Krankenversicherung : Referendum gegen Managed Care eingereicht
Aktualisiert

Krankenversicherung Referendum gegen Managed Care eingereicht

Das umstrittene Managed-Care-Modell steht auf der Kippe. Ärzte-Vertreter, die Gewerkschaft vpod und die SP haben die nötigen Referendumsstimmen eingereicht.

Wer seinen Arzt frei wählen will, soll dafür nicht stärker zur Kasse gebeten werden. 132 837 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sind diesem Argument gefolgt und haben das Referendum gegen eine Revision des Krankenversicherungsgesetzes unterzeichnet. Die Unterschriften wurden am Donnerstag eingereicht.

Damit hat das Stimmvolk das letzte Wort darüber, ob integrierte medizinische Versorgungsnetze über einen differenzierten Selbstbehalt gefördert werden sollen. Geht es nach dem Parlament, sollen Patienten künftig einen Selbstbehalt von 15 Prozent bezahlen müssen, wenn sie sich in der Krankenversicherung nicht einem solchen Managed-Care-Modell anschliessen.

Von Managed Care wird gesprochen, wenn sich Leistungserbringer - etwa Hausärzte, Spezialärzte und Physiotherapeuten - zum Zweck der Koordination der medizinischen Versorgung zusammenschliessen und gemeinsam die Budgetmitverantwortung übernehmen. In solchen Modellen geben die Patienten die freie Arztwahl auf.

Nur wer sich in einem solchen integrierten Ärztenetzwerk behandeln lässt, soll in Zukunft wie heute einen Selbstbehalt von 10 Prozent bezahlen, beschloss das Parlament im Rahmen einer Revision des Krankenversicherungsetzes (KVG).

Mehr bezahlen für weniger Leistung

Wer dagegen den Arzt auch in Zukunft selber wählen will, müsste unter dem neuen System mehr bezahlen als heute, kritisierten die Wortführer der drei verschiedenen Komitees aus dem Gesundheitssektor, die die Unterschriften für das Referendum gesammelt haben.

Ihrer Ansicht nach führt diese «Wettbewerbsverzerrung zugunsten von Managed Care» unter dem Strich zu einer «Rationierung der medizinischen Leistungen». Bisher hätten Krankenkassen bereits bestehenden medizinischen Netzwerken relativ grosszügige Budgets gewährt, sagte Markus Trutmann, Generalsekretär des Dachverbandes der chirurgisch und invasiv tätigen Fachgesellschaften (fmCh).

Werde aber das Ziel des Bundesrats erreicht, 60 Prozent der Bevölkerung in ein Managed-Care-Modell zu drängen, könnten die Krankenkassen dank der viel grösseren Verhandlungsmacht strenge Budgeteinschränkungen durchsetzen. Damit sei eine Rationierung der medizinischen Leistung programmiert, sagte Trutmann weiter.

Umstrittener Effizienzgewinn

Der differenzierte Selbstbehalt führt laut Trutmann zudem dazu, dass nun rasch neue, unseriöse Netzwerke entstehen. Dies gefährde die Qualität der medizinischen Versorgung in der Schweiz.

Die Referendumsführer stellen zudem in Abrede, dass Managed Care - wie vom Parlament erwartet - straffere Behandlungsprozesse, eine höhere Behandlungsqualität und geringere Kosten bringen.

Laut Jacques de Haller, dem Präsidenten des Ärztedachverbandes FMH, gibt es zwar Studien, die heute bei bestimmten bestehenden Managed-Care-Modellen 10 bis 15 Prozent tiefere Kosten ausmachten.

Aus diesen Studien lässt sich gemäss René Haldemann vom Verein für freie Arztwahl nicht ableiten, dass sich die Kostenreduktion auch einstellen würde, wenn künftig 60 Prozent der Versicherten solchen Netzwerken angeschlossen wären. Ausserdem seien die Studien von den Krankenkassen finanziert worden und reine Kostenanalysen. Es gelte aber auch zu prüfen, ob die Behandlungsqualität bei solchen Modellen gleich bleibe.

«Zweiklassenmedizin»

Für Katharina Prelicz-Huber, der Präsidentin der Gewerkschaft vpod, führt die KVG-Revision dazu, dass die freie Arztwahl nur noch habe, wer es sich leisten könne. Das sei eine «Zweiklassenmedizin». Das Problem wird aus ihrer Sicht noch verschärft, weil die Versicherungen nicht überall in der Schweiz solche Modelle anbieten müssen und sich damit Versicherte nicht überall über Managed Care versichern lassen können.

Getragen wird das Referendum von zahlreichen Ärzte- und Gesundheitsorganisationen sowie der Gewerkschaft vpod. Unterstützt wird es auch von der SP, die aber keine Unterschriften sammelte. Gegen das Referendum ausgesprochen hat sich der Verband der Schweizer Hausärzte. (sda)

Deine Meinung