560 000 Nutzer: Rega-App rettete schon 400 Mal Menschen in Not
Aktualisiert

560 000 NutzerRega-App rettete schon 400 Mal Menschen in Not

Die Rega-App ist Anfang 2011 mit vielen Vorschusslorbeeren gestartet. Doch bewährt sich die Notfall-App im Alltag? Und was tut man, wenn man ausgerechnet im Funkloch verunfallt?

von
Oliver Wietlisbach
Immer öfter erfolgt der Hilferuf per Smartphone-App.

Immer öfter erfolgt der Hilferuf per Smartphone-App.

Seit dem 2. Februar 2011 leben iPhone-Nutzer mit der Rega-App ein wenig sicherer. Im Fall der Fälle können sie mit zwei Klicks einen Rettungshelikopter anfordern. Seit Anfang Jahr gibt es den smarten Helfer auch für Android-Phones. 560 000 Mal wurde die App bis heute installiert. Davon verzeichnete das iPhone 455 000 Downloads, weitere 105 000 Downloads gehen auf das Konto von Android-Nutzern. Für Windows Phone und BlackBerry gibt es die App vorerst nicht.

80 bis 90 Prozent aller Notrufe, die bei der Rega eingehen, werden von Partnern vermittelt. Hierzu zählen Meldungen von der Polizei, Feuerwehr oder Anrufe bei der Notrufnummer 144. Von den übrigen 10 bis 20 Prozent Alarmierungen gelangt bereits eine von vier über die Smartphone-App in die Rettungszentrale.

Spektakuläre Rettungseinsätze sorgen für positive Schlagzeilen wie «Rega-App rettet Gleitschirm-Pilot». Doch wie vielen Menschen hilft die App tatsächlich aus der Patsche? «Gegen 400 Mal wurde die Rega im Ernstfall über die App alarmiert und eine Rettung ausgelöst», sagt Mediensprecherin Ariane Güngerich auf Anfrage. Der Vorteil der App ist, dass nicht nur eine Telefonverbindung aufgebaut wird, sondern automatisch die genauen Koordinaten sowie die vorher in der App angegeben Personendaten übermittelt werden. «Dies ist besonders hilfreich, wenn die Betroffenen selbst nicht genau angeben können, wo sie sich befinden», betont Güngerich.

Punktgenaue Rettung

Die Ortsangaben aus der App helfen, um den Rettungshelikopter präzise zur Unfallstelle zu führen. So auch im Juni, als sich ein 48-jähriger Mann in unwegsamem Gelände oberhalb von Flums eine Fussverletzung zuzog. Wegen der Verletzung konnte er nicht mehr laufen, wie die Polizei mitteilte. Da er am Telefon nicht genau sagen konnte, wo er sich befand, half ihm die Polizei, die Rega-App auf seinem Smartphone zu installieren. Danach konnte er innert kurzer Zeit von der Rega geortet und geborgen werden. Kein Einzellfall, wie Rega-Sprecherin Güngerich bestätigt: «Wir haben schon mehreren Verunfallten am Telefon geholfen, die Rega-App zu installieren, damit wir die Personen genau lokalisieren konnten.»

Längst nicht jeder hat aber die Ortungsfunktion – also das GPS-Signal – bei seinem Smartphone aktiviert. Eigentlich aus gutem Grund: Diese Funktion kann gefährlich sein, weil sie auch dubiosen App-Anbietern die ständige Überwachung des Aufenthaltsorts erleichtert.

Wichtig: GPS im Smartphone einschalten

Doch: «Die Lokalisierung der Hilfesuchenden ist mit aktivierter Ortung viel genauer», sagt Güngerich. Hat jemand die Funktion ausgeschaltet, wird trotzdem eine Sprachverbindung erstellt und die hinterlegten Personendaten werden übermittelt. Die Lokalisierung ist allerdings ungenau, entsprechend schwieriger ist es für die Piloten, den Hilfesuchenden rasch zu finden. «Bei ausgeschaltetem GPS sagen wir dem Verunfallten, dass er die Ortung nach dem Gespräch einschalten und nochmals einen Alarm auslösen soll», sagt die Mediensprecherin. So kann die Rega den Rettungshelikopter unverzüglich losschicken und der Pilot erhält die genauen Koordinaten nachgeliefert.

Die Fähigkeiten der App gehen so weit, dass die Einsatzkräfte sogar den Akkustand des Handys des Betroffenen ablesen können. «So kann auf SMS-Kontakt umgeschaltet werden, wenn das Mobiltelefon sonst abzuliegen droht», erklärt die Rega-Mediensprecherin.

Und was ist im Funkloch?

Theoretisch funktionieren Apps auch ohne Handy-Netz – nur mit WLAN. Da die Rettung aber erst nach telefonischem Kontakt eingeleitet wird, ist ein Verunfallter auf das Mobilfunknetz angewiesen. Funklöcher gibt es aber längst nicht nur im Alpenraum. Auch im Flachland und insbesondere in Gebäuden – wo es laut der Rega viele Notfälle gibt – ist der Netzempfang keineswegs garantiert. Wer im Keller einen Herzinfarkt erleidet, kann daher auch mit installierter App nicht zwingend auf schnelle Hilfe hoffen. Im Gegenteil: «Eine App benötigt mehr Kapazität als eine SMS», teilt Swisscom-Sprecher Sepp Huber auf Anfrage mit. Bei schlechter Verbindung könne hingegen eventuell noch ein SMS verschickt werden.

MacGyver-Rettung funktioniert nicht

Im Internet geistern Dutzende Legenden umher, wie Verunfallte im Funkloch auf MacGyver-Art eine rettende SMS abgesetzt haben wollen. Hilft es etwa, das Handy hoch in die Luft zu werfen, um in extremis eine Rettungsmeldung zu senden? Oder lässt sich der Empfang verbessern, wenn die Datenverbindung gekappt wird? Alles Humbug, heisst es hierzu bei Sunrise. «Die angeblichen Tricks bringen nichts», stellt Firmensprecher Tobias Kistner klar.

Das Sunrise-Netz deckt nach eigenen Angaben 84,6 Prozent der Fläche der Schweiz ab. Die Swisscom macht keine genauen Angaben, stellt aber eine Online-Karte zur Verfügung, die zeigt, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, in ein Funkloch zu geraten. Für Verunfallte spielt es glücklicherweise keine Rolle, bei welchem Netzprovider sie sind: «Ein Notruf kann auch über die Netze der anderen Anbieter getätigt werden», sagt der Swisscom-Sprecher.

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