Razzia in London: Sprengmaterial sichergestellt
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Razzia in London: Sprengmaterial sichergestellt

Die beiden Terroristen, die am Montag von der Londoner Polizei identifiziert worden waren, stammen aus Somalia.

Die britischen Behörden haben die Herkunft der beiden am Montag identifizierten mutmasslichen Attentäter der vergangenen Woche geklärt. Sie kamen vor 13 Jahren als Kinder afrikanischer Asylbewerber nach Grossbritannien.

Der in Somalia geborene Yasin Hassan Omar sei 1992 mit elf Jahren nach Grossbritannien gekommen, teilte das Innenministerium am Dienstag mit. Seit Mai 2000 hat er eine unbegrenzte Aufenthaltsbewilligung.

Der heute 24-jährige Omar wird verdächtigt, letzte Woche nahe der U-Bahn Station Warren Street eine Bombe gezündet zu haben. Dabei kam niemand zu Schaden.

Der aus Eritrea stammende Muktar Said Ibrahim alias Muktar Mohammed Said sei im Alter von 14 Jahren ebenfalls 1992 nach Grossbritannien eingereist. Er habe seit September 2004 einen britischen Pass.

Der 27-Jährige steht im Verdacht, einen Bombenanschlag auf einen Bus im Osten Londons versucht zu haben. Seine Eltern verständigten die Polizei, nachdem sie die Aufnahmen ihres Sohnes gesehen hatten.

Wohnung und Auto aufgespürt

Auf der Suche nach den mutmasslichen Attentätern von London spürte die britische Polizei offenbar deren Wohnung im Vorort Southgate auf.

Die Polizei habe bei Durchsuchungsaktionen in einer Wohnung «Material» gefunden, das kriminaltechnisch untersucht werde, verlautete am Dienstag aus Polizeikreisen. Den Fund von Mitteln zum Bombenbau bestätigte die Polizei nicht. Die Durchsuchung hatte in der Nacht zum Montag begonnen und dauerte am Dienstag noch an.

Britische Medien bezeichneten das Hochhaus aus den 60er Jahren als «Terrorturm» und berichteten von einer «Bombenwerkstatt in der neunten Etage». Die zwei identifizerten mutmasslichen Attentäter aus Somalia und Eritrea gingen laut den Berichten in der Wohnung ein und aus.

Nach Angaben von Nachbarn verkehrte noch ein dritter Afrikaner regelmässig in der Wohnung. Vor etwa drei Wochen hätten die Männer zahlreiche Kartons in die Wohnung geschafft und diese später wieder fortgebracht, sagte eine Nachbarin gegenüber der Zeitung «Daily Mail».

Die Zeitung «Daily Telegraph» berichtete am Dienstag, Omar und Ibrahim hätten zwei Londoner Moscheen in Brixton und Finxbury Park besucht, die als Treffpunkte radikaler Islamisten gelten.

Gesetze verschärfen

Der britische Premier Tony Blair bestritt erneut, die Terroranschläge in London durch den Irakkrieg mit provoziert zu haben. Der Krieg sei für die Terroristen nur ein Vorwand, sagte Blair am Dienstag während einer Medienkonferenz in der Downing Street.

Er werde vor den Terroristen nicht einen Zentimeter zurückweichen, sagte Blair: «Der 11. September hat mich wachgerüttelt. Und wissen Sie, was das Problem ist? Ein grosser Teil der Welt ist für kurze Zeit wach geworden, aber inzwischen wieder eingeschlafen.»

Blair rief die internationale Gemeinschaft auf, sich dem Terrorismus geschlossen entgegenzustellen und keinen Schritt zurückzuweichen.

Blair beriet mit den Parteichefs der Opposition über die geplante Verschärfung der Anti-Terror-Gesetze. Dabei herrschte weitgehend Einigkeit, geheime Mitschnitte von Telefongesprächen als Beweismittel vor Gericht zuzulassen.

(sda)

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