Gamescom: Realitycheck für Schweizer Gamedesigner

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GamescomRealitycheck für Schweizer Gamedesigner

Zum dritten Mal hat Pro Helvetia unter dem Label #Swissgames Schweizer Entwickler an die Gamescom in Köln eingeladen. Die Präsenz zahlt sich aus.

von
Jan Graber
Köln

Schweizer Gamedesigner geben Einblick in ihre neuesten Produktionen (P. Stirnemann / T. El Sayed)

Als die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia 2015 erstmals 15 Schweizer Gamedesigner an die grösste europäische Gamemesse, die Gamescom in Köln, einlud, handelte es sich um ein Experiment. Würde sich die Investition von rund 100'000 Schweizer Franken für die Miete der Ausstellungsfläche, den Bau des #Swissgame-Standes, die Promotion und die Eintritte für die Aussteller lohnen?

Sie tat es, die anwesenden Gamedesigner konnten nützliche Kontakte knüpfen und einige der damals gezeigten Games – «Far», «Deru» (ehemals «Schlicht») – stehen kurz vor der Veröffentlichung oder sind erschienen («Cloud Chasers»). Nach der letztjährigen Gamescom hat Pro Helvetia deshalb nun zum dritten Mal 100'000 Franken in die Hand genommen und 18 Schweizer Game-Entwickler nach Köln eingeladen. «Dieses Jahr ist eine neue Generation von Designern dabei», sagt Michel Vust, Verantwortlicher Förderung interaktive Medien bei Pro Helvetia. Einige Gamescom-Veteranen sind zwar ebenfalls vor Ort und zeigen Spiele, doch andere sind nur für direkte Meetings angereist.

Kommen die Games gut an?

«Messen wie die Gamescom sind für unbekannte Designer wichtig und ein erster Schritt in die professionelle Welt», sagt Vust. So könnten sie erste Erfahrungen sammeln, Kontakte zu Publishern und möglichen Investoren knüpfen und ihre Spiele einem breiteren Publikum zeigen. Für viele Designer ist die Gamescom auch ein Reality-Check: Was kommt in einem Game gut an und was funktioniert nicht?

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Salvador Dali lässt grüssen: Surreales Game Hana Hana von Mélodie Mousset und Naëm Baron.

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Erscheint auf Nintendo Switch: Jump'n'Run-Game «Slime-san» von Fabraz.

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Durchgeknallt: Die Welt wird in «Sea of Fatness» von Fett und Donald Trump regiert. Entwickler: Fusion.Robot GmbH.

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Damit die Designer nicht Däumchen drehend herumstehen, hat Pro Helvetia über hundert Branchen-Profis eingeladen; der Schwerpunkt ist unterdessen gut mit der internationalen Gamedesigner-Gilde vernetzt. Das war nicht immer so, wie Michel Vust sagt: «Als wir 2010 mit der Förderung anfingen, hatten wir kaum Erfahrungen im Gamebusiness.» Heute können Schweizer Gamedesigner von einem internationalen Netzwerk profitieren, das ebenso in die Nachbarländer der Schweiz wie nach Skandinavien und in die USA reicht. «Um Aufmerksamkeit für die Schweizer Gamedesigner zu schaffen, haben wir 2014 die Marke #Swissgames eingeführt», sagt Vust. #Swissgames werde heute von der Industrie gut wahrgenommen.

Rund um den Erdball

Unter dem Label werden die Schweizer Gamedesigner an Messen und Konferenzen in San Francisco, Austin, Köln, Malmö, Zürich und anderen Städten geschickt. «Eine Messe wie die Gamescom führt nicht unbedingt zu direkten Resultaten», sagt Vust. Stattdessen werde eine Dynamik geschaffen, wenn die Entwickler regelmässig an Messen, Festivals und Konferenzen dabei sind. «Die Gameentwickler müssen beweisen, dass sie es ernst meinen», sagt der Projektleiter.

Die Rechnung scheint aufzugehen: Immer mehr Schweizer Gamedesigner knüpfen geschäftliche Kontakte mit Publishern in Deutschland und in den USA, gehen Kooperationen zum Beispiel mit der amerikanischen Filmindustrie ein oder veröffentlichen ihr Game auf der Nintendo Switch, wie das an der Gamescom zu sehende Jump'n'Run-Game «Slime-san» vom Studio Fabraz. Das ebenfalls gezeigte «Struckd» wird ebenfalls bereits von Investoren getragen – und von einigen der Games, wie beispielsweise «Pine Seekers», dürfte man in den kommenden Jahren noch mehr sehen und hören.

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