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«Miami Vice»Rebirth of the cool

Was bringt uns der Kinosommer? Unzählige Openair-Vorführungen – und mit «Miami Vice» das ultimative Comeback des Aalglattismus.

Was das Kino betrifft, so bringt man den Sommer für gewöhnlich mit gut besuchten Openair-Veranstaltungen in Verbindung. Dabei kann es an warmen Tagen durchaus erquicklich sein, seiner Passion in luftgekühlten Lichtspielhäusern und intimer Atmosphäre nachzugehen. Eine Frage der Coolness eben – und genau darum dreht sich auch eines der mit Spannung erwarteten Film-Highlights der kommenden Saison.

Als Regisseur Michael Mann eine Kinoversion von «Miami Vice» ankündigte, rauschte es in den einschlägigen Internetforen ungewöhnlich laut. Einhellige Freude herrschte darüber, dass der Schöpfer der stilbildenden Kultserie selbst für den Film verantwortlich zeichnet. Allerdings fragte man sich, ob es dem Regisseur von «Manhunter» (1986) und «Heat» (1995) gelingen würde, die Ästhetik der Achtzigerjahre adäquat in die Gegenwart zu transportieren. Handelt es sich doch hier um eine Ästhetik, deren Coolness bisweilen durchaus den Inhalt bestimmt und sich nicht über das Lächerliche erhaben fühlt – also um Dandytum und Pop.

Der Schauspieler Don Johnson verkörperte diese Coolness auf geradezu perfekte Weise. Mit weissem Sakko, rosa Hemd und filigranen Lackschuhen jagte er als Sonny Crockett die Verbrecher – zumeist gefährliche Latinos und dubiose Schwarze. Partner Tubbs (Philip Michael Thomas) war zwar ebenfalls dunkelhäutig, glich aber in Outfit und Habitus eher einem Promi-Coiffeur als einem Pimp. Im Hintergrund wimmelte es derweil nur so von Palmen, schicken Autos, eleganten Frauen und Flamingos.

Der Soundtrack dazu war erlesen und im eigentlichen Sinne neu: Wenn nicht gerade Jan Hammer die Synthesizer jaulen liess, erklangen aktuelle Hits von The Police bis Phil Collins, der ebenso einen Gastauftritt hatte wie der legendäre Jazztrompeter Miles Davis.

Das alles kam für seine Zeit ungewöhnlich stylish daher. Ende der Achtzigerjahre konnte man in den USA «Miami Vice»-Sets erstehen, inklusive Sakko mit Hemd, ärmellosem T-Shirt, blödem Schal und dazu passender Sonnenbrille. Heute wäre man in einem solchen Outfit vielleicht wieder in – damals hingegen leistete es vor allem der Grunge-Bewegung Vorschub.

Ob nun Colin Farrell in der Rolle von Sonny und Jamie Foxx als Tubbs zu ähnlichen Stilikonen avancieren: Man darf es bezweifeln. Michael Mann macht allerdings keine schlechten Filme, und das einzige uns bekannte Zitat (gesprochen von Jamie Foxx) klingt doch recht vielversprechend: «Smooth. That's how we do it.»

«Miami Vice», Regie: Michael Mann, mit Colin Farrell, Jamie Foxx, Kinostart: 24. August.

Martin Söhnlein

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