Frankreich: Rauchverbot macht Schüler zu Terror-Ziel
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FrankreichRauchverbot macht Schüler zu Terror-Ziel

Wegen der Terrorgefahr wollen französische Schuldirektoren Jugendliche auf dem Schulgelände wieder rauchen lassen. Die Regierung tut sich schwer.

von
mlr
Jugendlicher Raucher an einer Pariser Schule: In Frankreich wollen Lehrer Zigaretten wegen der Terrorgefahr auf dem Schulgelände zulassen. (Symbolbild)

Jugendlicher Raucher an einer Pariser Schule: In Frankreich wollen Lehrer Zigaretten wegen der Terrorgefahr auf dem Schulgelände zulassen. (Symbolbild)

Keystone/AP/Michel Euler

Die Angst vor Terror hat in Frankreich zur Folge, dass andere Gefahren eher toleriert werden. So hat etwa die französische Vereinigung von Schuldirektoren SNPDEN rauchende Teenager als durch Jihadisten gefährdete Gruppe identifiziert und der Regierung einen ungewöhnlichen Vorschlag unterbreitet: Rauchen auf dem Schulhof soll wieder erlaubt werden – zumindest solange der aktuelle Ausnahmezustand nicht aufgehoben ist.

Die Begründung: In den Schulpausen strömen Dutzende, wenn nicht sogar Hunderte Jugendliche aus mehr als 2000 französischen Schulen auf die Strassen, um dort ihre Zigaretten zu rauchen. In diesen 15 bis 20 Minuten stellten die Teenagergruppen ein leichtes Ziel für Attentäter dar, heisst es in einem Brief der Organisation, der nun von französischen Medien zitiert wird. Die Schuldirektoren verfassten das Schreiben bereits kurz nach den Pariser Anschlägen vom 13. November mit 130 Toten. Am 2. Februar wiederholte das SNPDEN seine Bitte an Premierminister Manuel Valls, schreibt «L'Union».

«Schulleiter befinden sich im Kreuzfeuer»

Die Regierung wies den Vorschlag zurück. Nicht einmal eine solche Bedrohung dürfe dazu führen, die Bemühungen um weniger Raucher im Land zurückzufahren, liess sie verlauten. Direktoren, die ihren Schülern das Rauchen auf dem Schulgelände erlauben, müssen mit einer Strafe von mehreren hundert Euro rechnen.

«Die Schulleiter befinden sich im Kreuzfeuer», berichtet Patrick Humbert, SNPDEN-Sekretär, der Zeitung. Einige hätten Lehrer angewiesen darauf zu achten, dass sich vor den Schulen keine Gruppen bilden: «Eltern, Lehrer und Schüler sind besorgt.»

Der Premier habe den Schulen bei der Ausrufung des Ausnahmezustands zwar zugestanden, Raucher-Areale auf dem Schulgelände einzurichten, offiziell aber bestehe das Verbot noch und jede Schule riskiere Geldbussen. «Wir befürchten, dass die Unklarheit fortbesteht», sagt Humbert.

Seit 2010 dürfen Tabakwaren in Frankreich erst an Jugendliche ab 18 Jahren verkauft werden. Zuvor hatte die Grenze bei 16 Jahren gelegen.

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