Aktualisiert 22.04.2011 17:06

Todesopfer in LibyenRebellen trauern um getötete Kriegsfotografen

Mit einer Trauerfeier in Bengasi ist der beiden getöteten Kriegsfotografen gedacht worden. Für den Vizepräsidenten des Übergangsrates der Aufständischen sind die beiden Helden.

Tim Hetherington (links) und Chris Hondros waren in Misrata bei einem Angriff der Gaddafi-Truppen ums Leben gekommen.

Tim Hetherington (links) und Chris Hondros waren in Misrata bei einem Angriff der Gaddafi-Truppen ums Leben gekommen.

Die Särge der in Misrata getöteten Kriegsfotografen Tim Hetherington und Chris Hondros kamen in der Nacht zum Freitag mit dem Schiff in Benghasi an, wie AFP-Reporter berichteten. Rund 30 Journalisten, Diplomaten sowie Vertreter von Hilfsorganisationen und der libyschen Aufständischen versammelten sich nach der Ankunft der Särge in Benghasi mit Kerzen in der Hand zu einer Trauerfeier in einem Hotel.

In Erinnerung an die beiden Fotografen wurden auf einen Tisch zwei Kameras zwischen Kerzen gelegt. Die Särge der Reporter wurden nicht aufgestellt. Sie sollen in Kürze in deren Heimat überführt werden.

«Sie sind Helden», sagte der Vizepräsident des Nationalen Übergangsrates der Aufständischen, Abdel Hafis Ghoka, in einer Traueransprache. «Sie sind gekommen, um der Welt von diesem Konflikt zu berichten. Niemand kann Journalisten daran hindern, sich an die Front zu begeben.»

Preisgekrönt und erfahren

Der britische Fotograf und Dokumentarfilmer Hetherington und der US-Fotograf Hondros, zwei preisgekrönte und erfahrene Kriegsberichterstatter, waren am Mittwoch bei einem Mörserangriff durch Truppen von Machthaber Muammar al Gaddafi in der umkämpften Hafenstadt Misrata getötet worden.

Beide wurden 41 Jahre alt. Bei dem Beschuss wurden ausserdem ihr britischer Kollege Guy Martin sowie der US-Fotograf Michael Brown verletzt.

Weitere ausländische Journalisten, die mit der Gruppe unterwegs waren, unter ihnen der AFP-Fotograf Phil Moore, hatten sich kurz zuvor aufgrund der Heftigkeit der Gefechte aus der umkämpften Zone zurückgezogen. «Die Kämpfe waren plötzlich um uns herum», sagte Moore.

Hetherington lieferte für das US-Magazin «Vanity Fair» Fotos aus dem seit Wochen umkämpften Misrata. Er hatte 2007 den World Press Photo Award für seine Bilder von US-Soldaten in Afghanistan erhalten. Bei seinem einjährigen Aufenthalt in Afghanistan entstand auch der Dokumentarfilm «Restrepo», der für den Oscar nominiert wurde.

Hondros, Fotograf für die Agentur Getty Images, war in den vergangenen Jahren in zahlreichen Kriegsgebieten unterwegs, so etwa im Kosovo, in Liberia, Sierra Leone, Afghanistan und im Irak. Für seine Arbeit wurde er für den renommierten Pulitzer-Preis nominiert.

Tod beklagt

Das Weisse Haus beklagte den «tragischen Tod» der Fotografen. Das französische Aussenministerium erklärte seine Betroffenheit und sprach von einem «Verbrechen».

Die libysche Führung bedauerte den Tod der Fotografen, erklärte aber, die Armee sei nicht verantwortlich: Die Fotografen hätten ihre Sicherheit nicht den Rebellen anvertrauen dürfen. Bisher wurden im Libyen-Konflikt drei ausländische Journalisten getötet.

US-Journalistin in Frauengefängnis

Die seit mehr als zwei Wochen von Gaddafi-Truppen festgehaltene US-Journalistin Clare Morgana Gillis konnte am Donnerstag erstmals mit ihren Eltern telefonieren, wie ihr Auftraggeber, das Magazin «The Atlantic», mitteilte. Sie sei in einem Frauengefängnis in Tripolis und bei guter Gesundheit.

Gillis war am 5. April nahe der Stadt Brega zusammen mit dem US- Reporter James Foley und dem spanischen Fotografen Manuel Bravo von libyschen Soldaten festgenommen worden. Zeitgleich verschwand auch der österreichisch-südafrikanische Journalist Anton Lazarus Hammerl.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.