Kreisgericht Rheintal: Recycling-Firmen für Hausbau abgezockt
Aktualisiert

Kreisgericht RheintalRecycling-Firmen für Hausbau abgezockt

Das Kreisgericht Rheintal hat am Donnerstag einen Fall beraten, in dem es um falsche Deklarationen von Bauschutt, gefälschte Unterschriften und Schwarzgeld ging.

Die Beschuldigten mussten sich vor dem Kreisgericht Rheintal verantworten. (Bild: upz)

Die Beschuldigten mussten sich vor dem Kreisgericht Rheintal verantworten. (Bild: upz)

Opfer sollen zwei Recyclingfirmen sein, der Deliktsbetrag wird auf rund eine halbe Million Franken beziffert.

Die Hauptrollen in den Ausführungen der Anklage vor dem Kreisgericht Rheintal spielten ein 42-jähriger Betriebsleiter und sein Mitarbeiter. Beide wechselten zusammen von einer Recyclingfirma zu einer zweiten. Die Nebenrollen kamen einem 69-jährigen Geschäftsführer sowie einem Rentner zu. Über deren Firmen oder Konten soll ein Teil der Geschäfte abwickelt worden sein.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Betriebsleiter in rund zwei Dutzend Anklagepunkten vor, sich zwischen 2007 und 2010 «durch beispiellose kriminelle Energie» bereichert zu haben. Er habe andere dafür eingespannt und seine Vertrauensstellung missbraucht.

Bauschutt falsch deklariert

Bauschutt sei als Alteisen deklariert worden, für das die Firma bezahlen muss. Es seien falsche Wiegescheine ausgestellt, fiktive Lieferungen verbucht und Unterschriften auf Lieferscheinen gefälscht worden. Zudem habe der 40-jährige Mitarbeiter auf Kosten seiner Arbeitgeber im grossen Stil Holzpalette eingekauft und sie auf eigene Rechnung abgesetzt.

Mit den Gewinnen habe der Mitarbeiter ein Haus gebaut und der Betriebsleiter seines ausgebaut – unter anderem mit einem Schwimmbad.

Konto in Liechtenstein

Ein Teil der illegalen Zahlungen sei über die Firma des angeklagten Geschäftsführers gelaufen. Von dort seien sie in Form von Gutschriften oder Bargeld ausgeschüttet worden. Für die Holzpalette habe der Betriebsleiter mit dem Rentner zusammengearbeitet, der die Gewinne auf ein Konto in Liechtenstein einzahlte und ihm danach die Beträge bar ablieferte.

Die Anklage forderte für den Betriebsleiter wegen Urkundenfälschung, Geldwäscherei, ungetreuer Geschäftsführung, Veruntreuung, versuchter Veruntreuung und versuchtem Betrug eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren, dazu eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen. Für den Mitarbeiter verlangte er eine bedingte Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren und eine unbedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen.

Der 69-jährige Geschäftsführer soll wegen Beihilfe zu ungetreuer Geschäftsbesorgung, Beihilfe zu Urkundenfälschung und mehrfacher Geldwäscherei mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 17 Monaten und einer Geldstrafe von 30 Tagesätzen bestraft werden. Der Rentner, der nur als Zahlstelle funktioniert habe, soll wegen mehrfacher Geldwäscherei eine Strafe von 80 Tagessätzen erhalten.

Freisprüche gefordert

Der Verteidiger des Betriebsleiters zeichnete ein völlig anderes Bild: Es habe keine fiktiven Lieferungen gegeben. Die fehlenden Unterlagen bei Drittlieferanten seien erklärbar: «Alles ist jeweils ohne Papiere schwarz abgewickelt worden», sagte er.

Der Betriebsleiter habe seine Stelle ohne kaufmännische Ausbildung erhalten und sei kaum kontrolliert worden. Zudem habe er auch noch privat als Schrotthändler und Anbieter von Holzpaletten gearbeitet und sei deshalb ein «bequemer Sündenbock».

Der Anwalt forderte Freisprüche in den meisten Anklagepunkten. Einzig der ungetreuen Geschäftsbesorgung sei sein Mandant schuldig zu sprechen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten zu bestrafen. Als Betriebsleiter hätte er eingreifen müssen, als er feststellte, dass Recycling-Material falsch deklariert wurde.

Das Urteil wird vom Kreisgericht Rheintal am nächsten Dienstag bekanntgegeben. (sda)

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