Zwickauer Terrorzelle: Rechts-Terrorist Ralf Wohlleben festgenommen
Aktualisiert

Zwickauer TerrorzelleRechts-Terrorist Ralf Wohlleben festgenommen

In der Neonazi-Mordserie ist der 36-jährige Ralf Wohlleben verhaftet worden. Ralf Wohlleben soll Beihilfe zu sechs Mordfällen geleistet haben.

Im Fall der rechtsextremen Mordserie ist ein weiterer mutmasslicher Helfer der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) festgenommen worden. Der 36-jährige Ralf Wohlleben wurde am Dienstagmorgen in Jena von Beamten des Landeskriminalamts Thüringen verhaftet, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs (BGH) vor. Ralf Wohlleben ist nach Auffassung der Bundesanwaltschaft dringend verdächtig, Beihilfe zu sechs Morden und einem versuchten Mord der NSU-Terrorzelle geleistet zu haben.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Anklagebehörde war Ralf Wohlleben seit 1995 in rechtsextremistischen Kreisen in Thüringen aktiv. Er stand demnach bereits in den 1990er Jahren in enger Verbindung zu den drei NSU-Mitgliedern Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe und soll diese bei ihrer Flucht 1998 und später finanziell unterstützt haben.

Kontakt vermittelt

Zudem vermittelte Ralf Wohlleben den Kontakt zwischen den untergetauchten NSU-Mitgliedern und dem schon seit dem 13. November inhaftierten Holger G., der ihnen Geld und Ausweisdokumente überliess. Der 37-jährige Holger G. war bei Hannover wegen Verdachts der Unterstützung der terroristischen Vereinigung festgenommen worden.

Zur aktuellen Festnahme von Ralf W. erklärte die Bundesanwaltschaft: «Aufgrund seiner anhaltenden Verbindung zu der unter falscher Identität lebenden Gruppe wusste er von ihren terroristischen Straftaten.» Ralf Wohlleben sei zudem dringend verdächtig, dem NSU 2001 oder 2002 eine Schusswaffe nebst Munition verschafft zu haben. Er soll Waffe und Munition einem Kurier übergeben haben, der sie in seinem Auftrag der Zelle nach Zwickau brachte. Dabei nahm der Beschuldigte laut Anklagebehörde «billigend in Kauf, dass die Schusswaffe für rechtsextremistische Morde verwendet werden könnte».

Ralf Wohlleben soll noch am Dienstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der ihm den Haftbefehl eröffnen wird.

Propaganda-Video-Hersteller verhaftet

Erst am Donnerstag war der mutmassliche Terrorhelfer Andre E. festgenommen worden. Der 32-Jährige aus Sachsen soll das menschenverachtende Propaganda-Video hergestellt haben, in dem sich die NSU zu neun Morden an ausländischen Kleinunternehmern und den Mordanschlägen auf zwei Polizisten in Heilbronn bekennt. Ausserdem soll Andre E. im Mai 2009 zwei NSU-Mitgliedern ermöglicht haben, auf ihn und seine Ehefrau ausgestellte Bahncards zu nutzen. Andre E. soll seit 2003 «in engem Kontakt» zur NSU gestanden haben.

Nach den bisherigen Erkenntnissen bildeten die am 4. November tot aufgefundenen Böhnhardt und Mundlos gemeinsam mit der inhaftierten Zschäpe seit 1998 den NSU.

Die Gruppierung soll bundesweit für neun Morde an Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft in den Jahren 2000 bis 2006, den Mordanschlag auf zwei Polizisten in Heilbronn vom April 2007 und zwei Bombenanschläge in Köln von 2001 und 2004 verantwortlich sein. «Zweck» der Terrorgruppe sei es gewesen, aus einer fremden- und staatsfeindlichen Gesinnung heraus vor allem Mitbürger ausländischer Herkunft zu töten, so die Bundesanwaltschaft.

War Beate Zschäpe Informantin?

Bei der Aufklärung der Morde des Zwickauer Neonazi-Trios gibt es nach Angaben der «Leipziger Volkszeitung» einen Hinweis aus der Zeit zwischen 1998 und 2011, wonach die einzig Überlebende, Beate Zschäpe, staatlicherseits «gedeckt» worden sei. Der Hinweis, Zschäpe habe auch als Informantin der Sicherheitsbehörden gearbeitet, stamme offenbar vom Landeskriminalamt Thüringen, schreibt das Blatt in seiner Dienstagausgabe.

Dahinter sollen sich Zuträgerleistungen Zschäpes aus der rechten Szene auch für thüringische Sicherheitsbehörden verbergen. In dieser Zeit soll Beate Zschäpe fünf Alias-Namen verwendet haben. 2003 soll es darüber hinaus Kontakte zwischen der Justiz und Vertrauten von Zschäpe gegeben haben, ob und wie sich die Abgetauchte zurück an die Öffentlichkeit begeben könne.

(dapd)

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