Ernst Kohler: Rega-Chef kann bis zu halber Million verdienen

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Ernst KohlerRega-Chef kann bis zu halber Million verdienen

Im Interview stellt sich Rega-CEO Ernst Kohler dem Vorwurf, sein Lohn sei zu hoch. Gemäss Reglement könne er bis knapp 500'000 Franken verdienen - dies sei angemessen.

von
Marco Boselli/Gaudenz Looser
Ernst Kohler stellt sich dem Vorwurf, sein Gehalt sei zu hoch.

Ernst Kohler stellt sich dem Vorwurf, sein Gehalt sei zu hoch.

Warum verzichtet die Rega als eine der wichtigsten gemeinnützigen Organisationen der Schweiz auf das Gütesiegel der Zewo?

Ernst Kohler: Die Rega ist als Rettungsorganisation ein Sonderfall und kaum mit anderen gemeinnützigen Organisationen zu vergleichen. Wir passen nicht mehr in das Zertifizierungsraster der Zewo.

Was hätte die Rega tun müssen, um das Zewo-Siegel dieses Jahr wieder zu erhalten?

Wir haben das Gütesiegel nicht mehr beantragt. Ich gehe aber davon aus, dass wir die Kriterien erfüllt hätten. Das sieht die Zewo ähnlich.

Die «Weltwoche» kritisiert intransparente Lohnstrukturen bei der Rega-Geschäftsleitung und beim Stiftungsrat. Was sagen Sie dazu?

Mit Verlaub, das ist eine These ohne Fakten. Wir haben bisher die Zewo-Kriterien erfüllt und haben einen transparenten Jahresbericht, die Entschädigung des Stiftungsrates wird seit vielen Jahren offengelegt. Einzige Ausnahme ist der Lohn der Geschäftsleitung. Wir wollen diese Diskussionen beenden: Die Salärbänder von CEO, Chefarzt und Finanzchef betragen gemäss Reglement 250'000 bis 440'000 Franken, dazu kommt ein individueller Bonus von 0 bis maximal 13,6 Prozent dieses Salärs. «1 zu 12» wäre im Übrigen bei uns kein Problem.

Warum wurden die Löhne nicht schon früher transparent kommuniziert?

Wir sind der Ansicht, dass wir die Löhne von Mitarbeitenden, vom Arzt und Piloten bis zum CEO, nicht publizieren. 80 Prozent der Schweizer Hilfswerke legen auch die Gehälter der Geschäftsleitung nicht offen, gemäss Zewo. Die Rega ist mit ihrer Haltung nicht alleine. Wir verstehen, dass der Lohn der Geschäftsleitung interessiert, deshalb geben wir das Lohnband nun bekannt.

Die Entschädigung des Stiftungsratspräsidenten sei mit 90 000 Franken pro Jahr - für ein 20-Prozent-Pensum - unüblich hoch. Stimmt das?

Das Pensum ist nicht definiert. Wir überprüfen auch das, wie alle Entschädigungen, mit Hilfe einer externen Expertise regelmässig. Mit Blick auf die Aufgabe, Verantwortung und die Kompetenz ist es angemessen. Wir sind der Ansicht, dass professionelle Arbeit professionell entschädigt werden soll, auf allen Stufen.

Die Entschädigung des Stiftungsrats hat sich in elf Jahren verfünffacht. Wie ist das bei einer gemeinnützigen Organisation zu rechtfertigen?

Bei genauer Betrachtung: Die Entschädigungen wurden 2004 angepasst, um die geänderten Anforderungen nachzuvollziehen. Seither sind die Vergütungen des Stiftungsrates nicht gestiegen. Auch hier: Die Beträge sind angemessen. Eine Organisation wie die Rega muss auch gut geführt werden.

Wie hat sich der Lohn des CEO in dieser Zeitspanne prozentual entwickelt?

Es gab früher keinen CEO. Dieses Modell wurde erst 2011 eingeführt. Früher verdiente der Vorsitzende der Geschäftsleitung etwas weniger, hatte aber auch etwas weniger Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung.

Kennen alle Stiftungsräte Ihren Lohn?

Zuständig ist der Ausschuss des Stiftungsrates – das ist im Organisationsreglement der Rega so festgelegt. Er legt meinen Lohn, denjenigen des Finanzchefs und den des Chefarztes fest.

Aktionäre haben neuerdings mehr Mitsprache bei der Entschädigung von Managern. Braucht es etwas vergleichbares für Gönner von gemeinnützigen Organisationen?

Ich habe Verständnis für das Interesse an diesen Fragen, aber die Lösung liegt nicht darin, die Verantwortung auf noch viel mehr Schultern zu verteilen.

Befürchten Sie nicht, wegen des fehlenden ZEWO-Siegels Gönner zu verlieren?

Nein. Wir denken, die Bevölkerung und die Gönnerinnen und Gönner messen die Rega in erster Linie anhand des täglichen Einsatzes, den unsere Crews leisten.

Die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega will in Zukunft ohne das Gütesiegel der Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Organisationen (Zewo) auskommen. Die Rega bestätigte einen Bericht der «Weltwoche». Die Wochenzeitung mutmasste, dass die Rega das Gütesiegel wegen der hohen Entschädigungen der Chefs wohl gar nicht mehr bekommen hätte. Stiftungsratspräsident Ulrich Graf erhält 90 000 Franken pro Jahr. Laut Zewo ist dieses Salär unüblich hoch. (sda)

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