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20Min-WahlumfrageRechtsrutsch – FDP und SVP legen zu

Das bürgerliche Lager gewinnt, die Grünen verlieren: Dies zeigt die 20-Minuten-Umfrage zu den Nationalratswahlen im Herbst.

von
J. Büchi

Die FDP steht vor einem goldenen Wahlherbst: Was die kantonalen Wahlen Anfang Jahr bereits erahnen liessen, zeigt auch die grosse Wahlumfrage von 20 Minuten und dem Forschungsinstitut Sotomo (siehe Box). Wäre am vergangenen Sonntag gewählt worden, hätte die FDP ihren Wähleranteil um 1,3 Prozentpunkte auf 16,4 Prozent vergrössert. Die Wirren um die Affäre Markwalder scheinen der Partei kaum geschadet zu haben, wie Politologe Thomas Milic bestätigt. «Weder im Kanton Bern noch auf nationaler Ebene lassen sich negative Auswirkungen feststellen.»

Neben der FDP darf sich auch die SVP Hoffnungen auf einen Stimmenzuwachs machen. Während vergangene Wahlumfragen davon ausgegangen sind, dass die Volkspartei im Herbst tendenziell verliert, zeichnet sich in der 20-Minuten-Umfrage eine leichte Zunahme ab (+1%). Thomas Milic zufolge liegt die Erklärung dafür auf der Hand. «Die meisten Wähler, die zur SVP wechseln wollen, gaben als Grund an, die Problemlage in der Schweiz habe sich geändert.» Die Zuwanderung und die Beziehung Schweiz-EU seien als Themen aktueller denn je – davon dürfte die Partei profitieren.

Grüne, BDP und GLP verlieren

Die Sitzgewinne der Bürgerlichen gehen zulasten des links-grünen Lagers. Laut Umfrage verlieren die Sozialdemokraten geringfügig (-0,5%), die Grünen dagegen deutlich (-1,6%). Thomas Milic gibt jedoch zu bedenken, dass die Fluktuation zwischen den beiden Linksparteien erfahrungsgemäss hoch ist. «Die Gewinne und Verluste innerhalb des linken Lagers könnten sich deshalb noch verändern.» Es sei denkbar, dass die Verluste der Grünen noch stärker ausfallen und der Wähleranteil der SP dafür stabil bleibt. «Die Grünen haben offenbar ein strukturelles Problem – die politische Grosswetterlage ist nicht zu ihren Gunsten.»

Besonders im Fokus stehen im Hinblick auf die Nationalratswahlen auch die BDP und GLP, die 2011 zu den grossen Überfliegern zählten. Sie verlieren laut Umfrage leicht (-0,5 bzw. -0,4%). Damit setzt sich auch hier die Tendenz der letzten kantonalen Wahlen fort. Allerdings dürften die Verluste weniger schmerzhaft ausfallen als etwa in Zürich oder Luzern. Milic bestätigt: «Bei der GLP zeichnen sich für die Nationalratswahlen vor allem in ihrem Stammland, dem Kanton Zürich, grössere Verluste ab.»

«Good News» für die CVP

Bei der BDP dürften einzelne Wähler, die bereits auf dem Absprung sind, ihre Stimme im Hinblick auf die Bundesratswahlen trotzdem nochmals der jungen Partei geben. «Strategische Wähler werden sich sagen: Ich wähle die BDP, um zu verhindern, dass der Bundesratssitz von Eveline Widmer-Schlumpf der SVP zufällt.» Keine relevanten Verschiebungen sind bei der CVP zu beobachten (-0,3%). «Für die CVP, die sich seit zwei Jahrzehnten im Krebsgang befindet, sind das Good News», sagt Milic.

Zugutekommen dürfte der CVP noch ein weiterer Effekt. Weil in gewissen kleineren Kantonen nicht alle Parteien mit eigenen Listen antreten werden, könnten die grossen Parteien noch minim zulegen. «Wenn die BDP beispielsweise in einem Kanton keine Kandidaten aufstellt, werden die Stimmen der BDP-Sympathisanten vermutlich an die ideologisch am nächsten stehende, grössere Partei gehen.»

Insgesamt haben 13 Prozent der Umfrageteilnehmer angegeben, dieses Jahr eine andere Partei wählen zu wollen als noch 2011. «Dramatische Veränderungen, wie sie etwa in den 90er-Jahren mit dem Aufstieg der SVP stattgefunden haben, sind in diesem Wahljahr deshalb nicht zu erwarten», so Milic.

Die 20Min-Wahlumfrage

23'870 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 16. und 17. Juni 2015 an der ersten Welle der 20Min-Wahlumfrage zu den Nationalratswahlen im Herbst teilgenommen. Die Politologen Michael Hermann und Thomas Milic vom Forschungsinstitut Sotomo haben die Daten gewichtet, sodass die Stichprobe soziodemographisch und politisch repräsentativ ist. Da es sich um eine sogenannte opt-in-Umfrage handelt, kann der Stichprobenfehler nicht beziffert werden.

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