Aktualisiert 20.07.2011 21:37

Schweizer Kugeln in LibyenRebellen schiessen mit Ruag-Munition

Gewehrkugeln der Thuner Rüstungsfirma Ruag sind an libysche Rebellen geliefert worden. Widerrechtlich gelang die Munition über Katar nach Libyen, wie die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens weiss.

von
hag

Der Beitrag der Rundschau über den widerrechtlichen Schweizer Munitionsexport. Im Anschluss gibt der Reporter Kurt Pelda im Studio-Gespräch Auskunft über die Situation in Libyen. <i>(Video: SF)</i>

Die libyschen Rebellen schiessen im Kampf gegen die Gaddafi-Truppen auch mit Schweizer Munition. Wie die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens dokumentiert, handelt es sich um Nato-taugliche Gewehrmunition M80. Herstellerin ist die staatliche Rüstungsfirma Ruag Ammotec in Thun. Als Exporteur trat eine weithin unbekannte Firma FGS Frex AG in Oberägeri ZG auf.

Über Katar nach Libyen

Die Beschriftung der in Libyen vorgefundenen Munitionskisten zeigt, dass die Patronen zunächst

offiziell nach Katar exportiert wurden und von dort auf noch ungeklärtem Weg nach Libyen gelangten. Die Ausfuhr nach Katar war 2009 vom Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco, bewilligt worden, wie das

Amt gegenüber der «Rundschau» bestätigt. Allerdings hatte sich das Abnehmerland Katar dazu verpflichtet, die Munition nicht weiterzugeben. Diese Nichtwiederausfuhr-Erklärung wurde offenbar verletzt. Katar ist das einzige Land in der Anti-Gaddafi-Allianz, das sich bis heute offen für die Bewaffnung der Rebellen am Boden stark macht.

Auch die exportierende Firma FGS Frex AG bestätigt in der «Rundschau» das Waffengeschäft. «Ich habe die Ruag dort eingeführt, und die Kataris wollten es über uns machen, weil sie mich kannten und die Ruag in Katar noch relativ unbekannt war», sagt Geschäftsführer Wolfhart Fritze. Die FGS Frex AG ist bisher in der Schweizer Öffentlichkeit nicht aufgefallen. Wolfhart Fritze und seine Frau Beate sitzen im Verwaltungsrat.

Vorläufig kein Kriegsmaterial an Katar

Der mögliche Verstoss gegen die Nichtwiederausfuhr-Erklärung durch Katar wird nun von den Schweizer Behörden weiter untersucht. «Bis der Sachverhalt geklärt ist, werden keine neuen Bewilligungen für die Ausfuhr von Kriegsmaterial nach Katar erteilt», erklärt das Seco, das die Kriegsmaterialexporte kontrolliert. Katar hat gemäss der Schweizer Ausfuhrstatistik 2009 Munition im Gesamtwert von 1,85 Millionen Franken gekauft. Die exakten Details der Ruag-Lieferung nach Katar legen die beteiligten Firmen und Ämter nicht offen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.