Air-Glaciers vs. Rega: Rega lenkt im Streit um Luftrettung ein

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Air-Glaciers vs. RegaRega lenkt im Streit um Luftrettung ein

Air-Glaciers berichtet von weiteren Fällen, bei denen Rega-Helis eingesetzt wurden – obwohl andere schneller am Unfallort gewesen wären. Nun gibt die Rettungsflugwacht nach.

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A. Müller/S. Heusser

Der Frust bei der Air-Glaciers sitzt tief: «Letzten Samstag flog die Rega gleich zwei Einsätze in unserem Primär-Einsatzgebiet ob Lauterbrunnen, obwohl wir von unserer Basis viel schneller beim Unfallort gewesen wären», sagte Notarzt Bruno Durrer am Donnerstagvormittag an einer Medienkonferenz.

«Beim ersten Notfall handelte es sich um den Absturz einer 34-jährigen Bergsteigerin beim Mutthorn. Einer unserer Bergretter war nur 300 Meter vom Unglücksort entfernt. Die Rega hingegen musste zuerst Spezialisten aus Kandersteg und Grindelwald einfliegen», führte Durrer aus und zeigte von der Basis auf das nur wenige Kilometer entfernte Mutthorn. Die Rega-Retter konnten die Frau später nur noch tot bergen.

«Rega fliegt über unsere Basis zum Einsatzort»

Beim zweiten Vorfall handelte es sich laut Balmer um ein akutes medizinisches Problem bei einem Mann in der Rottal-Hütte in der Nähe von Lauterbrunnen. «Auch hier flog die Rega direkt über unsere Basis zum Einsatzort. Wir konnten nur zuschauen, obwohl wir schon lange bereitstanden. Das ist eine Provokation», sagte Air-Glaciers-Pilot Peter Balmer.

Das seien zwar nur Einzelfälle. Man spüre aber seitens der Rega eine deutliche Tendenz, nach Eingang eines Notrufs nur eigene Helis aufzubieten – egal, wie weit entfernt sie seien. Es gebe sogar eine interne Weisung dazu. «Das darf nicht sein. Ob ein Heli nach 5 oder 15 Minuten am Unglücksort eintrifft, kann über Leben und Tod entscheiden», so Durrer.

Rega lenkt ein

Um die Einsatzvergabe besser zu koordinieren, habe man darum mit der Rega das Gespräch gesucht und einen Runden Tisch angeregt. «Wir haben von Rega-Chef Ernst Kohler bis heute keine Antwort erhalten», sagte Basisleiter Christian von Allmen.

Das bringt den Berner Grossrat Christoph Berger (SVP) auf die Palme. Er fordert, dass die Notrufzentrale künftig nicht mehr automatisch die Rega aufbietet. «Es braucht eine neutrale Alarmierungsstelle, wie dies etwa im Wallis der Fall ist.»

Nun lenkt die Rega ein. Sie verzichtet künftig darauf, die Helikopter der Air Glaciers im Kanton Bern zu disponieren, wie sie auf Anfrage von 20 Minuten schreibt. «Der Druck und die angespannte Atmosphäre führen zu Verunsicherung und könnten Fehler im Einsatz nach sich ziehen, was sich nachteilig auf die Sicherheit der Patienten, Einsatzcrews und Dritter auswirken könnte», schreibt die Rega weiter. Aus diesem Grund gehe sie auf die Forderungen der Air Glaciers ein. Ab dem 19. August entscheidet die Sanitätsnotrufzentrale 144 des Kantons Bern, ob die Air Glaciers oder die Rega bei einem Notfall eingesetzt wird.

Es hagelt Kritik von allen Seiten

Air Glaciers und die SAC-Sektion Lauterbrunnen hatten der Rega vorgeworfen, sich über den Beschluss des Berner Grossen Rats vom Januar 2013 hinwegzusetzen, wonach in Notfällen der geografisch nächstgelegene Rettungshelikopter alarmiert werden muss. Die Rega behandle bei Rettungseinsätzen ihre eigenen Maschinen prioritär und stelle die Geschäftsinteressen vor das Patientenwohl.

Wie «Berner Zeitung» berichtet hat, kam am letzten Freitag ein dringender Patiententransport mit Air Glaciers von Interlaken nach Bern nicht zustande, weil sie keinen Helikopter in der Nähe hatte. In einem anderen Fall im Kanton Bern sei statt einer Air-Glaciers-Maschine aus Lauterbrunnen ein Rega-Helikopter aus Lausanne aufgeboten worden.

Diesen Vorwurf lässt die Rega so nicht gelten: «Bei Verlegungsflügen handelt es sich um medizinisch hoch anspruchsvolle Transporte mit komplexem Monitoring, welche die Rega im Auftrag der Spitäler ausführt. Diese wählen die Transportmittel und vergeben ihre Aufträge», sagt Sprecherin Karin Hörhager.

Tragisch endete der «Retter-Streit» im März 2013 in Windisch AG: Nachdem ein Lastwagen einen Buben (†5) überrollt hatte, wurde die Rega aus Basel aufgeboten – obwohl in der Nähe ein TCS-Heli bereit gestanden hätte.

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