Rebellen überrennen Peacekeeper

Aktualisiert

Rebellen überrennen Peacekeeper

Beim bisher schwersten Angriff auf die Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) in der sudanischen Region Darfur sind mindestens zehn afrikanische Soldaten getötet worden. 25 weitere wurden verletzt und 50 noch vermisst.

«Das ist die höchste Opferzahl, die wir seit Beginn des Einsatzes hinnehmen mussten», sagte AU-Sprecher Noureddine Mezni. «Der Stützpunkt ist völlig zerstört.» Der Chef der AU-Mission, Rodolfe Adaba, sei «äusserst schockiert» über die Attacke.

Der französische Aussenminister Bernard Kouchner verurteilte das Attentat scharf. «Frankreich bekräftigt sein Vertrauen in und seine Unterstützung für die Afrikanische Union», betonte Kouchner in einer am Sonntag in Paris verbreiteten Stellungnahme. Er mahnte die Konfliktparteien zur Zurückhaltung.

Wer für die Attacke verantwortlich war, wurde zunächst nicht bekannt. Es handelte sich aber offenbar um eine der zahlreichen sudanesischen Rebellengruppen. Nach Augenzeugenberichten hatten rund 2000 Kämpfer das Lager Haskanita im Süden Darfurs überrannt.

Tutu erwartet

Der Angriff erfolgte kurz vor der für Sonntag geplanten Ankunft des südafrikanischen Erzbischofs und Friedensnobelpreisträgers Desmond Tutu im Sudan. Tutu sowie der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter und Nelson Mandelas Ehefrau Graca Machel wollen über Vorschläge für einen Frieden in Darfur beraten.

In der AU-Mission AMIS sind Soldaten aus 26 afrikanischen Staaten vertreten, die grössten Kontingente stellen Nigeria und Ruanda. Es ist die erste grössere AU-Friedenstruppe. Die Afrikanische Union wurde 2002 mit dem Bestreben gegründet, den Phlegmatismus der Vorgängerorganisation OAU zu überwinden.

Verstärkung geplant

Die AU-Truppe soll in den kommenden Monaten durch UNO-Einheiten verstärkt werden. UNO und AU wollen gemeinsam eine Friedenstruppe mit 26 000 Mann aufstellen, die die bisherige aus afrikanischen Kontingenten bestehende Mission von 6000 Mann ablöst.

Bei einem Treffen unter gemeinsamer Leitung der UNO und der AU war vor zehn Tagen eine Erklärung verabschiedet worden, in der die Rebellenorganisationen unter Androhung von Sanktionen aufgefordert werden, an einer Friedenskonferenz am 27. Oktober in Tripolis teilzunehmen.

In Darfur kämpfen seit Februar 2003 Rebellen gegen regierungstreue Reitermilizen. Nach UNO-Angaben starben in dem Konflikt bislang rund 200 000 meist unbeteiligte Menschen, mehr als zwei Millionen Menschen flüchteten. (sda)

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