Basel – «Rechte für Primaten – auch Frauen und Sklaven hatten lange keine»
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Basel«Rechte für Primaten – auch Frauen und Sklaven hatten lange keine»

Im Februar stimmt Basel über die Primaten-Initiative ab. Die Initianten fordern, dass Primaten Grundrechte erhalten sollen. Unterstützt werden sie dabei von diversen Organisationen und den linken Parteien. Zu den Gegnern gehören neben Roche und Novartis auch der Zoo Basel.

von
Seline Bietenhard
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Im Februar stimmt Basel über die Primaten-Initiative ab.

Im Februar stimmt Basel über die Primaten-Initiative ab.

Zoo Basel/Torben Weber
Die Initianten, die Organisation Sentience Politics, fordern mit der Initiative, dass Primaten (Affen, Lemuren) für sie angepasste Grundrechte erhalten sollen.

Die Initianten, die Organisation Sentience Politics, fordern mit der Initiative, dass Primaten (Affen, Lemuren) für sie angepasste Grundrechte erhalten sollen.

20min/Michael Scherrer
Unterstützt werden sie dabei von diversen Organisationen und den linken Parteien.

Unterstützt werden sie dabei von diversen Organisationen und den linken Parteien.

Sentience Politics

Darum gehts

  • Im Februar stimmt Basel über die Primaten-Initiative ab.

  • Die Initiative fordert, dass Primaten Grundrechte erhalten.

  • Unterstützt werden sie dabei von diversen Organisationen und den linken Parteien.

  • Zu den Gegnern gehören neben Roche und Novartis auch der Zoo Basel.

Im Februar stimmt Basel über die Primaten-Initiative ab. Die Initianten, die Organisation Sentience Politics, fordern mit der Initiative, dass Primaten (Affen, Lemuren) für sie angepasste Grundrechte erhalten sollen. Rechtlich gesehen sind dabei Affen im Besitz des Kantons Basel-Stadt gemeint, doch der Kanton besitzt keine. Die Tierschützer begründen die Initiative damit, dass von 2011 bis 2020 über die Hälfte der Schweizer Tierversuche in Basel stattfanden. «929 hatten dabei Schweregrad eins bis drei – also Versuche, bei denen den Primaten Schmerz zugefügt wurde», sagt die Kampagnenleiterin Tamina Graber. Erst seit 2019 fänden keine Primatenversuche mit Schweregrad eins bis zwei mehr statt. Dies zeige auf, dass solche Versuche ohne einer Annahme der Initiative jederzeit wieder eingeführt werden könnten, so Graber.

Unterstützt werden die Initianten von diversen Tierschutz-Organisationen und von den linken Basler Parteien. Laut SP-Grossrätin Barbara Heer könne der Kanton mit der Primaten-Initiative einen wichtigen Impuls für die ethisch-philosophische, gesellschaftliche und politische Diskussion geben. «Die Geschichte unserer Demokratie ist die Geschichte des Erkämpfens von Rechten durch Rechtlose», sagt Heer. Jedes Recht habe mühselig errungen werden müssen, bevor es selbstverständlich geworden sei. «In unseren Gesellschaften waren Sklaven und Frauen lange von Rechten ausgeschlossen. Heute stellt sich die Frage, ist es sinnvoll und gerecht, dass nur menschliche Wesen über Rechte verfügen?», so Heer.

«Affen sollen Affen bleiben dürfen»

Zu den Gegnern der Initiative gehört der Zoo Basel, der im Nein-Komitee aktiv ist. «Wir übernehmen Verantwortung für unsere Affen und wägen jede Entscheidung im Interesse der Tiere sorgfältig ab. Mit einer Annahme wandert die Expertise über deren Wohlergehen und Sicherheit von ausgebildeten Biologinnen, Veterinärmedizinern und Tierpflegenden zu einer Ombudsperson oder einem Beistand – vielleicht sogar zu fachfremden Juristen», so Olivier Pagan, Zoo-Direktor. Dies sei für den Zoo nicht nachvollziehbar. «Niemand kennt unsere Affen besser als unsere Mitarbeitenden. Auch wird unsere Tierhaltung regelmässig vom Veterinäramt Basel-Stadt kontrolliert», sagt Pagan.

Laut des Zoos würde, falls ein Affe Rechte erhalte, dies nichts zum Schutz und Wohlergehen des Tieres beitragen. «Ein Affe kann seine Rechte weder selbst ausüben noch durchsetzen. Er wird immer auf die Vertretung seiner Rechte durch einen Menschen angewiesen sein», so der Zoo in einer Medienmitteilung. Affen sollten das Recht haben, Affen bleiben zu dürfen, heisst es weiter. «Genauso wie alle anderen Tiere sollen sie von fachkundigen Experten geschützt und nach bestem Wissen und Gewissen betreut werden», so der Zolli.

Roche und Novartis im Nein-Komitee

Auch die Pharma-Riesen Roche und Novartis sind im Nein-Komitee vertreten. Generell halten sie sich aus kantonaler Politik raus, diesmal sprechen sie sich aber deutlich dagegen aus, obwohl weder Roche noch Novartis von den Forderungen der Initiative betroffen wären. In Basel werden keine Primaten für Tierversuche gehalten. «Für den Forschungsstandort Basel hätte die Initiative unmittelbar zwar keine Auswirkungen, da die Industrie im Kanton Basel-Stadt nicht mehr an Primaten forscht. Es ist jedoch jederzeit möglich, dass wieder ein Bedarf an der Forschung entstehen könnte. Die Auswirkungen der vorliegenden Initiative könnten folglich sehr weitreichend sein», so das Nein-Komitee.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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