Aktualisiert 02.10.2012 12:46

Missionsende

Raumfrachter stürzt am Mittwoch ab

Für den pannenanfälligen europäischen Raumtransporter Edoardo Amaldi hat die letzte Stunde geschlagen. Am Mittwoch wird er mit einer Ladung ISS-Müll über dem Pazifik verglühen.

von
jcg

«Edoardo Amaldi» ist der dritte europäische Frachter, der im Rahmen des ATV-Programms (Automated Transfer Vehicle) der Weltraumbehörde ESA die Internationale Raumstation ISS mit Nachschub versorgt hatte. Nun hat der Raumtransporter mit der technischen Bezeichnung ATV-3 seine Schuldigkeit getan und erfolgreich von der Internationalen Raumstation ISS abgedockt, teilte die US- Raumfahrtbehörde NASA mit. Der Transporter ist das schwerste, grösste und technisch ausgefeilteste Raumfahrzeug, das je in Europa gebaut worden ist.

«Edoardo Amaldi» soll in der Nacht zum Mittwoch gezielt über dem Pazifik zum Absturz gebracht werden und in den dichten Schichten der Atmosphäre verglühen. Das erste von zwei Bremsmanövern dazu beginne am Dienstagabend um 23.42 Uhr und solle rund 14 Minuten dauern, teilte das ESA-Kontrollzentrum im französischen Toulouse am Montag mit. Das zweite Manöver sei für Mittwochmorgen um 2.15 Uhr geplant und dauere gut 15 Minuten. Gegen 3.28 Uhr höre dann das unbemannte Raumschiff, das mehr als 1,2 Tonnen feste und flüssige Abfälle an Bord habe, auf zu existieren.

Schwieriges Ende

Das Abdockmanöver hätte bereits am Dienstag stattfinden sollen, war aber aufgrund technischer Probleme auf Freitag verschoben worden. Das Raumschiff hatte nach Angaben der Europäischen Weltraumbehörde ESA ein Kommando vom russischen Swesda-Modul der ISS, an das es seit rund einem halben Jahr angedockt war, nicht korrekt empfangen.

Bereits im August hatte es einen Zwischenfall mit dem Transporter gegeben. Weil sich die Triebwerke des Frachters ATV-3 elf Minuten zu früh abgeschaltet hatten, war die Flugbahn der ISS nicht so weit wie geplant angehoben worden. Auch damals war ein zweiter Versuch nötig gewesen.

Sechs Raumfahrer im All

Auf der ISS in rund 420 Kilometern Höhe sind derzeit drei russische Kosmonauten, zwei US-Astronauten und ein japanischer Raumfahrer im Einsatz. Die neuerliche Panne mit «Edoardo Amaldi» habe ihre Arbeit nicht behindert, hiess es.

Der 20 Tonnen schwere Raumtransporter, der nach dem italienischen Physiker Edoardo Amaldi (1908-1989) benannt ist, soll während seines Absturzes mithilfe eines Rekorders Daten beispielsweise zu Temperatur und Druck sammeln.

Im vergangenen Jahr hatte der Rekorder von ATV-2 allerdings nicht funktioniert. Bei ATV-3 sei er weiter von den Antriebstanks entfernt platziert worden, um eine Beschädigung vor dem Verglühen des Transporters zu verhindern, teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit. Mit einem Sender soll «Edoardo Amaldi» die Daten zu einem Kommunikationssatelliten übermitteln.

Der Raumtransporter war mit einer Ariane-5-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana gestartet und hatte Ende März sieben Tonnen Nachschub ins All gebracht, darunter Kleidung, Wasser, Medikamente und Treibstoff.

30 Unternehmen aus zehn europäischen Ländern und acht Firmen aus Russland und den USA waren an der Fertigung von «Edoardo Amaldi» beteiligt. Auf die rund 450 Millionen Euro teure Mission sollen noch zwei weitere folgen: ATV-4 - «Albert Einstein» - im April 2013 und ATV-5 - «Georges Lemaitre» 2014. Dann stellt die ESA den Bau dieser Versorgungsschiffe ein.

Das Abdocken des ATV-3 von der ISS am vergangenen Freitag. (Video: YouTube/MysteriesHunter)

Ein Rückblick auf die ATV-3-Mission. (Video: YouTube/Kowch737) (jcg/sda/dapd)

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