Rechtsextreme Band «Indiziert»: CD vom Geheimdienst prüfen lassen
Aktualisiert

Rechtsextreme Band «Indiziert»: CD vom Geheimdienst prüfen lassen

Vor Gericht wies einer der angeschuldigten Bandmitglieder von «Indiziert» darauf hin, dass die sie die erste CD dem Inlandgeheimdienst DAP zur Prüfung vorgelegt habe. Dieser habe an den Texten nichts zu beanstanden gehabt.

Ob dies tatsächlich so war, will Richter Bähler noch überprüfen. Die Hauptverhandlung und die Urteilsverkündung finden voraussichtlich Ende Oktober statt.

Mitglieder der rechtsextremen Band «Indiziert» stehen seit Dienstag vor Gericht in Burgdorf. Sie sind wegen Anzeigen betreffend Verletzung der Antirassismus-Strafnorm und öffentlicher Aufforderung zu Gewalt erstmals einvernommen worden.

Seit Anfang 2001 spielen die 21- bis 24-Jährigen gemeinsam in Übungslokalen in verschiedenen Gemeinden und geben Konzerte. Rund 1000 Exemplare ihrer CDs «Eidgenössischer Widerstand» und «Marsch auf Bern» verkauften und verschenkten sie nach eigenen Angaben an Kollegen oder via Internet.

Zwei Privatkläger sehen durch die Musiktexte der Band die Antirassismus-Strafnorm verletzt. Die Berner Staatsanwaltschaft geht mit einer Anzeige zudem umstrittenen Aussagen der Bandmitglieder in einem Interview mit der «Berner Zeitung» vom 17. Juni nach.

Vorbestrafte Angeschuldigte

Die vier Angeschuldigten sind allesamt vorbestraft. Vor dem Strafeinzelgericht Burgdorf-Fraubrunnen erschienen sie einheitlich in Anzug und weissem Hemd. Ebenso einheitlich waren ihre Antworten auf die Fragen des Richters Jürg Bähler, der ihnen vier Mal die gleichen Fragen stellte.

Die Bandmitglieder stuften sich als patriotisch, rechtsdenkend oder eidgenössisch sozialistisch ein. Mit ihrer Musik wolle die Band auf die Probleme der Gesellschaft hinweisen und die Jugendlichen aufrütteln, war eine oft gemachte Aussage.

Immer wieder fragte Bähler aber vor allem bei der Auffassung des Rassenbegriffs der Bandmitglieder nach. In ihren Songtexten verlangen «Indiziert» mehrmals, «unsere Rasse zu erhalten». Welche «Rasse» die Band mit ihren Texten genau «erhalten» will, wurde bei der Einvernahme unterschiedlich erklärt.

Ein Befragter bezog seine Erklärungen auf die «europäische Rasse», wobei er aber Leute aus den Balkanstaaten aufgrund ihres kulturellen Hintergrunds ausschloss. Ein Zweiter sprach von der «westeuropäischen Rasse». «Das europäische Volk soll in Europa leben und das afrikanische in Afrika», antwortete ein Dritter.

Texte angeblich «sauber»

Nicht nur gegen Ausländer, auch gegen Politiker, Linksgerichtete, Homosexuelle und Medienschaffende wird in den Songtexten gewettert. Die Einvernommenen widersprachen aber der Ansicht des Richters, einzelne Textpassagen seien «geschmacklos».

Vor Gericht wies einer der Angeschuldigten darauf hin, dass die Band die erste CD dem Inlandgeheimdienst DAP zur Prüfung vorgelegt habe. Dieser habe an den Texten nichts zu beanstanden gehabt. Ob dies tatsächlich so war, will Richter Bähler noch überprüfen. Die Hauptverhandlung und die Urteilsverkündung finden voraussichtlich Ende Oktober statt.

(sda)

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