TV-Kochshow: Rechtsextremer kocht bei Swiss Dinner 3-Gänger
Aktualisiert

TV-KochshowRechtsextremer kocht bei Swiss Dinner 3-Gänger

Mit seinem Kalbsvoressen hat Hobbykoch Benu Lingg bei Swiss Dinner gepunktet und die Führung übernommen. Dass er ein bekannter Rechtsextremer ist, war in der TV-Show kein Thema.

von
20M

«Benu hat früher gerne Fussball gespielt, und jetzt ist eben Kochen sein Hobby». So harmlos wurde der 30-jährige Heizungstechniker Benjamin Lingg aus Altbüron LU in der neusten Folge von Swiss Dinner vorgestellt. Zu sehen ist die Kochshow jeweils am Samstagabend auf mehreren Lokal-TV-Stationen. Auf dem Menüplan standen etwa geräucherte Forelle sowie Kalbsvoressen mit Knöpfli und Buttergemüse.

Kein Thema war in der Sendung, dass Lingg ein bekannter Rechtsextremer ist, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Als langjähriges Vorstandsmitglied der Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) organisierte er Aufmärsche und war Vize-Chef der Sektion Willisau LU. Weiter soll er sich im Umfeld der militanten Helvetischen Jugend bewegt haben. Diese war 2004 massgeblich beteiligt an einem Angriff auf eine antirassistische Demo in Willisau – bei anschliessenden Hausdurchsuchungen beschlagnahmte die Polizei unter anderem auch Waffen.

Ex-Bassist bei Rechtsrockband

Doch damit nicht genug: Lingg spielte ebenfalls Bass in der Rechtsrockband Indiziert. Durch deren Konzerte knüpfte er regelmässig Kontakte zu anderen Rechtsextremen in ganz Europa. Das letzte Mal in den Schlagzeilen war «Benu» vor fast zwei Jahren. Damals reservierte er für eine 1.-August-Feier der Pnos eine Waldhütte in Huttwil BE.

«Swiss Dinner» wird von der Firma Golden Eye Media im Auftrag der AZ Medien produziert. Die politische Gesinnung von Lingg sei beim Casting kein Thema gewesen, betont Claude Winet, Chefredaktor von TeleZüri, das die Sendung unter anderem ausstrahlt, gegenüber der «SonntagsZeitung». Und weiter: «Da es sich um ein Unterhaltungsformat handelt, achten die Produzenten der Sendung strikt darauf, dass die Kandidaten ihren Auftritt nicht zu politischen oder ideologischen Zwecken missbrauchen. Zudem sei Lingg gemäss eigenen Angaben nie strafrechtlich belangt worden.

Zumindest mit seinen Kochkünsten konnte «Benu» überzeugen: Für Profikoch Erik Haemmerli ist er gar der Favorit der aktuellen Staffel. Und seine Gegenkandidaten geizten ebenfalls nicht mit Punkten, so dass er nun die Führung übernommen hat.

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