Berner Pilotprojekt  – Rechte Grossräte wollen Cannabis-Verkauf in Apotheken verhindern
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Berner Pilotprojekt Rechte Grossräte wollen Cannabis-Verkauf in Apotheken verhindern

Im Herbst sollen verschiedene Cannabis-Studien im Kanton Bern durchgeführt werden. Mit einer Motion wollen SVP und EDU die Abgabe von Cannabis in Apotheken jedoch verhindern. 

von
Raphael Casablanca
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Ein Forschungsprojekt will die Auswirkungen des regulierten Verkaufs von Cannabis-Produkten in Apotheken erforschen. (Symbolbild)

Ein Forschungsprojekt will die Auswirkungen des regulierten Verkaufs von Cannabis-Produkten in Apotheken erforschen. (Symbolbild)

20min/Matthias Spicher
Ein politischer Vorstoss will dies verhindern.

Ein politischer Vorstoss will dies verhindern.

Screenshot/gr.be.ch
Die Initianten der Motion sehen in den Cannabis-Studien eine Umgehung von Volksentscheiden. Eine Liberalisierung der Hanfpolitik wurde vom Volk 2008 nämlich mit 63 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt.

Die Initianten der Motion sehen in den Cannabis-Studien eine Umgehung von Volksentscheiden. Eine Liberalisierung der Hanfpolitik wurde vom Volk 2008 nämlich mit 63 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

Seit Jahren setzen sich Stadt und Universität Bern für ein Forschungsprojekt zum Thema Cannabis ein. Bereits im Herbst sollen ausgewählte Studienteilnehmende in Berner Apotheken Cannabis-Produkte kaufen können. Die Studie soll zeigen, wie sich der regulierte Verkauf auf das Befinden sowie auf das Konsum- und Kaufverhalten der teilnehmenden Personen auswirkt. Ein politischer Vorstoss will dies nun aber verhindern, wie «Der Bund» berichtet.

Vertreter der SVP und EDU haben eine Motion eingereicht, welche die Abgabe von Cannabis-Produkten in Apotheken verbieten will. «Die jetzigen Pilotprojekte sind ein Versuch, unter dem Deckmantel angeblich wissenschaftlicher Tätigkeit das politische Terrain für eine Legalisierung vorzubereiten», sagt Patrick Freudiger, Initiant und SVP-Grossrat des Kantons Bern, zu 20 Minuten. Die Aufgabe von Apotheken sei es, Heilmittel abzugeben, welche die Gesundheit fördern. Da Cannabis die Gesundheit gefährden könne, sollte es nicht in Apotheken abgegeben werden dürfen, schreiben die Initianten im Vorstoss.

Viele Apotheken begrüssen die Cannabis-Studie

Für Studienleiter Reto Auer kommt die Motion nicht aus heiterem Himmel: «Es war zu erwarten, dass der Studie immer wieder Steine in den Weg gelegt werden würden», sagt Auer. Selbstverständlich halte man sich an die Vorgaben aus der Politik.

Zum Inhalt der Motion möchte er sich nicht äussern: «Ich bin kein Politiker, sondern Forscher.» Auer führt jedoch aus, dass das Forschungsteam im letzten Jahr 194 Apotheken in der Schweiz zu diesem Thema befragt hat. «Die Mehrheit war mit einer Teilnahme an einem Pilotversuch einverstanden.» Bis zur Antwort des Regierungsrats halten die Forschenden weiterhin am überarbeiteten Studiendesign mit den Apotheken fest.

Weitere Cannabis-Studien geplant

Auch der Verein Cannabis Research will den Freizeitgebrauch von Cannabis wissenschaftlich unter die Lupe nehmen. Gemeinsam mit der Universität und ETH Zürich sollen in verschiedenen Schweizer Kantonen Studien zur regulierten Abgabe von Cannabis-Produkten stattfinden.

Der Verein geht nicht davon aus, dass der politische Vorstoss die eigenen Studien tangieren werde: «Die gesetzlichen Grundlagen lassen diverse Alternativen zu Apotheken zu. Wir selber planen mit auf der Abgabe von Cannabis-Produkten in spezialisierten Geschäften», sagt Paul-Lukas Good, Rechtsanwalt und Präsident des Vereins Cannabis Research. Bereits im kommenden Herbst sollen die ersten Studien in den Kantonen Bern, Zürich und St. Gallen durchgeführt werden. 

SVP wittert Umgehung von Volksentscheid

Die Initianten der Motion sehen in den Cannabis-Studien eine Umgehung von Volksentscheiden. Eine Liberalisierung der Hanfpolitik wurde vom Volk 2008 nämlich mit 63 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. «Der Staat ist nicht glaubwürdig, wenn er den Cannabiskonsum auf der einen Seite verbietet, auf der anderen Seite dann den Konsum für Pilotprojekte wiederum explizit zulassen will», sagt SVP-Grossrat Freudiger dazu. Die Antwort zur eingereichten Motion wird innert der nächsten sechs Monate erwartet.

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