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Gloriavale-SekteRedeverbot für Teenager – bis zur Zwangsheirat

Bei Gloriavale dürfen Mädchen und Buben erst an ihrer arrangierten Hochzeit miteinander sprechen: Zwei Dokumentarfilme beleuchten die Sekte von innen.

von
Julia Panknin
Die beiden Dokumentarfilme begleiten das Leben der Sektenmitglieder Paul und Pearl.

Die beiden Dokumentarfilme begleiten das Leben der Sektenmitglieder Paul und Pearl.

Medikamente gibts nur im Notfall, Kaffee gilt als Droge und Alkohol ist sowieso ein No-go. Genau wie Gespräche zwischen Mädchen und Buben, denn in der neuseeländischen Sekte Gloriavale dürfen Jugendliche bis zur arrangierten Hochzeit nicht mit Mitgliedern des anderen Geschlechts reden. Das und noch viel mehr enthüllen zwei Dokumentarfilme von Amanda Evans, die in Neuseeland auf TV2 ausgestrahlt wurden.

Der erste Teil «Gloriavale: A World Apart» lief bereits im Juli letzten Jahres und drehte sich um zwei junge Mitglieder: Paul und Pearl. Die beiden wurden, wie in der Sekte üblich, von den zwölf Glaubensanführern ausgewählt und dann verheiratet – obwohl sie vorher kein Wort miteinander gesprochen hatten.

Neuseeländer wollen mehr über die Sekte wissen

Die Fortsetzung «Gloriavale: Life and Death» wurde vergangene Woche ausgestrahlt. Laut Nzherald.co.nz wollten 477'000 und damit elf Prozent aller Kiwis sehen, wie es dem jungen Paar, das inzwischen sein zweites Kind erwartete, ergangen ist. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Sektenmitglieder bis heute komplett isoliert, aber doch direkt unter ihnen leben.

Fakten zur Entstehung und die skurrilsten Regelungen

• Gloriavale wurde bereits in den 60er-Jahren vom Australier Neville Cooper gegründet, der sich inzwischen Hopeful Christian nennt. Auch mit 88 Jahren führt er seine Schäflein noch an.

• 1994 kam Cooper wegen sexueller Belästigung seines eigenen Sohnes und eines Mädchen aus der Kommune für elf Monate ins Gefängnis. Bis heute werden immer wieder ähnliche Anschuldigungen von ehemaligen Gloriavane-Mitgliedern laut, denen die Flucht gelang.

• Alle Mitglieder tragen dieselben blauen Uniformen und haben geschlechtsspezifische Aufgaben, die ihnen von den Anführern zugewiesen werden. Ein paar der Mädchen stehen beispielsweise jeden Morgen um 4 Uhr auf, um Brot zu backen.

• Und wie erwähnt ist es Mädchen und Jungen als Jugendliche nicht erlaubt, sich zu unterhalten, um mögliche Unzucht zu verhindern. Erst wenn die Anführer einen passenden Partner (möglichst nicht zu nah verwandt) ausgewählt haben und das Paar verheiratet ist, wird die Kommunikationssperre aufgehoben.

• Für Cooper gelten Mädchen ab zwölf, Buben spätestens ab 14 als fortpflanzungsfähig und damit als Erwachsene. Für gewöhnlich findet die Vermählung deshalb spätestens im Alter von 16 Jahren statt.

• Die Ehe nach der Zeremonie zu vollziehen und eine grosse Familie zu gründen, ist die Pflicht beziehungsweise das Ziel jedes Paares. Verhütung wird als eine Art der Abtreibung verteufelt. Homosexualität existiert für Gloriavaner nicht.

• Den Mitgliedern steht es angeblich frei, die Kommune jederzeit zu verlassen. Da sie jedoch kein Geld verdienen und die Aussenwelt für gewöhnlich noch nie gesehen haben, gestaltet sich der Abgang als schwierig, wenn nicht sogar unmöglich.

Dieser Bericht über Gloriavale gibt Einblick in den Alltag in der Sekte.

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