Krise in der Ukraine: Rebellen schiessen Armee-Helikopter ab
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Krise in der UkraineRebellen schiessen Armee-Helikopter ab

Erneut haben Seperatisten in Slowjansk einen Militärhelikopter abgeschossen. Dabei kamen mindestens zwölf Soldaten ums Leben. Kiew fordert von Moskau, den Bruderkrieg zu beenden.

Prorussische Kämpfer haben nahe der umkämpften ostukrainischen Stadt Slowjansk einen Hubschrauber des ukrainischen Militärs abgeschossen. Dabei seien mindestens zwölf Menschen getötet worden, teilte das ukrainische Militär am Donnerstag mit. Der amtierende Übergangspräsident Alexander Turtschinow sprach im Parlament in Kiew sogar von 14 Toten. Unter den Opfern befindet sich demzufolge auch General Sergej Kultschizki, der nach Angaben der Agentur Interfax für die Ausbildung der Rekruten der Nationalgarde zuständig war.

Der Hubschrauber sollte nach Angaben von Turtschinow Soldaten zu einem Kontrollpunkt fliegen, als die Rebellen die Maschine mit einer tragbaren Luftabwehrrakete abschossen. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachtete das Geschehen. In der Nähe des Absturzortes waren Schüssen zu hören. Mindestens ein ukrainischer Soldat sei bei dem Absturz schwer verletzt worden, hiess es. Die Informationen über den Vorfall sowie die genaue Opferzahl müssen den Angaben zufolge noch geklärt werden.

OSZE-Beobachter in Gewalt von Rebellen

Rebellen in der Ostukraine bekannten sich ebenfalls am Donnerstag dazu, die seit Montag vermissten vier OSZE-Beobachter in ihrer Gewalt zu haben. Wjatscheslaw Ponomarjow, der selbst ernannte «Volksbürgermeister» in Slawjansk, sagte der Nachrichtenagentur AP, die Männer seien in Sicherheit und würden bald freigelassen. Bedingungen und einen genauen Zeitpunkt nannte er nicht. Die Beobachter kommen aus der Türkei, der Schweiz, Estland und Dänemark.

Slowjansk mit seinen 120 000 Einwohnern liegt rund 160 Kilometer von der russischen Grenze entfernt, es ist seit Wochen das Zentrum des Aufruhrs prorussischer Separatisten. Das ukrainische Militär geht inzwischen massiv gegen sie vor. In den vergangenen Tagen gab es sowohl in Slowjansk als auch in Donezk heftige Kämpfe mit Dutzenden Toten. Nach Angaben von Rebellen kamen am Montag möglicherweise bis zu 100 prorussische Kämpfer ums Leben, als das ukrainisches Militär mit Kampfflugzeugen und Kampfhubschraubern Separatisten vom Flughafen Donezk vertrieb.

Der Bruderkrieg soll beendet werden

Das russische Aussenministerium verurteilte in einer Erklärung am Donnerstag den Einsatz von Luftwaffe und Artillerie gegen die Rebellen. Zugleich rief es die Regierung in Kiew auf, den «Bruderkrieg» zu beenden und einen wirklichen politischen Dialog zu starten. Den Westen forderte das Ministerium auf, seinen Einfluss auf Kiew zu nutzen, um das Land davor zu bewahren, in eine «nationale Katastrophe» zu rutschen.

Der Süsswarenfabrikant Pjotr Poroschenko, der die Präsidentenwahl in der Ukraine gewann, hat sich seit seiner Siegesrede am Montag noch nicht zu dem Konflikt in der Ostukraine geäussert. Er versprach, mit den Menschen im Osten zu verhandeln. Gleichzeitig schwor er, die bewaffneten Rebellen auszuheben. Wann Poroschenko als neuer Präsident vereidigt wird, steht noch nicht fest.

Die Separatisten in der Ostukraine wollen den Anschluss an Russland erreichen, die Regionen Donezk und Lugansk erklärten sich nach einem Referendum für unabhängig. Doch Russland ignorierte bisher ihren Ruf. Offenbar will Präsident Wladimir Putin die nach dem Anschluss der Halbinsel Krim an Russland aufgekommenen Spannungen mit dem Westen reduzieren und neue Sanktionen verhindern. (sda)

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