«Ich erlöse Sie»: Rechter Grossrat Eric Weber tritt in Basel ab
Aktualisiert

«Ich erlöse Sie»Rechter Grossrat Eric Weber tritt in Basel ab

Eric Weber «erlöst» den Grossen Rat: Der Basler Polit-Querulant tritt zurück. Das dafür nötige Schreiben ist er aber noch schuldig.

von
lha

«Ich erlöse Sie», erklärte der Rechtspopulist Eric Weber (50) zu Beginn der Grossratssitzung am Mittwochmorgen. Kurz darauf wurde die Demission des Polit-Querulanten, der den Ratsbetrieb seit Beginn der Legislatur als Theaterbühne zur Selbstdarstellung missbrauchte, schon von der Schweizerischen Depeschenagentur vermeldet.

Etwas voreilig: «Bislang ist noch kein Rücktrittsschreiben von Herrn Weber eingegangen», so Ratspräsident Conradin Cramer am Mittag. Ohne dieses Schreiben ist der mündlich verkündete Rücktritt nämlich gegenstandslos. So will es das Gesetz über die Geschäftsordnung des Grossen Rats. Auf dem politischen Parkett bestehen denn auch noch Zweifel an seinem Rücktritt: «Bis der nicht schriftlich auf dem Tisch des Hauses liegt, glaube ich nicht daran», sagt Andrea Bollinger (SP).

Zukunft in den Emiraten

Er habe das Schreiben gestern Mittwoch per Einschreiben auf der Clarapost abgeschickt, sagte Weber auf Anfrage. Ein Doppel konnte er aber nicht vorlegen. Heute wird sich zeigen, ob das nur ein Jux war. Schon morgen will Weber der Schweiz den Rücken kehren und laut eigener Behauptung fortan als Pressereferent im Sold eines Scheichs in Abu Dhabi stehen. Vor zwei Jahren liess er sich mit dem Aussenminister der Vereinigten Arabischen Emirate Scheich Abdullah bin Zayed Al Nahyan ablichten.

Eric Weber tickt aus

Seither erzählte der islamfeindliche Rechtspopulist immer wieder, dass er seinen Lebensmittelpunkt in den muslimischen Wüstenstaat verlegen werde. Im Grossen Rat möchte man das gerne glauben: «Webers Gebaren war eine unerträgliche Verhöhnung des Parlaments», so Bollinger. In seiner kurzen Amtszeit, die im Februar dieses Jahres erst begann, reichte Weber 75 parlamentarische Vorstösse ein, die an Absurdität oft kaum zu überbieten waren. Auch meldete er sich bei praktisch jedem Geschäft zu Wort, wobei er kaum je mit Äusserungen zur Sache auffiel. «Er führte Monologe über seine eigene Brillanz», sagt Bollinger. Ratspräsident Cramer musste ihn immer wieder höflich, aber bestimmt zur Räson bringen.

Rücktrittsbluff

Weber kündigte schon vor Beginn der Legislaturperiode seinen Rücktritt für die konstituierende Sitzung des Grossen Rats an, falls die Staatsanwaltschaft nicht die Ermittlungen wegen Eingriffs ins Stimm- und Wahlrecht gegen ihn einstellt. Kurz darauf kam der Rücktritt vom Rücktritt. Die Strafuntersuchung gegen den einschlägig vorbestraften Weber dauert indes an. Jetzt soll das Politkabarett aber wirklich zu Ende sein, versichert er. Im Grossen Rat hofft man es. Bis Webers Demissionsschreiben aber nicht auf dem Pult des Ratspräsidenten liegt, traut man der Sache aber noch nicht.

Deine Meinung