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«Junge Tat»Rechtsextreme trainieren und posieren vermummt in Luzern

In einem Video sind Vermummte im Raum Luzern zu sehen, die gemeinsam trainieren und mit Pyros posieren. Ein Experte ordnet sie rechtsextremen Kreisen zu.

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20 Minuten
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Vermummt posieren Mitglieder der Gruppierung «Junge Tat» auf der Allmend in Luzern.

Vermummt posieren Mitglieder der Gruppierung «Junge Tat» auf der Allmend in Luzern.

Screenshot Telegram
Kürzlich hat die Gruppierung auf Telegram ein Video veröffentlicht, in dem auch Vermummte in Tarnanzügen zu sehen sind.

Kürzlich hat die Gruppierung auf Telegram ein Video veröffentlicht, in dem auch Vermummte in Tarnanzügen zu sehen sind.

Screenshot Telegram
Zu sehen sind anonymisierte Personen beim Training, …

Zu sehen sind anonymisierte Personen beim Training, …

Screenshot Telegram

Darum gehts

  • Online kursiert ein Video einer Gruppierung mit dem Namen Junge Tat.

  • Die Gruppierung ruft dazu auf, «unseren Platz auf den heutigen Schlachtfeldern im Ringen um die Heimat» zu erkämpfen.

  • Hans Stutz, Beobachter der rechten Szene, entdeckt im Video verschiedene Elemente, die man aus rechtsextremen Kreisen kennt.

  • Die linke Gruppierung Linke Jugend Luzern Süd kündigt Widerstand an.

«Aufgepasst! Die Zukunft liegt in unseren Händen», heisst es in der Beschreibung zu einem Video, das seit kurzem auf Telegram zu finden ist. Hochgeladen wurde es von einer Gruppierung mit dem Namen Junge Tat. Zu sehen sind unter anderem vermummte Personen, teilweise tragen sie Tarnanzüge und posieren mit Transparenten. Weiter zeigen sich die Protagonisten beim Lesen verschiedener Bücher und beim gemeinsamen Training, auch Kampfsportszenen sind zu sehen.

Experte entdeckt viele rechtsextreme Elemente

«Das Video scheint authentisch zu sein», sagt Hans Stutz. Der Journalist und Beobachter der rechtsextremen Szene in der Schweiz entdeckt im Video Elemente aus verschiedenen rechtsextremen Strömungen: «Es enthält die Botschaft: ‹Ihr müsst euch durch Bildung und durch körperliches Training vorbereiten auf kommende Auseinandersetzungen›. Sei es beim Boxen, beim Wandern oder bei militärischen Übungen im Gelände», sagt der Experte. Worauf man sich vorbereiten müsse, werde jedoch nicht erklärt: «Die Gegner werden nicht bezeichnet. Ob sich dies gegen Linke, Muslime, Juden, Homosexuelle oder andere Gruppen richtet, bleibt offen.»

Weiter sagt der Experte: «Im Video sieht man sowohl faschistische Literatur aus den 1930er- und 1940er-Jahren wie auch Literatur der Neuen Rechten.» Zwar sei die Machart für die Szene aussergewöhnlich, doch die dargestellte Transparent-Aktion erinnere an Aktionen von Identitären. Die Gruppe verbreite auch die Botschaft, mit der Schweizer Rechtsextremen-Szene verbandelt zu sein. «Das Transparent, das die Vermummten präsentieren, enthält das Signet der rechtsextremen Gruppierung Nationale Aktionsfront (NAF).» Und: «Die Rapmusik im Video stammt von Musikern, die der deutschen NS-Rapperszene zuzuordnen sind», sagt Stutz weiter.

Linke Gruppierung kündigt Widerstand an

Auf Instagram wurde bereits Widerstand gegen die Junge Tat angekündigt. Man wolle Faschisten keinen Platz einräumen, schreibt die Linke Jugend Luzern Süd. Veröffentlicht wurde dazu ein Bild eines Transparents mit der Aufschrift «Luzern=Antifa! Junge Tat not welcome», das beim Bahnhof Kriens Mattenhof aufgehängt worden war.

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Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Tel. 147

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