Tod von Ueli Gegenschatz: «Red Bull übernimmt keine Verantwortung»
Aktualisiert

Tod von Ueli Gegenschatz«Red Bull übernimmt keine Verantwortung»

Schock, Trauer, Wut – drei Tage nach dem Tod von Ueli Gegenschatz fühlt die ganze Schweiz mit den Hinterbliebenen mit. Nach Tagen des Schweigens äussert sich nun auch Red Bull. Während der Getränkeriese von Trauer spricht, hält man an der halsbrecherischen Marketingstrategie fest.

von
Amir Mustedanagic

14 Jahre lang setzte Ueli Gegenschatz sein Leben für Red Bull aufs Spiel. Der Appenzeller war nicht nur ein Basejump-Pionier und weit über die Landesgrenze bekannt, sondern auch ein Vorbild für die Szene. Doch auch fünf Tage nach seinem tödlichen Unfall fehlt auf der Homepage von Red Bull jede Spur von Würdigung: Der Energydrink-Riese preist auf seiner Homepage weiterhin seine halsbrecherischen Events an. Über den Tod von Ueli Gegenschatz ist keine Zeile zu lesen. Und auch sonst war von Red Bull seit einer ersten Stellungnahme am Freitag nur eines zu vernehmen: Schweigen.

«Das Schweigen kommt einem Schuldeingeständnis gleich», sagt Beat R. Krättli, Geschäftsführer von Metacom. Die Agentur hat sich auf Krisenkommunikation spezialisiert und berät unter anderem auch die Schweizer Armee. «Red Bull übernimmt keine Verantwortung», kritisiert Krättli die Kommunikation des Getränkeherstellers. Gegenschatz sei im Auftrag des Unternehmens gesprungen. Es sei das Mindeste, dass man an die Öffentlichkeit trete und Verantwortungsgefühl zeige.

«Irgendwann wird Red Bull die Defensive aufgeben müssen»

Zumindest eine «Dark Site» hätte man vorbereiten müssen, um dem tragischen Fall die nötige Würdigung zu erteilen, findet Krättli. Eine solche Seite werde in Minutenschnelle online geschaltet nach so einem Ereignis. Ein aktuelles Beispiel ist der Fall von Robert Enke: Nur Minuten nachdem der Selbstmord des deutschen Torhüters bekannt wurde, schaltete sein Verein eine Trauerseite auf. «Totschweigen kann Red Bull das Thema sowieso nicht», so der Krisenexperte. Die Kritik werde nicht kleiner und auch der öffentliche Druck nehme nicht ab. Und mit dieser Einschätzung steht er nicht alleine: Wer glaubt, er könne abtauchen und alles gehe von alleine vorbei, der täuscht sich massiv, sagt die ehemalige Swissair-Sprecherin Beatrice Tschanz im Interview mit der Pendlerzeitung «News». «Der oberste Verantwortliche hätte sein Bedauern mitteilen und zum Geschehen stehen sollen.» Dennoch sei eines klar, sagt Krättli: «Irgendwann werden sie die Defensive aufgeben müssen.»

Tatsächlich. Nach mehrmaliger Anfrage erhält 20 Minuten Online heute Mittag eine schriftliche Stellungnahme des österreichischen Getränkeriesen: «Wir alle hier bei Red Bull sind in tiefer Trauer um Ueli Gegenschatz», schreibt Sprecher Fabio Svaizer. Gegenschatz sei für «so viele Jahre ein guter Freund gewesen». Man hoffe deshalb auf Verständnis, dass «unsere Kommunikation zu diesem Thema in diesen schwierigen Tagen auf Uelis Familie und seine engsten Freunde beschränken», heisst es weiter.

«Ein bitterer Beigeschmack wird bleiben»

Trotz des Verlustes des «guten Freundes und einer einzigartigen Sportlerpersönlichkeit» behält Red Bull ihre halsbrecherische Marketing-Strategie bei: «Wir werden die Arbeit mit unseren vielen Athleten weiterführen und ihnen weiterhin dabei helfen, ihre Träume zu erfüllen und ihre Visionen zu verwirklichen», schreibt Svaizer. Der Zwischenfall wird aber nicht ohne Folgen bleiben, sagt Beat Krättli. «Für viele Leute wird der Werbespruch ‚verleiht Flügel' in Zukunft einen bitteren Beigeschmack haben.»

TV-Tipp:

«Die Basejumper von Lauterbrunnen» aus der Reihe «DOK», Montag, 22:50 Uhr auf SF 1.

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