauchverbot umgehen? Marco Cortesi: Unsere Patrouillen sind schon auf solche Fälle gestossen und wir bekommen auch Hinweise von Gästen, die dies stört. Seit Anfang Jahr wurden etwa 20 Bussen ausgesprochen.

Herr Cortesi*, kennt die Stadtpolizei das Phänomen, dass Beizer das Rauchverbot umgehen? Marco Cortesi: Unsere Patrouillen sind schon auf solche Fälle gestossen und wir bekommen auch Hinweise von Gästen, die dies stört. Seit Anfang Jahr wurden etwa 20 Bussen ausgesprochen.

Die Lungenliga findet, es werde nicht konsequent genug kontrolliert. Was sagen Sie dazu?

Wir haben immer ein Augenmerk auf die Einhaltung des Rauchverbots. Die Polizei kann aber nicht jeden Abend Restaurants und Bars kontrollieren. Wir müssen Prioritäten setzen und können keine «Raucherpolizei» schaffen.

Was geschieht, wenn fehlbare Betriebe erwischt werden?

Die Wirte müssen beim ersten Mal eine Busse von 80 Franken bezahlen, im Wiederholungsfall droht ihnen eine Verzeigung ans Stadtrichteramt. Gäste, die in einem Lokal beim Rauchen erwischt werden, werden mit 80 Franken gebüsst.

*Marco Cortesi ist Medienchef der Stadtpolizei Zürich.

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