Nach Trump-Aussage: Rechtsextreme jubeln – und freuen sich ob «neuer Rekruten»
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Nach Trump-AussageRechtsextreme jubeln – und freuen sich ob «neuer Rekruten»

US-Präsident Donald Trump sprach in der Debatte explizit von ihnen – und distanzierte sich nicht von rechtsextremen Gruppierungen. Bei den rechtsradikalen «Proud Boys» löste dies einen Begeisterungssturm aus – und klingelnde Kassen.

«Stand back and stand by», sagt Donald Trump hier an die «Proud Boys» gewandt. Übersetzt: «Haltet euch zurück und bereit.»

Darum gehts

  • US-Präsident Donald Trump distanzierte sich in der TV-Debatte nicht von rechtsextremen Gruppen.
  • Stattdessen wandte er sich an die Adresse der rechten Gruppe «Proud Boys».
  • Diese sollten sich «zurückhalten und bereit halten».
  • Jetzt feiern die Anhänger der Gruppe diesen Kommentar als «historisch».

Nur wenige Stunden nach der ersten TV-Debatte zwischen Donald Trump und Joe Biden war die Merchandise-Verkaufsmaschinerie bei der rechtsextremen Gruppierung «Proud Boys» in vollem Gange.

Tassen, T-Shirts, Hoodies und selbst Babystrampler wurden mit einer Aussage bedruckt, die Trump während des Fernsehduells gemacht hatte: «Proud Boys – stand back and stand by.» Während sich viele Zuschauer der Debatte deswegen entsetzt zeigten, jubelten rechtsextreme Kreise.

«Wen soll ich verurteilen?»

Tatsächlich hatte Trump sich in der TV-Debatte geweigert, sich von rechtsradikalen Gruppen zu distanzieren. Als Moderator Chris Wallace den US-Präsidenten fragte, ob er rechtsextreme Gruppen verurteilen und sie auffordern würde, nicht zur Gewalt in Städten wie Portland oder Kenosha beizutragen, antwortete Trump: «Wen soll ich verurteilen?»

Als Moderator Wallace noch einmal nachhakte, warf Herausforderer Biden die «Proud Boys» als Beispiel für eine Gruppe ein, von der sich Trump distanzieren könnte. Das nahm Trump auf und sagte: «Proud Boys – haltet euch zurück und haltet euch bereit.» Und weiter: «Ich sage euch, man muss etwas gegen die Antifa und die Linken tun, weil das (die Unruhen, Anm. d. Red.) keine Probleme der Rechten sind, sondern der Linken.»

Trump-Sohn: Er hat sich wohl versprochen

In den sozialen Medien feierten die Anhänger der rechtsextremen Gruppe Trumps Kommentar als «historisch». In einem Kanal hätten Mitglieder der Gruppe die Aussage des Präsidenten als stillschweigende Billigung ihrer gewalttätigen Taktiken gewertet, so eine Zeitung. In einer weiteren Nachricht heisse es, die Gruppe sehe bereits eine Zunahme der Zahl «neuer Rekruten».

Trumps Sohn Donald Trump Jr. sagte im Sender CBS, dass sein Vater sich wohl versprochen habe. Präsidentenberater Jason Miller sagte dagegen der «New York Times», Trump habe sehr wohl deutlich gemacht, dass die «Proud Boys» Gewalt beenden sollten.

Viele Amerikaner aber können es wie der 21-Jährige Gary Zeningue kaum fassen : «Hat sich der US-Präsident soeben wirklich nicht von rechtsextremen Gruppierungen distanziert?», empörte sich der Student in Chicago gegenüber 20 Minuten noch während der Debatte.

Gewaltbereite Rechtsextremisten

Wer sind die «Proud Boys»?

Der ultrarechte Männerclub hatte sich im Vorfeld der US-Wahl 2016 gegründet und unterstützt Donald Trump bedingungslos. Das FBI stufte die «Proud Boys» 2018 als «extremistische Gruppe» ein. Selbst bezeichnet sich die Gruppe als «westliche Chauvinisten, die sich weigern, sich für die Schaffung der Welt zu entschuldigen». Die Bürgerrechtsorganisation ADL stuft die «Proud Boys» als unkonventionelle Strömung im rechten amerikanischen Extremismus ein. Die Gruppe könne unter anderem als gewalttätig, nationalistisch und islamophob beschrieben werden, heisst es auf der Seite der ADL. Ihre Anführer wiesen Rassismusvorwürfe aber zurück. Es sei bekannt, dass Mitglieder gewalttätige Taktiken anwendeten. Mehrere Mitglieder seien wegen Gewaltverbrechen verurteilt worden.

(SDA/gux)

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