Aktualisiert 21.04.2006 19:55

Reaktorabbruch: Arbeiter erhöhtem Asbestbelastung ausgesetzt

Beim Rückbau des Forschungsreaktors Diorit am Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen AG sind einige Mitarbeiter schutzlos einer erhöhten Asbestbelastung ausgesetzt gewesen.

Das hat ein Gutachten bestätigt. Die Institutsleitung bedauert den Vorfall.

Laut den vom PSI am Freitag publizierten Resultaten eines externen Gutachtens waren die am stärksten exponierten Arbeiter einer Fasermenge von 0,03 bis - im ungünstigsten Fall - 0,27 so genannten Faserjahren ausgesetzt.

Gemäss den heutigen epidemiologischen Daten könne davon ausgegangen werden, dass eine Belastung mit Weissasbest in der Grössenordnung von 0,11 Faserjahren ein «zusätzliches Lungen- und Brustfellkrebsrisiko von unter 1:10 000» nach sich ziehe, heisst es in der Mitteilung des PSI.

PSI-Direktor bedauert

Die Vorkommnisse beim Rückbau des Diorit-Forschungsreaktors werden von PSI-Direktor Ralph Eichler «sehr bedauert». Die im Diorit eingesetzten PSI-Fachleute hätten dem möglichen Auftauchen von Asbest zu wenig Beachtung geschenkt. Beim Umgang mit den radioaktiven Komponenten sei alles problemlos gelaufen.

Nach den Vorschriften hätten bei Staub verursachenden Arbeiten Atemschutzmasken getragen werden müssen. Die Masken seien auch zur Verfügung gestanden, jedoch nicht von allen benützt worden.

Vorwürfe ans PSI

Die Astbestbelastung war Anfang März durch einen Beitrag der Sendung «10vor10» des Schweizer Fernsehens öffentlich geworden. Zwei Mitarbeiter einer externen Firma erhoben gegen das PSI den Vorwurf, Arbeitssicherheit und Schutzbestimmungen verletzt zu haben. Zudem sei nach der Entdeckung des Asbests zu langsam reagiert worden.

Die beiden Mitarbeiter hatten im Herbst 2005 Rohre zersägt. Dass deren Umhüllungen Weissasbest enthielten, war zunächst nicht bekannt. Nach den Vorwürfen hatte das PSI die mögliche Asbestbelastung durch ein Gutachten abklären lassen.

Vor grösserem Schaden bewahrt

Den Betroffenen gebühre Anerkennung, wird Eichler im Communiqué des PSI zitiert. Mit ihrem Verhalten hätten sie dazu beigetragen, grösseren Schaden zu vermeiden. Sie seien über ihre Asbestbelastung informiert worden und man habe ihnen die arbeitsmedizinische Vorsorge angeboten.

Um derartige Vorfälle künftig zu verhindern, wurden laut PSI bereits Massnahmen getroffen. Nach der Wiederaufnahme des Rückbaus im Dezember wurden die Schutzmassnahmen angepasst. Zudem wurde eine Spezialfirma beigezogen um sicherzustellen, dass der Asbest fachgerecht abgebaut und entsorgt wird.

Der Kernreaktor Diorit wurde Ende der 1950-er Jahre gebaut und bis 1977 zu Forschungszwecken betrieben. Seit 1994 laufen die Rückbauarbeiten für die Anlage. Die Arbeitsvorschriften werden von der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) überwacht. (sda)

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