Crowdfunding: Regenbogenhaus soll zum LGBT-Hotspot in Zürich werden
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CrowdfundingRegenbogenhaus soll zum LGBT-Hotspot in Zürich werden

Über 30 Schweizer LGBT-Organisationen ziehen ab 2021 zusammen in das Regenbogenhaus in Zürich. Nun sammeln die Initiatoren via Crowdfunding 100’000 Franken für den Innenausbau des Hauses.

von
Daniel Krähenbühl
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So soll das Regenbogenhaus in Zukunft aussehen. 

So soll das Regenbogenhaus in Zukunft aussehen.

Regenbogenhaus
Bereits nach 24 Stunden spendeten Unterstützer über 40’000 Franken. 

Bereits nach 24 Stunden spendeten Unterstützer über 40’000 Franken.

Screenshot Facebook
Das Regenbogenhaus soll für LGBTIQ-Menschen gemeinsames Zuhause und Anlaufstelle zugleich sein, so die Initiatoren. 

Das Regenbogenhaus soll für LGBTIQ-Menschen gemeinsames Zuhause und Anlaufstelle zugleich sein, so die Initiatoren.

Regenbogenhaus

Darum gehts

  • Verschiedene LGBTIQ-Organisationen ziehen ab 2021 in das Regenbogenhaus in Zürich.
  • Für den Innenausbau der Räumlichkeiten sammeln sie online Spenden.
  • Das Projekt geniesse in der LGBTIQ-Gemeinschaft grosse Unterstützung, sagt Hannes Rudolph vom Regenbogenhaus.
  • Für die LGBT-Community sei das Regenbogenhaus ein extrem wichtiges Unterfangen, sagt Helena Trachsel, Leiterin der Fachstelle Gleichstellung des Kantons Zürich.

Vom schwulen Männerchor über die christliche Organisation von Lesben bis zu Queeramnesty: Ein neues Zürcher Regenbogenzentrum soll 30 Organisationen aus der LGBTQ-Gemeinschaft zusammenbringen.

Ein fiktiver Videoclip einer «Wochenschau» aus dem Jahr 1950 zeigt Ausschnitte aus dem Leben von schwulen, lesbischen, bisexuellen, trans und queer lebenden Menschen: Seit den 50ern sei viel erreicht worden – ein gemeinsames Dach für die grössten Schweizer LGBTIQ-Organisationen fehle bisher aber.

Mit dem Regenbogenhaus im Zürcher Kreis 5 soll diese Lücke gefüllt werden. Das erklärte Ziel: «Treffpunkt, Kulturort und Anlaufstelle für die hiesige LGBTQ-Gemeinschaft, Freund*innen wie Familien und für Tourist*innen.» Die Anliegen der über 30 Organisationen sind vielfältig: Diverse Vereine engagieren sich für die Freizeitaktivitäten der Community, so wie der Verein «Stark am Berg», der Bergwanderungen, Ski- und Snowboardtouren und andere Outdoor-Aktivitäten organisiert, während das Partylabel Boyahkasha LGBTQ-Events im Nachtleben ins Leben ruft. Geht es um Ausbildung und Karriere setzen sich beispielsweise Wybernet oder Gaystudents ein. Aber auch der gesundheitliche Bereich wird breit abgedeckt, mit der HIV-Aidsseelsorge oder dem Gesundheitszentrum Checkpoint, das explizit für queere Menschen medizinische, psychologische und psychosoziale Dienstleistungen bietet.

Seit einer Woche läuft ein Crowdfunding. Angepeilt wird die Marke von 100’000 Franken, um den Innenausbau der Räume zu finanzieren. Eingesetzt wird das Geld für Schreinerarbeiten – etwa für die Bibliothek oder für Schiebetüren zur Raumaufteilung, für Möbel und für die Beleuchtung und technische Einrichtung.

40’000 innert 24 Stunden gesammelt

Innerhalb der ersten 24 Stunden seien bereits über 40’000 Franken an Spendengeldern eingegangen, sagt Hannes Rudolph, Vorstand beim Regenbogenhaus. «Wir sind vom Support komplett überwältigt.» Das Projekt geniesse in der LGBT-Gemeinschaft grosse Unterstützung, trotzdem habe er sich darauf eingestellt, dass das Sammeln der Spenden länger dauere.

Sind 100’000 Franken aber nicht extrem viel Geld, um einige Räume einzurichten? «Nein, weil das Gebäude im Rohbau übernommen wird», sagt Rudolph. Bis auf Lüftungsschächte, Elektrik- und Wasseranschlüsse sei nichts vorhanden. «Ein Architektenbüro wurde mit der Inneneinrichtung beauftragt, um die verschiedensten Nutzungen der Räume zu ermöglichen.» So sollen neben Vereinsversammlungen oder Jugendtreffs auch Vortragsreihen und Filmabende stattfinden. «Wir wissen, dass ein kleiner Teil der Bevölkerung sich durch unsere Sichtbarkeit provoziert fühlen wird», sagt Rudolph. «Bislang haben wir aber noch keine Hassnachrichten erhalten.»

Übergriffe «kein Problem der Nacht oder des Weekend»

Auf Security-Leute beim Eingang verzichte man jedoch. «Die Situation ist im nächtlichen Ausgang sicher eine andere als am Regenbogenhaus, wo die Nutzungen meist tagsüber und am frühen Abend stattfinden», so Rudolph. Im Moment sei es aber noch zu früh für konkrete Überlegungen zur Sicherheit.

Für den Geschäftsführer des Queer-Clubs Heaven im Zürcher Niederdorf, Marco Uhlig, sind homo- wie auch transphob motivierte Über- und Angriffe jedoch nicht ausschliesslich ein Problem der Nacht oder des Weekend: «Queere Menschen werden nicht nur im Zürcher Niederorf beleidigt, angespuckt und angegriffen. Es passiert überall und zu jeder Tages- oder Nachtzeit.» Die Situation habe sich über die letzten zwölf Monate nicht verbessert. Um den Schutz der Besucher garantieren zu können, brauche es daher ein Sicherheitskonzept.

«Wenn sich bei Gruppen von homophoben Personen herumspricht, dass es das Regenbogenhaus gibt und dort LGBTI-Menschen ein und aus gehen, wäre es nicht schlecht, jemanden zu haben, der zum Rechten schaut», sagt Uhlig. «Zumindest sollte man Mitarbeiter ausbilden, wie sie Konflikte deeskalieren, Opferhilfe leisten oder Täterbeschreibungen machen können. Ein Awareness-Team wie es im Heaven gibt, wäre eine weitere Möglichkeit.»

Gemeinsame Vernetzung

In der Bevölkerung sei die Akzeptanz für queere Menschen und Anliegen im Vergleich zu früher stark gestiegen. Jedoch gebe es noch immer Personen, die eigene Ängste mit menschenfeindlichen Aussagen oder sogar physischen Übergriffen kompensieren wollten, sagt Helena Trachsel, Leiterin der Fachstelle Gleichstellung des Kantons Zürich. Das Regenbogenhaus sei aber als Ort der Zusammenkunft für viele Menschen in der Community gedacht – auch für Familien. «Daher gehe ich davon aus, dass das Haus ein sicherer Ort für diese Menschen sein wird.»

Für die LGBT-Community sei das Regenbogenhaus ein extrem wichtiges Unterfangen, sagt Trachsel. «Jeder Mensch braucht eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, wo man sich trifft und wichtige Themen bespricht.» Gerade als Minderheit, die Themen und Anliegen gesellschaftsfähig machen oder Gesetze einbringen müsse, sei die gemeinsame Vernetzung unabdingbar, sagt Trachsel.

Diese Organisationen unterstützen das Regenbogenhaus

  • Aids-Hilfe Schweiz (AHS)
  • Boyahkasha
  • Checkpoint Zürich
  • checkin Helvetiaplatz
  • Chor Rosa
  • CooL (Christliche Organisation von Lesben)
  • Du bist du
  • entreNous
  • fels (Freundinnen, Freunde und Eltern von Lesben und Schwulen)
  • Gay Sport Zürich
  • GLL – das andere Schulprojekt
  • HAZ – Queer Zürich
  • L-Punkt (LBTQ* Student*innen)
  • LOS (Lesbenorganisation Schweiz)
  • Milchjugend – falschsexuelle Welten
  • offstream
  • outdoor sports for gays
  • Pink Cross (Schweizer Dachverband der schwulen und bi Männer*)
  • Pink Apple (schwullesbisches Filmfestival)
  • queerAltern
  • Queerspace
  • QueerAmnesty
  • regenbogenfamilien
  • schmaz – schwuler männerchor zürich
  • Sappho-Verein
  • SoMo Yoga
  • Transgender Network Switzerland (TGNS)
  • WyberNet
  • z&h (GBTQ Student*innen)
  • zurichpride

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