Aktualisiert 22.04.2011 13:48

Management«Regelbrecher sind erfolgreicher»

Querdenker bringen das Unternehmen weiter als Anpasser. Diese Erkenntnis findet immer mehr Anhänger.

von
Hans Peter Arnold
Radiopionier Roger Schawinski gehört zu den erfolgreichen Querdenkern: Schawinski hat sowohl mit dem eigenen Unternehmen wie auch als Medienmanager (CEO Sat. 1) und als Journalist (Kassensturz) reüssiert.

Radiopionier Roger Schawinski gehört zu den erfolgreichen Querdenkern: Schawinski hat sowohl mit dem eigenen Unternehmen wie auch als Medienmanager (CEO Sat. 1) und als Journalist (Kassensturz) reüssiert.

Kai-Zen ist ein japanisches Prinzip und heisst wörtlich «Veränderung zum Besseren»: Die Arbeitsprozesse stets in kleinen Schritten zu verbessern, verspricht Erfolg. Doch, nicht nur der Glaube an das Wirtschaftswunder Japan schwindet, auch seine Grundsätze verlieren Anhänger. Vor allem: Sobald es um Innovationen geht, stehen stromlinienförmige Optimierer oft auf dem Abstellgleis.

Die Nachfrage nach Unangepassten steige weiter, meint David Bosshart, Leiter des Gottlieb-Duttweiler-Instituts. Im Zeitalter der Globalisierung und des E-Commerce würden interdisziplinäre Teams und Kreativität gesucht, um alte Strukturen aufzubrechen. Gefragt seien Querdenker. Bosshart umschreibt sie wie folgt: «Vielleicht kann man ihn mit einem Hofnarren aus früheren Zeiten vergleichen.» Ein Hofnarr zeichne sich durch «intelligente Naivität» aus. In Unternehmen sei häufig das Problem, dass die Leute auf ihrem Gebiet sehr viel wissen. Betriebsblindheit - die Bosshart gerne «Silodenken» nennt - sind die Folge.

«Die Unternehmen sollten sich von Rationalitätsgläubigkeit verabschieden und stärker mit dem Unerwarteten kalkulieren», meint Udo Nadolski von der Düsseldorfer Informatik-Firma Harvey Nash gegenüber Pressetext. Wer gesellschaftliche und wirtschaftliche Phänomene nur statistisch betrachte, vernachlässige die Wirkung von Innovations-Revolutionen. Technologien und Geschäftsmethoden könnten nämlich über Nacht wertlos werden. Nadolski: «Etablierte Branchen gehen unter und neue entstehen. Der Routineunternehmer gehört zu den ersten Opfern.»

Vorbild Nicolas Hayek

Innovationen und Erfindungen benötigen Regelbrecher, Vor- oder Querdenker. Gefragt sind charismatische Persönlichkeiten. Nur die wenigsten Experten getrauen sich allerdings, dies öffentlich zu proklamieren. Schliesslich will niemand missvertanden werden - illegale bzw. ungesetzliche Aktionen sind meistens nicht gemeint.

In der Schweiz sind die nonkonformen Unternehmer an einer Hand abzuzählen. Dazu gehörte etwa der verstorbene Swatch-Patron Nicolas Hayek. Obwohl selber in dieser Zunft gross geworden, waren ihm Unternehmensberater und Analysten auf der Chefetage ein Greuel. Auch von Marktforschern hielt er wenig. Einzig der Test einer Innovation am realen Markt sei entscheidend, pflegte er zu sagen.

Zu den Querdenkern gehört auch der Schweizer Radiopionier und Unternehmer Roger Schawinski. Er gründete im Jahr 1979 das erste Schweizer Privatradio. Radio 24 sendete zunächst als Piratensender auf italienischem Territorium - vom Pizzo Groppera. Erst vier Jahre später erhielt Radio 24 in der Schweiz eine offizielle Konzession.

Vorbild Gottlieb Duttweiler

Gerade die Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass grosse Unternehmen von charismatischen Querdenker gegründet wurden. Das gilt für die meisten Schweizer Traditionskonzerne - so für Nestlé, Hoffmann La Roche oder für die Migros. Mit einem sehr stark reduzierten und günstigen Sortiment ging Migros-Gründer Gotllieb Duttweiler zu den Kunden und nicht umgekehrt.

Allerdings gilt auch hier: Allzuviel ist ungesund; zuviel queres Denken schadet. Oder mit den Worten von Bosshart: «In jedem Unternehmen finden sich Leute, die fähig sind, quere Ideen einzubringen. Ebenso treffen wir in jedem Unternehmen den Verwalter, den Kreativen oder den Macher. Um erfolgreich zu sein, braucht es die richtige Mischung.»

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