Rauchverbot in Zügen: Bald gilts ernst
Aktualisiert

Rauchverbot in Zügen: Bald gilts ernst

Am 11. Dezember tritt das Rauchverbot in Zügen in Kraft. Es wird aber eine Weile dauern, bis sämtliche Aschenbecher und Raucherpiktogramme entfernt sind.

Die SBB ist zuversichtlich, dass sich die Raucher dennoch an das Verbot halten werden. «Niemand wird behaupten können, er habe es nicht gewusst», sagt SBB-Sprecher Roland Binz. In Kürze startet die SBB eine grosse Kampagne mit Plakaten, Flyern und Lautsprecherdurchsagen, um ihre Kunden auf die Neuerung aufmerksam zu machen, die in sechs Wochen ansteht.

Keine Übergangsphase

Die Umrüstung der Züge erfolgt schrittweise, die Umstellung nicht: Es darf auch dann nicht geraucht werden, wenn die Zigarette auf dem Schild nicht durchgestrichen ist. Ab dem Stichtag gilt das Verbot absolut. Spezielle Kontrollen sind allerdings nicht geplant, und Sanktionen - etwa Verzeigungen - sind nur für Uneinsichtige vorgesehen.

Wer vom Zugbegleiter beim Rauchen erwischt wird, soll laut Binz «höflich, aber bestimmt» darauf hingewiesen werden, dass das Rauchen in Zügen generell verboten ist. Die SBB zeigt sich überzeugt, dass es - abgesehen von Einzelfällen - keine Probleme geben wird.

Unbeliebte Raucherabteile

Eine grosse Mehrheit der SBB-Kunden wünsche sich rauchfreie Züge, gibt Binz zu bedenken. Sogar Raucher sässen oft lieber in Nichtraucher-Abteilen. Die SBB hat in den vergangenen Jahren auf diesen Trend reagiert. Während früher die Hälfte aller Sitzplätze Raucherplätze waren, sind es heute nur noch rund 20 Prozent.

Auch die Abschaffung der letzten Raucherrefugien werde auf Akzeptanz stossen, prognostiziert Binz. In S-Bahnen, die bereits rauchfrei seien, gebe es kaum Probleme. Die rauchenden Kunden hätten sich daran gewöhnt. «Es käme ja auch niemandem in den Sinn, im Tram zu rauchen», sagt Binz.

Auch ausländische Züge rauchfrei

Das Rauchverbot in Zügen, Bussen und Schiffen war im Juni vom Verband öffentlicher Verkehr (VöV) beschlossen worden. Die Schweiz steht mit der Massnahme nicht alleine da: Italien hat rauchfreie Züge, Grossbritannien seit Ende August ebenfalls.

In Frankreich gilt im Grossraum Paris seit 1991 ein Rauchverbot. Auch in den TGV wurden die Raucherabteile abgeschafft, und bis Ende 2005 sollen sämtliche Züge rauchfrei sein, wie der internationale Eisenbahnverband (UIC) schreibt.

Suters Projekt gescheitert

Für Schweizer Raucher hat sich die letzte Hoffung am Freitag zerschlagen. Crossair-Gründer Moritz Suter gab bekannt, er habe sein Projekt, auf wichtigen Strecken spezielle Raucherwagen zu betreiben, aufgegeben.

Der Plan scheiterte an der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit. Suter bestätigte auf Anfrage eine entsprechende Meldung von Radio DRS. Nach konstruktiven Gesprächen mit der SBB habe sich gezeigt, dass die Integration von Extrawagen technisch nicht realisierbar sei.

Ausserdem habe die SBB die geplante Tabakwerbung auf den Wagen nicht gestattet. Dadurch sei die Finanzierung verunmöglicht worden. Suter hatte den Vorschlag, privat betriebene Raucherwagen einzuführen, im Juli der SBB unterbreitet. Er wollte damit nach eigenen Angaben gegen den «Fundamentalismus» in der Raucherfrage angehen.

(sda)

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