Aktualisiert 17.03.2009 10:13

Iran

Reformer Chatami zieht sich zurück

Expräsident Mohammed Chatami hat seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im Iran zurückgezogen. Beobachter sind sich uneinig, ob dies ein cleverer Schachzug ist oder ein Rückschlag für das Reformlager.

Mohammed Chatami selber begründete seine Entscheidung am Montag damit, er wolle die Reformkräfte bei der Wahl am 12. Juni stärken. Zugleich sprach er sich für die Wahl des früheren Ministerpräsidenten Mir Hossein Musawi aus. Dieser bringe die nötigen Voraussetzungen für einen Wandel mit, erklärte Chatami. «Wenn wir mit Weisheit und Realismus handeln, kann er die Stimmen des Volks gewinnen und gewählt werden», hiess es in einer am Montagabend verbreiteten Erklärung des Politikers.

Musawi wurde früher dem Lager der Hardliner zugerechnet, wandelte sich dann aber zum Reformer. Chatami sagte, Musawi habe bessere Chancen, Stimmen von konservativen Wählern auf sich zu ziehen. Der frühere Regierungschef hat erst in der vergangenen Woche seine Kandidatur erklärt. Die Öffentlichkeit hat ihn in guter Erinnerung aus seiner Regierungszeit während des Kriegs mit dem Irak von 1980 bis 1988.

Allerdings hat er auf die Opposition nicht die gleiche Anziehungskraft wie Chatami. Dieser hatte als Präsident von 1997 bis 2005 einen vorsichtigen Reformkurs verfolgt und damit viele enttäuscht, die auf einen fundamentalen Wandel im Gottesstaat Iran gehofft hatten. Dennoch galt er nun erneut als Hoffnungsträger im Kampf gegen den konservativen Amtsinhaber Mahmud Amadinedschad.

«Mann der Vergangenheit»

«Das ist ein grosser Rückschlag für das gesamte Reformerlager», sagte Mehrzad Boroujerdi, Iran-Spezialist an der Syracuse-Universität in New York. «Musawi wird wahrscheinlich nicht die jungen Iraner erreichen, die in der Politik an der Seitenlinie stehen.» Stattdessen werde er von vielen als Mann der Vergangenheit betrachtet. Die Präsidentenwahl hat für die Reformer eine entscheidende Bedeutung, um ihren Bedeutungsverlust in den vergangenen Jahren zu stoppen.

Chatamis ehemaliger Vizepräsident Mohammad Ali Abtahi bezeichnete dessen Entscheidung als Versuch, das Lager der Reformer zu vereinen. Weitere Konkurrenz würde nur den Weg zu einer zweiten Amtszeit von Präsident Ahmadinedschad bahnen. «Die Wahl 2005 haben wir verloren, weil es mehrere Kandidaten gab», sagte Abtahi. «Dies ist eine historische Gelegenheit, die wir nicht verpassen dürfen.»

(pbl/ap)

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