Staatsanwaltschaft ermittelt - Redaktor belästigt Praktikantin (17) sexuell – er bleibt trotzdem Chef

Publiziert

Staatsanwaltschaft ermitteltRedaktor belästigt Praktikantin (17) sexuell – er bleibt trotzdem Chef

Ein Baselbieter Chefredaktor muss sich wegen sexueller Belästigung verantworten. Er soll eine damals minderjährige Praktikantin mit anzüglichen Kommentaren und expliziten E-Mails belästigt haben.

von
Seline Bietenhard
1 / 3
Eine damals minderjährige Praktikantin eines Baselbieter Lokalmediums soll von ihrem damaligen Chef sexuell belästigt worden sein. 

Eine damals minderjährige Praktikantin eines Baselbieter Lokalmediums soll von ihrem damaligen Chef sexuell belästigt worden sein.

Screenshot Telebasel
Der Chefredakteur habe immer wieder anzügliche Kommentare fallen gelassen, per Nachricht und auch persönlich. (Symbolbild)

Der Chefredakteur habe immer wieder anzügliche Kommentare fallen gelassen, per Nachricht und auch persönlich. (Symbolbild)

20min/Stevan Bukvic
Auch soll er der jungen Frau E-Mails mit explizitem sexuellen Inhalt gesendet haben.  (Symbolbild)

Auch soll er der jungen Frau E-Mails mit explizitem sexuellen Inhalt gesendet haben. (Symbolbild)

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Eine damals 17-jährige Praktikantin soll von ihrem damaligen Chefredaktor sexuell belästigt worden sein.

  • Der Mann soll anzügliche Kommentare fallen gelassen und auch E-Mails mit explizitem Inhalt versendet haben.

  • Die junge Frau erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.

  • Obwohl sie den Verlag informiert hatte, soll dem Chefredaktor nicht gekündigt worden sein.

Ein Baselbieter Chefredaktor eines Lokalmediums muss sich wegen sexueller Belästigung verantworten. Wie «Telebasel» berichtete, soll er eine damals 17-jährige Praktikantin mit anzüglichen Kommentaren und expliziten E-Mails belästigt haben. Die junge Frau arbeitet heute als freie Mitarbeiterin bei Telebasel und erzählte dem Regionalsender ihre Geschichte.

Der Chefredaktor habe laut der Journalistin immer wieder anzügliche Kommentare fallen gelassen, per Nachricht und persönlich. Die damals 17-Jährige versuchte, die Kommentare zu ignorieren und die Nachrichten zu löschen. «Man traut sich oft nicht, dem Chef die Meinung zu sagen», sagte sie zu Telebasel. Mit der Zeit habe der Chef begonnen, E-Mails mit explizitem sexuellen Inhalt zu senden. Auch diese Mails habe die damals 17-Jährige sofort gelöscht. Der Chef habe ihr dann die Texte sogar versucht per Post zuzusenden. Auch telefonisch habe er die Praktikantin und deren Familie belästigt.

Beschuldigter stritt alles ab

«Irgendwann wurde es mir zu viel, die ganze Sache machte mir Angst», so die junge Frau zu Telebasel. Sie habe dann für ein Jahr den Kontakt abgebrochen und an einem anderen Ort gearbeitet. Nach einer gewissen Zeit habe sich der Mann dann nicht mehr bei ihr gemeldet. Nach diesem Jahr begann sie wieder, für das Medium zu arbeiten, diesmal als freie Journalistin. Der Chef habe wieder E-Mails über sie versendet, diesmal an eine andere Person. «Er schrieb, ich hätte eine Affäre mit ihm und würde alles Mögliche mit ihm und auch mit Interviewpersonen machen», sagte die Journalistin zu Telebasel.

Sie habe dies dann herausgefunden und den Mann damit konfrontiert. Er habe jedoch alles abgestritten. Die junge Journalistin hatte die expliziten E-Mails als Beweis vorgelegt und der Mann musste die Situation eingestehen. In einer E-Mail schrieb der Chefredaktor beispielsweise: «Du hast viele Facetten, kannst das harmlose Schulmädel sein, mit Hornbrille und School-Girl-Look und Kleidung. Und zu einer lasziven Frau mutieren – zu einem Vollblutweib, das Instinkte weckt und Triebe fördert.»

Verlag stellt den Mann nicht frei

Im April erstattete die junge Journalistin Anzeige gegen ihren damaligen Chefredaktor. Laut Telebasel habe sie bis jetzt von der Staatsanwaltschaft keine Rückmeldung erhalten. Die junge Frau wandte sich an den Verlag des Mediums und informierte ihn über die Geschehnisse. Der Verlag habe die Situation bedauert und sich bei ihr entschuldigt, doch dem Chefredaktor wurde nicht gekündigt. Der Mann arbeitet bis heute bei dem Medium.

Die Verantwortlichen des Verlages schreiben auf Anfrage von Telebasel: «Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt und der Beschuldigte aussagt, seine Handlungen im gegenseitigen Einvernehmen vorgenommen zu haben, müssen wir den Gerichtsentscheid abwarten, weil für den Beschuldigten die Unschuldsvermutung gilt.» Für eine Stellungnahme gegenüber 20 Minuten war der Verlag nicht erreichbar. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Deine Meinung