Aktualisiert 08.03.2013 16:25

Auf AutobahnRechtsüberholen - sinnvoll oder gefährlich?

Kurz nachdem ein Polizeikommandant dabei erwischt wurde, wie er auf der Autobahn rechts überholte, will Nationalrat Thomas Hurter genau dies erlauben. Der VCS ist skeptisch.

von
fum
Lenker, die auf Autobahnen die linke Fahrspur blockieren, sind Nationalrat Hurter ein Dorn im Auge. Er will das Rechtsüberholen deshalb erlauben.

Lenker, die auf Autobahnen die linke Fahrspur blockieren, sind Nationalrat Hurter ein Dorn im Auge. Er will das Rechtsüberholen deshalb erlauben.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass Daniel Blumer, dem designierten Kommandanten der Stadtpolizei Zürich, der Fahrausweisentzug droht - unter anderem, weil er Ende Februar auf der A1 einen Lieferwagen rechts überholt hat. Gestern nun reichte SVP-Nationalrat Thomas Hurter einen partamentarischen Vorstoss ein, der genau dieses Verkehrsdelikt entkriminalisieren will. Hurter spricht auf Anfrage von einem «Zufall», er habe die Motion ohnehin diese Woche einreichen wollen. Aber der Fall des Polizeikommandanten zeige, dass die aktuelle Regelung nicht funktioniere.

Laut geltendem Gesetz dürfen Autofahrer nur bei Kolonnenverkehr und auf Einspur- und Beschleunigungsstrecken andere Fahrzeuge rechts überholen. Ein Unsinn, findet Nationalrat Hurter: «Wenn man rechts überholen könnte, würde nicht nur der Verkehrsfluss erhöht, sondern die Autofahrt auch stressfreier.» Die Praxis habe zudem gezeigt, dass notorische Linksfahrer viel zu selten für ihr verkehrswidriges Verhalten gebüsst würden.

Roger Nordmann, SP-Nationalrat und VCS-Vizepräsident, sieht keinen Handlungsbedarf. So viele Autofahrer, die auf der linken Spur unter der Geschwindigkeitsgrenze verharren würden, gebe es gar nicht. Viel gewichtiger sei aber der Aspekt der Sicherheit. «Autofahrer rechnen nicht damit, dass von hinten rechts ein anderes Fahrzeug kommt - das führt schnell zu gefährlichen Situationen», so Nordmann.

Vergleich mit den USA

Motionär Hurter sieht die USA als positives Beispiel. Dort sei das Rechtsüberholen erlaubt und die Unfallrate nicht höher als bei uns. Nordmann lässt dies nicht gelten: «Die amerikanischen Autobahnen sind breiter und die Fahrkultur ist gelassener.»

Der Vorstoss kommt nicht zum ersten Mal aufs politische Parkett, Hurter reichte im Dezember 2010 eine praktisch identische Motion ein. Der Bundesrat lehnte das Begehren ab, unter anderem weil das Rechtsüberhol-Verbot der Vermeidung von Unfällen diene. Das Parlament beriet gar nie darüber, sodass die Motion letzten Dezember abgeschrieben wurde. Diesmal stünden die Chancen allerdings besser, dass «wenigstens darüber diskutiert wird», ist Hurter überzeugt.

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