Schwedische Zeitung: Red Bull Salzburg «wie Hitler und Fritzl»

Aktualisiert

Schwedische ZeitungRed Bull Salzburg «wie Hitler und Fritzl»

Vor dem Champions-League-Duell zwischen Salzburg und Malmö holt ein schwedisches Revolverblatt zum Rundumschlag aus. Und zieht einen geschmacklosen Vergleich.

von
Kai Müller

Ist es die Angst vor dem Scheitern an einem Gegner, der in der heimischen Meisterschaft alles in Grund und Boden spielt? Die Gier nach Aufmerksamkeit? Oder doch die Wut gegen die Kommerzialisierung im Sport? Was auch immer sein Motiv war, der Journalist Ronnie Sandahl schoss mit seinem Kommentar in der schwedischen Boulevardzeitung «Aftonbladet» weit übers Ziel hinaus.

Vor dem Hinspiel in den Playoffs der Champions League zwischen Red Bull Salzburg und Malmö FF vom nächsten Dienstag schrieb er: «Österreich hat uns nicht nur Josef Fritzl und Adolf Hitler beschert. Da ist auch noch Red Bull Salzburg, der meistgehasste Fussballverein unserer Zeit.»

Der Autor rollt noch einmal die Geschichte des Klubs auf, der 2005 mit dem Einstieg des Getränkeriesen vom SV Austria Salzburg zum FC Red Bull Salzburg wurde, neue Farben und neues Logo inklusive. Er ist sich sicher, dass Salzburg nirgends Sympathien geniesst. «Menschen in aller Welt werden für die Schweden die Daumen halten. In einer Zeit, in der sich die Welt immer undurchsichtiger und fragmentarischer verhält, ist das etwas ebenso Unwiderstehliches wie eine moralisch selbstverständliche Geschichte. Es gibt das Gute und das Böse. Das Böse ist Salzburg.»

Verband übt scharfe Kritik

Der Österreichische Fussball-Bund zeigte sich in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme empört über die harschen Worte aus dem Norden. «Dieser Vergleich ist klar abzuweisen und aufs Schärfste zu verurteilen. Solche Relationen haben im Sport nichts verloren und richten sich sogar gegen die gesamte österreichische Nation. Es ist unglaublich, wie gedankenlos damit vorgegangen und jede Tabugrenze überschritten wird», sagte Präsident Dr. Leo Windtner.

Mit Blick auf das EM-Qualifikationsspiel vom 8. September fügt er an: «Wir haben in knapp einem Monat Schweden zu Gast in Wien, und ich kann nur hoffen, dass der mediale Rummel rund um dieses Spiel vom schwedischen Boulevard nicht auf diesem erschreckenden Niveau ausgetragen wird.»

Widerstand auch in Deutschland

Die Stimmung gegen Salzburg wurde in den vergangenen Tagen nicht nur medial angeheizt. Schon zuvor hatten Fans die Verantwortlichen von Malmö FF dazu gebracht, den Energydrink für das Rückspiel am 27. August in Südschweden aus dem Sortiment zu nehmen. «Direkt nach der Auslosung gerieten wir stark unter Druck, dass wir den Verkauf von Red Bull im Stadion stoppen sollen», sagte der Eventmanager des Klubs, Patrik Jandelin, gegenüber der Zeitung «Sydsvenskan».

Ähnlich empfindlich reagieren die Fans derzeit in Deutschland auf den Zweitliga-Aufsteiger RB Leipzig (RB steht für Rasenballsport), der 2009 vom Getränkekonzern gegründet wurde. Die Anhänger des Karlsruher SC planen schon jetzt eine Demonstration «Gegen die Kommerzialisierung und für das Ehrenamt» für das Auswärtsspiel am 24. September. Die Initiatoren erwarten gegen 2000 Teilnehmer.

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