Rechtsnationalisten in Gaza verhaftet
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Rechtsnationalisten in Gaza verhaftet

Israelische Polizisten haben erstmals im Rahmen des Gaza-Abzugs die Ausweisung von Israelis aus dem Gebiet durchgesetzt.

50 rechts-nationalistische Demonstranten seien aus der Siedlung Newe Dekalim weggeschafft und nach Israel gebracht worden, teilte die Polizei mit. Dort sei ihnen eine Freilassung unter der Bedingung angeboten worden, nicht in den Gaza-Streifen zurückzukehren.

Lediglich vier der Festgenommenen hätten diese Zusage verweigert und seien in Haft behalten worden, sagte eine Polizeisprecherin. Bei den Männern und Frauen habe es sich nicht um Siedler gehandelt.

Sie gehörten offenbar zu einer Gruppe von Israelis, die zur Unterstützung des Siedler-Widerstands gegen den Abzug in den vergangenen Wochen im Gaza-Streifen untergeschlüpft sind. Die religiös motivierten Gruppen glauben daran, dass das Land den Juden in der Bibel zugesprochen wurde.

Auch nach den Festnahmen und Ausweisungen wehrten mehrere hundert Demonstranten den Abtransport von Umzugsgut aus Newe Dekalim und den Zugang der Armee zu der Siedlung ab. Dabei kam es zu den heftigsten Zusammenstössen zwischen Abzugsgegnern und Soldaten, seit die letzte Frist für einen freiwilligen Wegzug der Siedler angelaufen ist.

Unterdessen stoppte Israels oberster Gerichtshof vorläufig den geplanten Abriss von 26 Synagogen im Gazastreifen. Die Regierung wurde aufgefordert, binnen 48 Stunden Alternativen zum Abriss vorzuschlagen, wie aus Justizkreisen verlautete. Angerufen wurde der oberste Gerichtshof von Siedlern, die gegen den von der Regierung beschlossenen Abzug aus dem Gazastreifen kämpfen.

Gewaltsame Zusammenstösse

Drei Siedlungen in dem Küstenstreifen und zwei im Westjordanland waren am Mittag bereits menschenleer. Den verbleibenden Siedlern drohte ab Mitternacht die Zwangsräumung und eine Kürzung der Entschädigung, die alle Betroffenen für die Umsiedlung erhalten.

In der grössten Siedlung Newe Dekalim begannen die Auseinandersetzungen am Vormittag: Hunderte Demonstranten stellten sich Lastwagen in den Weg, die bei der Umsiedlung zum Einsatz kommen sollen. Als Sicherheitskräfte die Menge zurückdrängten, kam es zu Handgreiflichkeiten. Abzugsgegner warfen Steine, Eier und Plastikflaschen und zündeten Müllcontainer an. Die Polizei brachte einen Wasserwerfer in Stellung. Sicherheitskräfte hatten am Morgen das Haupttor der Siedlung eingerissen.

Mehrere hundert Einwohner von Newe Dekalim entschieden sich für eine freiwillige Aufgabe ihrer Häuser. Nach Angaben von Sicherheitskräften bestellten 120 Familien Umzugscontainer. Siedlerführer schätzten, dass bis Mitternacht noch bis zu 350 der ursprünglich 480 Familien in Newe Dekalim ausharren wollten.

In der Siedlung Gadid setzte ein Siedler seine Gewächshäuser in Brand, wie das israelische Radio berichtete. In Bedolah drohten Einwohner damit, vor dem Abzug ihre Häuser anzuzünden.

Sorgen bereiteten den Sicherheitskräften vor allem die aus anderen Landesteilen zugereisten Abzugsgegner. Nach Schätzungen der Behörden beläuft sich ihre Zahl auf etwa 5.000. Seit Sonntag wurden nach Polizeiangaben rund 800 von ihnen festgenommen. Allein in der Siedlung Morag im Süden des Gazastreifens haben sich nach Angaben der Streitkräfte 300 zugereiste Abzugsgegner verschanzt, während etwa ein Drittel der 220 Bewohner ihre Häuser verlassen haben.

In der palästinensischen Stadt Chan Junis marschierten unterdessen rund 2.000 Anhänger der militanten Hamas-Bewegung auf, um den israelischen Abzug zu feiern. Unter ihnen waren 200 maskierte Kämpfer mit Raketenwerfern und Maschinengewehren. Zahlreiche Kinder drängten gegen die Aussenmauer einer nahe gelegenen jüdischen Siedlung und hissten eine Fahne der Hamas.

Als Zeichen der Bemühungen der Autonomiebehörde, nach dem Abzug für Recht und Ordnung zu sorgen, eröffnete der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia eine Kampagne zur Reinigung der Strassen von Gaza. Er trug ein T-Shirt mit der Aufschrift: «Heute Gaza. Morgen das Westjordanland und Jerusalem.»

Jordanien fürchtet Flüchtlingsstrom

Der jordanische König Abdullah erklärte unterdessen, sein Land wolle keine palästinensischen Flüchtlinge mehr aufnehmen. Die arabischen Staaten fürchten, dass Israel keine weiteren jüdischen Siedlungen aufgeben will, während die Palästinenser auf das Westjordanland als eigenes Staatsgebiet hoffen. In Jordanien leben bereits 1,8 Millionen Palästinenser.

(sda)

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