Raumfahrt: Raumfähre «Endeavour» beim Start beschädigt
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RaumfahrtRaumfähre «Endeavour» beim Start beschädigt

Im sechsten Anlauf ist die US-Raumfähre «Endeavour» mit einmonatiger Verspätung zur Internationalen Weltraumstation (ISS) gestartet. Ein Bilderbuchstart war es am Mittwochabend Ortszeit allerdings nicht: Überwachungskameras fingen ein, wie Trümmerteile vom Treibstofftank das Shuttle trafen.

Experten der US-Raumfahrtbehörde NASA werteten am Donnerstag die Bilder aus. Nach einer ersten Durchsicht wurde vorsichtig Entwarnung gegeben: Auf den ersten Blick wirkten die Schäden geringer als die beim vorangegangenen Shuttle-Start, hiess es in Cape Canaveral. Eine genaue Analyse werde aber mehrere Tage dauern. Die «Endeavour»-Besatzung sollte sich am Nachmittag (16.40 Uhr MESZ) an der Ermittlung des Schadens am Hitzeschutzschild der Raumfähre beteiligen. Dabei sollte ein lasergesteuerter, 30 Meter langer Greifarm zum Einsatz kommen.

Die Untersuchung ist seit dem Absturz der «Columbia» vor sechs Jahren Routine bei Shuttle-Flügen. Die «Columbia» zerbarst beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, weil bereits bei ihrem Start ihr Hitzeschutzschild von Trümmerteilen der Treibstofftanks beschädigt worden war.

Vor dem Andocken der «Endeavour» an die ISS werde sichergestellt, dass keine grösseren Schäden entstanden seien, betonte NASA-Projektleiter Bill Gerstenmaier. Kleinere Schäden könne die Crew selbst reparieren. Falls irreparable Schäden entstanden seien, könnten die Astronauten für zwei bis drei Monate auf der ISS untergebracht und dann mit einem anderen Shuttle zur Erde zurückgebracht werden.

«Das Wetter spielt endlich mit»

Die «Endeavour» soll das dritte und letzte Teil des japanischen Weltraumlabors «Kibo» zur ISS bringen. Ihr Start war eigentlich für Mitte Juni geplant, wurde aber wegen technischer Probleme und schlechten Wetters fünf Mal verschoben. Zwei Mal durchkreuzten Lecks in einer Wasserstoffleitung das Abheben der Raumfähre. Am vergangenen Samstag waren es mehrere Blitzeinschläge in der Nähe der Startrampe, und zuletzt waren am Sonntag und Montag Gewitter schuld.

Am Mittwoch klarte der Himmel schliesslich auf. «Das Wetter spielt endlich mit, es kann also losgehen», sagte Startdirektor Pete Nickolenko. «Hartnäckigkeit zahlt sich aus.» Bordkommandeur Mark Polansky antwortete: «Darauf hat die 'Endeavour' lange gewartet. Wir sind bereit, und wir werden euch alle mitnehmen auf eine grossartige Mission.»

Polansky und seine Crew werden die ISS am Freitag erreichen. Dann wird sich dort erstmals eine Rekordzahl von 13 Menschen aufhalten - bislang waren es höchstens zehn. Während der auf 16 Tage angelegten Mission sind fünf Aussenbordeinsätze geplant. (sda)

Shuttle-Kommandanten Bolden als neuen NASA-Chef

Der US-Senat hat den früheren Raumfähren-Kommandanten General Charles Bolden als neuen Leiter der Raumfahrtbehörde NASA bestätigt. Die Senatoren sprachen sich am Mittwoch einstimmig für den 62-Jährigen aus, der damit der erste Schwarze an der Spitze der NASA sein wird. Bolden war vier Mal mit einer Raumfähre im All, zwei Mal als Kommandant. Als seine Stellvertreterin bestätigte der Senat Lori Garver, die übergangsweise die NASA geführt hatte.

Der Vorgänger von US-Präsident Barack Obama, George W. Bush hatte noch 2002 noch vergeblich versucht, Bolden von den Streitkräften loszueisen und als stellvertretenden Direktor zur NASA zu holen. Das Pentagon erklärte damals aber, Bolden, der gerade General der Marineinfanterie war, werde gebraucht.

(Quelle: AP)

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