«Selten solche Diskriminierung erlebt»  – Regenbogen-Familie wird Familien-Ticket bei Bergbahnen verweigert 
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«Selten solche Diskriminierung erlebt» Regenbogen-Familie wird Familien-Ticket bei Bergbahnen verweigert

Einer Regenbogen-Familie aus Holland wurde bei den Aletsch Bahnen zunächst das Familien-Ticket verwehrt. Sie seien «keine Traditionsfamilie». Der Vorfall soll nun intern aufgearbeitet werden.

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Benjamin S. (rechts) und seine Familie machten im Wallis eine erschütternde Erfahrung.

Benjamin S. (rechts) und seine Familie machten im Wallis eine erschütternde Erfahrung.

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Eine Angestellte der Aletsch Bahnen weigerte sich zunächst, einer Regenbogen-Familie aus den Niederlanden ein Familien-Ticket auszustellen. 

Eine Angestellte der Aletsch Bahnen weigerte sich zunächst, einer Regenbogen-Familie aus den Niederlanden ein Familien-Ticket auszustellen.

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Seit 20 Jahren verbringen S. (rechts) und sein Lebenspartner im Wallis ihre Ferien. Erstmals habe man sich nun diskriminiert und ausgeschlossen gefühlt.

Seit 20 Jahren verbringen S. (rechts) und sein Lebenspartner im Wallis ihre Ferien. Erstmals habe man sich nun diskriminiert und ausgeschlossen gefühlt.

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Darum gehts

  • Eine Angestellte der Aletsch Bahnen weigerte sich zunächst, einer Regenbogen-Familie aus den Niederlanden ein Familien-Ticket auszustellen.

  • Ein solches Billett gebe es nur für «Familien mit Mutter und Vater».

  • Der Vorfall habe ihn «unerwartet und sehr hart» getroffen, sagt der Betroffene zu 20 Minuten.

  • Die Aletsch Bahnen AG hat sich bei der Familie entschuldigt und will den Vorfall intern aufarbeiten.

Sein Erlebnis am vergangenen Dienstag dürfte Benjamin S.* noch lange in negativer Erinnerung bleiben: Mit seinem Ehemann und den beiden Kindern wollte der Niederländer aufs Eggishorn hochfahren und gemeinsam einen Teil der Gratwanderung absolvieren. Am Schalter der Aletsch Bahnen kams zum Eklat: Die Angestellte wollte der Regenbogen-Familie partout kein Familien-Ticket ausstellen, wie S. auf Facebook schreibt. Ihre Begründung: Familienpässe gebe es nur für «Traditionsfamilien», sprich «Familien mit Mutter und Vater». Man hätte es zwar «online versuchen» können, von ihr aber gebe es «für solche Familien keine Tickets». Das habe die Frau wortwörtlich so gesagt.

«Mir wurde noch nie so deutlich und klar direkt ins Gesicht gesagt, dass meine Familie minderwertig sei, nur weil wir zwei Männer sind», schreibt der 44-Jährige weiter. «Unsere Töchter haben geweint. Ich war und bin wütend.» Nachdem sich andere Gäste eingemischt hatten und die Mitarbeiterin ganze viermal mit ihrem Chef telefoniert hatte, gab es doch noch einen Familienpass für die Familie. «Das Ganze hat weit über eine halbe Stunde gedauert. Es hatte sich eine Schlange bis nach draußen gebildet.» Seit 20 Jahren würden er und sein Partner die Ferien in der Aletscharena verbringen, seit über zwölf Jahren besitze man ein Chalet in Fiesch VS – an jenem Tag habe man sich erstmals ausgeschlossen gefühlt.

«Manchmal bewegt man sich leider rückwärts»

«Ich habe zum Glück nur selten eine solche Diskriminierung in meinem Leben erlebt», erzählt S. gegenüber 20 Minuten. «Sie traf mich unerwartet und sehr hart.» Das Erlebte bei den Aletsch Bahnen habe in ihm eine Mischung aus Unglauben, Wut, Verlorenheit und Trauer ausgelöst. Es zeige letztlich, dass der Weg zu Inklusivität und akzeptierter Diversität lang und steinig sei – auch wenn das Schweizer Stimmvolk eben erst klar Ja zur Ehe für alle gesagt habe: «Manchmal bewegt man sich leider sogar wieder rückwärts, wie der Vorfall gestern offensichtlich gemacht hat.»

Im «Walliser Boten», der als Erstes über den Vorfall berichtete, äusserte sich auch Alessandra Zenklusen, Co-Präsidentin des Vereins Queer Wallis: «Ich bin sprachlos und zutiefst traurig.» Das Verhalten der Angestellten sei schlicht inakzeptabel. «Es ist diskriminierend, dass eine Familie ausgestossen wird, nur weil sie nicht den eigenen Wertvorstellungen einer traditionellen Familie entspricht.» Der Fall zeige, wie viel Aufklärungs- und Präventionsarbeit im Wallis noch vonnöten seien.

CEO entschuldigt sich

Die Aletsch Bahnen AG haben sich mittlerweile bei S. und seiner Familie entschuldigt. «Wir bedauern den Vorfall zutiefst», schreibt CEO Valentin König in einem Social-Media-Post. Bei den Aletsch Bahnen seien alle Gäste herzlich willkommen – «selbstverständlich auch Regenbogen-Familien». Die Geschehnisse würden nun intern aufgearbeitet. Am Mittwoch meldete sich König zudem telefonisch bei dem Betroffenen. «Er hat sich von dem, was passiert ist, ganz klar distanziert», so S. König habe zudem verlauten lassen, dass das Personal der Aletsch Bahnen extra nochmals darauf hingewiesen wurde, dass alle Menschen willkommen seien. «Der CEO klang für mich authentisch. Für mich ist die Sache damit erst mal abgetan.»

Besonders freuen würde S., wenn das Unternehmen nach dem Vorfall ein sichtbares Bekenntnis zu Inklusivität abgeben würden. Er hätte sogar schon eine konkrete Idee: «Sie könnten zum Beispiel eine Regenbogen-Gondel installieren – das wäre ein klares Statement.»

*Name der Redaktion bekannt*

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Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

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(sul)

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