Aktualisiert 14.01.2019 13:58

Verfrühter Jubel und Taucher

Regel- und Hitze-Opfer am Australian Open

Katie Boulter hat mit den neuen Regeln am Australian Open noch Mühe. Andrea Petkovic muss derweil schwächebedingt aufgeben.

von
heg

Katie Boulter jubelt zu früh. (Video: Australian Open via Twitter)

Erstrundenspiel bei den Frauen in Melbourne zwischen der Britin Katie Boulter und der Russin Ekaterina Makerova. Boulter gewinnt den ersten Satz 6:0, Makerova den zweiten 6:4. Im dritten Durchgang steht es 6:6, das Tiebreak muss entscheiden.

Als die Britin den Punkt zum 7:4 macht, läuft sie im Glauben an den Sieg jubelnd ans Netz. Die Russin macht hinter der Grundlinie keinerlei solcher Anzeichen, weil sie die neue Regel besser kennt als ihre Gegnerin. Geht es im Entscheidungssatz ins Tiebreak, wird bis zehn Punkte weiter gespielt.

Für Boulter hat das Malheur keine Konsequenzen. Einige Zeit später darf sie erneut ans Netz. Diesmal erscheint auch Makerova, um ihr zum Sieg zu gratulieren. Die Britin entscheidet das Tiebreak 10:6 und damit auch das Spiel zu ihren Gunsten.

Petkovics Mühe mit der Hitze

Keine regeltechnischen Probleme hatte Andrea Petkovic. Aber gesundheitliche. Im Spiel gegen die Rumänin Irina-Camelia Begu sank die Deutsche im zweiten Satz beim Stand von 3:4 aus ihrer Sicht nach einem Return zu Boden. Sie musste gepflegt werden und die Partie aufgeben. Die Hitze – in Melbourne ist es über 30 Grad Celsisus – machte Petkovic, die erkältet antrat, zu sehr zu schaffen.

Diverse Neuerungen am Turnier

Beim Australian Open gibt es in diesem Jahr eine Vielzahl von Anpassungen im Vergleich zu 2018, die auch der (TV-)Zuschauer merken wird. Eine kleine, nicht vollständige Übersicht:

Tiebreak im Entscheidungssatz: Ein 5. (Männer) oder 3. Satz (Frauen) wird nicht mehr über 6:6 hinaus ausgespielt. Steht es 6:6 folgt neu ein Match-Tiebreak auf zehn Punkte. Damit gibt es bei den vier Grand-Slam-Turnieren vier verschiedene Modi für das Ende eines Entscheidungssatzes. Beim French Open wird ohne Tiebreak ausgespielt, in Wimbledon gibt es bei 12:12 ein reguläres Tiebreak und beim US Open gibt es bei 6:6 ein reguläres Tiebreak.

Hitzeregel: Diese wurde angepasst. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern wurde eine so genannte «Hitzestress-Skala» entwickelt, die auf den vier Faktoren basiert: Lufttemperatur, Hitzestrahlung, Luftfeuchtigkeit und Windstärke. Es ist also nicht die reine Temperatur entscheidend, auch die Luftfeuchtigkeit ist ein wichtiger Faktor. Wird auf dieser Skala ein Faktor zwischen 4,0 und 5,0 erreicht, gibt es nach dem 3. (Männer) oder 2. Satz (Frauen) eine zehnminütige Pause. Steigt der Wert auf 5,0 oder höher, werden Spiele auf den Aussenplätzen nicht mehr begonnen. Angefangene Matches werden unterbrochen, sobald eine gerade Anzahl Games in einem Satz erreicht oder ein angefangenes Tiebreak beendet ist. Auf den drei Courts mit schliessbarem Dach gilt dieselben Regel, um das Dach zu schliessen.

Shot Clock: Auf allen Plätzen gibt es eine Shot Clock, welche die Zeit zwischen zwei Punkten herunterzählt. Der Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin entscheidet, wann die Uhr nach dem Ende des letzten Punktes zu laufen beginnt. Ab dann hat ein Spieler oder eine Spielerin 25 Sekunden Zeit, um das Spiel fortzusetzen. Bei der ersten Zeitüberschreitung gibt es eine Zeitverwarnung, die noch ohne Konsequenzen bleibt. Ab der zweiten Überschreitung wird der Service als Fehler gewertet (er verliert also den ersten Aufschlag), wenn es den Aufschläger betrifft. Wenn es den Returnspieler betrifft, verliert er den Punkt.

Preisgeld: Im Vergleich zum letzten Jahr wurde das Preisgeld des Australian Open von 55 Millionen auf 60,5 Millionen australische Dollar (rund 42,95 Millionen Franken) erhöht. Das ist eine Erhöhung um zehn Prozent. Die Sieger des Männer- und Fraueneinzels erhalten je 4,1 Millionen Dollar (plus 100'000). Prozentual am grössten ist die Zunahme des Preisgelds für die Erstrunden-Verlierer. Sie kassieren neu ein Viertel mehr (75'000 Dollar).

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