Libyen: Rebellen scheitern in Brega
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LibyenRebellen scheitern in Brega

Die Eroberung Bregas ist den Aufständischen offenbar nicht gelungen. Im Gegenteil: Gaddafi-Truppen nehmen nun wieder die weiter östlich gelegene Stadt Adschdabija unter Feuer.

Truppen des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi haben am Sonntag erneut die von Aufständischen gehaltene Stadt Adschdabija beschossen. Die strategisch wichtige Stadt im Osten des Landes war in den vergangenen Tagen hart umkämpft.

Nachdem die Rebellen am Samstag über Adschdabija hinaus bis in die Vororte der westlich gelegenen Ölstadt Brega vorgedrungen waren, mussten sie nun offenbar den Rückzug antreten. Dutzende Fahrzeuge, darunter Lastwagen mit schweren Waffen auf den Ladeflächen, machten sich auf den Weg nach Norden, und damit in Richtung der Rebellenhochburg Bengasi.

Die Stadt Adschdabija - einst bewohnt von rund 100 000 Libyern - ist längst eine Geisterstadt. Wer vor den Kämpfen fliehen konnte, hat dies getan. Rebellenkämpfer im Osten zählten bei Kämpfen zwischen Brega und Adschdabija am Samstag mindestens sieben Tote und 27 Verletzte.

Grosser Druck auf Misrata

Die Truppen Gaddafis haben am Samstagabend die belagerte Stadt Misrata mit Raketen beschossen. Eine halbe Stunde lang seien die Geschosse in eine Molkerei eingeschlagen, sagte ein Arzt in der westlibyschen Stadt.

Demnach wurden fünf Zivilpersonen bei dem Raketenbeschuss getötet. «Wir sehen hier keinerlei Schutz der Zivilbevölkerung», sagte der Arzt. «NATO-Luftangriffe sind nicht genug, und der Beweis ist, dass täglich hier Zivilpersonen getötet werden.»

In Bengasi forderte ein Sprecher des Übergangsrats der Rebellen, Abdel-Hadidh Ghoga, man dürfe angesichts der Lage in Misrata nicht mehr zögern und unentschlossen sein. Die Zerstörung, die Gaddafi anrichten lasse, sei gross und umfangreich.

Geheimdienstler bestätigen Streubomben-Vorwurf

Die libysche Regierung in Tripolis wies unterdessen Berichte zurück, sie habe in Misrata international geächtete Streubomben eingesetzt. Der libysche Generalmajor Saleh Abdullah Ibrahim sagte in Tripolis zu den Vorwürfen des Streubombeneinsatzes, die libyschen Streitkräfte setzten in Misrata keine schweren Waffen ein. Libyen habe diese Waffen nicht in seinem Arsenal, «und kein einziger Libyer ist daran ausgebildet worden»», sagte er.

Aus Geheimdienstkreisen erfuhr die Nachrichtenagentur dapd in Washington jedoch, dass die Berichte über den Einsatz der «Minikiller» in Misrata zutreffend seien. (sda/dapd)

Schweiz wird Sanktionen gegen Mussa Kussa aufheben

Nach der EU will auch die Schweiz die Sanktionen gegen den früheren libyschen Aussenminister Mussa Kussa aufheben. Die Schweizer Sanktionsliste werde entsprechend angepasst werden, sagte Antje Bärtschi, Sprecherin des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Die EU hatte die Sanktionen gegen Kussa am Donnerstag aufgehoben. Die Initiative war nach Angaben aus EU-Kreisen von Grossbritannien ausgegangen.

Dorthin hatte sich Kussa nach seinem Bruch mit dem libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi am 30. März abgesetzt. Das britische Aussenministerium erklärte am Donnerstag, Sanktionen würden verhängt, um eine Verhaltensänderung zu erzielen. Da Kussa sich entschieden habe, dem libyschen Regime den Rücken zu kehren, bestünden die Sanktionen gegen ihn nicht länger. (sda)

Gaddafi-Milliarden für humanitäre Hilfe

Die deutsche Regierung hat Gelder des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi in Höhe von sechs Milliarden Dollar auf deutschen Konten eingefroren. Nun möchte Berlin dieses Vermögen zusammen mit den übrigen in Europa sichergestellten Milliarden auf ein Treuhandkonto der UNO überweisen. Die UNO könnte mit dem Geld humanitäre Lieferungen finanzieren und damit die Not der libyschen Bevölkerung lindern, sagte ein Sprecher von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle am Samstag. (sda)

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