Rechenschaft über Online-Gambling
Aktualisiert

Rechenschaft über Online-Gambling

Das US-Justizministerium hat in Britannien von mehreren Banken Auskünfte über ihr Engagement bei Online-Gambling-Firmen verlangt. Darunter auch von der Credit Suisse.

Die Londoner Sonntagsblätter «Sunday Times» und «Sunday Telegraph» hatten übereinstimmend, aber ohne Quellenangaben berichtet, dass eine Reihe von Banken, Rechtsanwälten und Börsenmaklern in Britannien vom amerikanischen Justizministerium zu Auskünften für eine US-Untersuchung aufgefordert wurden. Online-Gambling ist in den USA illegal, seit US-Präsident George W. Bush am vergangenen 14. Oktober ein entsprechendes Gesetz unterzeichnet hatte. Damit schloss er einen Markt, dessen Volumen auf etwa 15,5 Milliarden Dollar geschätzt wird. In der Folge brachen mehrere kleinere Online-Gambling-Firmen zusammen.

Neben Credit Suisse wurden gemäss den Berichten unter anderem auch Dresdner Kleinwort Wasserstein, die Deutsche Bank und HSBC Holdings PLC um Auskünfte angegangen. Insgesamt sollen rund 15 in Britannien tätige Banken vom US-Justizministerium kontaktiert worden sein. CS-Sprecherin Rebecca O'Neill bestätigte den Eingang einer solchen Anfrage bei CS, verweigerte aber jeden weiter gehenden Kommentar. Die Credit Suisse hatte die Gründeraktionäre der Online-Gambling-Firma 888.com im Vorfeld von deren Börsengang über strategische Optionen beraten, sich aber nicht am Börsengang beteiligt.

Die Aktion des amerikanischen Justizministeriums, das ebenfalls keinen Kommentar zu der Angelegenheit abgab, stiess laut den Zeitungsberichten vom (gestrigen) Sonntag in der britische Bankenwelt auf teils bissige Kritik. Die USA versuchten einmal mehr und erst noch nachträglich, ihre Jurisdiktion auch diesseits des Atlantiks durchzusetzen, zitierte der «Sunday Telegraph» einen britischen Anwalt.

An der Londoner Börse tauchten am Montag die Aktienkurse von Online-Gambling-Firmen wie 888.com, Sportingbet, Leisure & Gaming sowie PartyGaming. Analysten in London sprachen von einer Überreaktion der Anleger auf eine einfache Anfrage um Auskunft. Die Kurse der Unternehmungen, die 2001 beziehungsweise 2005 an die Londoner Börse gegangen waren, hatten schon nach der Unterzeichnung des US-Gesetzes durch Präsident Bush gelitten. (dapd)

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