Pokerverbot: Razzia legt Poker-Turniere im Casino lahm
Aktualisiert

PokerverbotRazzia legt Poker-Turniere im Casino lahm

In Basel führte die Polizei am Mittwoch eine Poker-Razzia durch. Weil sie dabei Firmen-Server beschlagnahmt hat, ist das Poker-Angebot des Casinos beeinträchtigt.

von
L. Mäder
Die Razzia live im Internet: Registrierte Mitglieder konnten am Mittwochabend mitverfolgen, wie die Polizei ein Poker-Turnier in Basel auflöste. (Bild: Leser-Reporter)

Die Razzia live im Internet: Registrierte Mitglieder konnten am Mittwochabend mitverfolgen, wie die Polizei ein Poker-Turnier in Basel auflöste. (Bild: Leser-Reporter)

Nach knapp drei Monaten Pause sind am Mittwochabend Polizei und Spielbankenkommission erneut gegen ein Poker-Turnier vorgegangen: An der Reinacherstrasse in Basel führten sie wegen Verdachts auf illegales Glücksspiel eine Razzia durch. Die Polizei Basel bestätigt gegenüber 20 Minuten Online den Einsatz, der unter Federführung der Spielbankenkommission stattfand. Spielutensilien, mehrere Computer sowie der Turniereinsatz in Bargeld wurden beschlagnahmt. Festnahmen hat es laut Polizeiangaben keine gegeben.

Die Razzia, die von 19 bis 23.30 Uhr dauerte, konnte auf dem Internet live mitverfolgt werden - jedoch nur von registrierten Mitgliedern, wie Veranstalter Deniz Esen betont. Für sie werden die Poker-Turniere jeweils online übertragen. Laut Augenzeugen verlief der Polizeieinsatz mit gut 40 Polizisten ruhig. Die Pokerspieler wurden durchsucht und zumindest teilweise befragt. Laut Spielbankenkommission wurden rund 50 Personen kontrolliert.

Das Poker-Turnier habe in einem geschlossenen Kreis stattgefunden und sei nicht öffentlich ausgeschrieben gewesen, wie Esen sagt. Die Teilnehmer hätten 100 Franken Einsatz bezahlt. Sie müssen nicht mit einer Strafverfolgung rechnen, da die Teilnahme nicht illegal ist. Hingegen ist die Organisation von Turnieren strafbar, nachdem das Bundesgericht im letzten Sommer Poker als Glücksspiel eingestuft hatte. Diese sind nur im Freundes- oder Familienkreis erlaubt.

Firma existenziell bedroht

Die Razzia trifft den Organisator, die Firma Other, hart, wie Geschäftsführer Esen zu 20 Minuten Online sagt. Die Polizei habe auch den Web- und den Datenbankserver der Firma mitgenommen, die in einem separaten Serverraum standen. Laut Esen hätten diese mit dem Poker-Turnier nichts zu tun gehabt. Auf den Servern liefen Dienstleistungen für Drittfirmen wie Transportunternehmen. «Das ist eine riesige Katastrophe und gefährdet mein Unternehmen existenziell», sagt Esen. Das Vorgehen der Polizei sei unverhältnismässig.

Als Folge der Razzia sind derzeit auf der Website des Casinos Basel keine Poker-Angebote mehr zu finden. Die Firma Other hatte für das Casino Informatikdienstleistungen für die Organisation von Poker-Turnieren zur Verfügung gestellt, wie Bertrand Meyer, Marketingleiter des Casino Basel, sagt. Das Casino bietet Cash-Games und einmal wöchentlich ein Poker-Turnier an. Die Poker-Angebote führt das Casino aber selbst durch. Meyer zeigt sich über die Razzia erfreut: «Es ist schön, dass solche Kontrollen durchgeführt werden.» Das Casino kämpfe schon lange gegen illegale Angebote. Die Zusammenarbeit mit der Firma Other wird das Casino beenden, wie Meyer sagt. «Wir können nicht mit einem Partner zusammenarbeitet, der illegal Poker-Turniere anbietet.» Man müsse einen anderen Anbieter für die Turniersoftware finden.

Deine Meinung