1. August-Feier: Rechtsextreme haben Rütli nicht aufgegeben
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1. August-FeierRechtsextreme haben Rütli nicht aufgegeben

Weil sie am 1. August nicht mehr aufs Rütli dürfen, veranstalten die Rechtsextremen jeweils einen Tag oder eine Woche später ihre eigene Bundesfeier. Damit soll bald Schluss sein.

von
jep
Hier beschimpften Rechtsextreme am 1. August 2007 den damaligen Bundesrat Samuel Schmid. Seither dürfen sie nicht mehr aufs Rütli.

Hier beschimpften Rechtsextreme am 1. August 2007 den damaligen Bundesrat Samuel Schmid. Seither dürfen sie nicht mehr aufs Rütli.

Die Bundesfeier am Montag auf dem Rütli wird voraussichtlich auch dieses Jahr ohne einen Aufmarsch von Rechtsextremen über die Bühne gehen. Dafür sorgt das Ticketsystem, das die Rütlikommission im Jahr 2006 eingeführt hat. Es verwehrt den Rechtsextremen am Nationalfeiertag den Zutritt auf die nationale Wiese (siehe Box). Auslöser für die Einführung eines Tickets war der Vorfall 2005, als Rechtsextreme den damaligen Bundesrat Samuel Schmid ausgebuht und niedergeschrien haben. Dieser verliess damals unter Tränen die Veranstaltung (siehe Video).

Die Partei National Orientierter Schweizer (Pnos), die damals zum Marsch auf das Rütli aufgerufen hatte, sieht sich jedoch heute noch im Recht. «Die Reaktion angesichts der herausfordernden Rede von Samuel Schmid war angebracht», sagt Pnos-Mitglied Philippe Brennenstuhl gegenüber 20 Minuten Online. In einer Demokratie sei es nicht erlaubt, den Nachkommen der Gründerväter die Teilnahme und das Wort zu verbieten. Er forderte deshalb die Rütlikommission bereits im Feburar auf, die Partei wieder in die Rütli-Feier zu integrieren.

«Akzeptieren Regel nicht»

Aufgrund des Verbots hat die Partei in den letzten drei Jahren ihre eigene Bundesfeier stets an einem anderen Tag auf dem Rütli abgehalten. «Das heisst aber noch lange nicht, dass wir diese Regelung akzeptieren», so Brennenstuhl, der wegen Leugnung des Holocaust vorbestraft ist. Man habe immerhin zehn Jahre dafür gekämpft, um den Ort ihrer Vorfahren wieder angemessen zum Leben zu erwecken. Für dieses Jahr ist laut Brennenstuhl zwar noch nichts geplant, aber die Pnos entscheide jeweils im letzten Moment.

Hans Stutz, Beobachter der Rechtsextremen-Szene in der Schweiz kritisiert die Rütlikommission. «Sie hat es in den letzten Jahren versäumt, ihre Hausordnung durchzusetzen.» Diese untersagt Parteianlässe und macht Anlässe mit 50 Personen bewilligungspflichtig. Da sei es unglaubwürdig, wenn sei einen Aufmarsch von SVP-Anhängern auf das Rütli zuliesse. Martin Hofer, Medienverantwortlicher von der Rütlikommission betont, dass man niemanden ausgrenzen wolle. «Doch wer sich derart unanständig benimmt wie die Rechtsradikalen, hat am Nationalfeiertag auf dem Rütli nichts zu suchen.»

Beitrag von Tele Tell aus dem Jahr 2006.

Das Ticketsystem

Auch in diesem Jahr wird der Zugang aufs Rütli mit einem Ticketsystem geschützt. «Das System wurde von den Polizeien sehr gewünscht, weil es ihre Arbeit erleichtert», sagt Hofer von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG). Für dieses Jahr erwartet die SGG rund 1500 Gäste. Die Tickets konnten bis Mitte Juli bei der SGG bestellt werden. Dazu wurde ein spezielles Formular ins Internet gestellt. Pro Formular und Person konnten maximal sechs Tickets bestellt werden. Diese sind nur mit einem Personalausweis gültig.

100 Blinde und Sehbehinderte auf dem Rütli

Eingeladen zur Bundesfeier auf der Wiese ob dem Vierwaldstättersee sind rund 100 blinde und sehbehinderte Menschen, weil der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband dieses Jahr sein 100-jähriges Jubiläum feiert. Der diesjährige politische Redner ist Ständeratspräsident und Urner Hansheiri Inderkum.

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